„Gemeinsam gegen Antisemitismus! Gemeinsam gegen Israel?“

Hiermit dokumentieren wir ein Flugblatt der Assoziation Wiederholungszwang brechen, das auf der vom Zentralrat der Juden in Deutschland initiierten Allparteien-Kundgebung mit dem Titel „Steh auf, nie wieder Judenhass“ vor dem Brandenburger Tor verteilt wurde.



Gemeinsam gegen Antisemitismus! Gemeinsam gegen Israel?

(Text als PDF)

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist schon ein besonders absurder Treppenwitz der Geschichte, wenn eine Veranstaltung zur Rettung der „Israelkritik“, die skurrilen agents provocateurs auf den Plan ruft, die sie verdient, weil sich Unterstützer wie „Gegner“ in der Sache bereits einig sind: gemeinsam gegen Antisemitismus, gemeinsam gegen Israel. Dass das wohlfeile „Nie-wieder!“-Geschwafel in Deutschland ungefähr soviel Gewicht hat wie die Sicherheit Israels „Teil der deutschen Staatsräson“ (Angela Merkel vor der Knesset) ist oder wie die im selben alt-europäischen Geist stets markig verkündeten und stets konsequenzlos überschrittenen roten Linien Obamas, zeigt sich (nicht nur) bei jedem der Selbstverteidigungskriege Israels immer wieder. Zur Erinnerung: Im Sommer 2010, als die humanitäre Terroristen-Flotilla Mavi Marmara von der israelischen Navy im Mittelmeer aufgebracht wurde und dabei 9 Jihadisten von israelischen Soldaten aus Notwehr erschossen wurden, gab es nicht nur auf dem Frauendeck, auf das sich die Abgeordneten der Linkspartei, Inge Höger und Annette Groth, aus gender-sensiblem Respekt vor der islamischen Geschlechterapartheid zurückgezogen hatten, kein Halten, sondern in ganz Deutschland auch keine Parteien mehr. Ein interfraktioneller Antrag, dem Bundestag zur Entschließung vorgelegt, wurde nämlich kurz darauf einstimmig angenommen. In diesem sah das deutsche Parlament starke Hinweise dafür gegeben, dass – ein antizionistischer Evergreen – der „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt“ worden sei und forderte: „die unmittelbare, bedingungslose und dauerhafte Öffnung von Zugängen zu Gaza für den Verkehr von humanitärer Hilfe, kommerziellen Gütern und Personen nach und aus Gaza“. Darüber hinaus wurde die Bundesregierung angehalten, „die Forderung der Europäischen Union nach einer sofortigen Aufhebung der Gaza-Blockade mit Nachdruck zu unterstützen“. Unterschrieben für ihre jeweiligen Fraktionen haben dieses infame Dokument Volker Kauder und Dr. Hans-Peter Friedrich, Dr. Frank-Walter Steinmeier, Birgit Homburger sowie Renate Künast und Jürgen Trittin. Philip Mißfelder, der illustre Putin-Intimus und Kuratoriums-vorsitzender des Koordinierungsrates gegen Antisemitismus betonte damals gegenüber Wolfgang Gehrcke stolz den „gemeinsamen Boden“, den man in dieser Frage mit der Linkspartei teile. Dieselben Forderungen also, mit denen die medialen Agenturen des gesunden Volksempfindens zuverlässig die Kriege der Hamas begründen und wegen deren Erfüllung die Hamas diese auch überhaupt führen kann. Denn natürlich wurden die Hilfsgüter, wie etwa der in Unmengen gelieferte Zement, nicht dem Aufbau ziviler Infrastruktur zugeführt, sondern diese gingen ebenso wie unzählige Kinder und Jugendliche für den Bau der Terrortunnel und Bunker der gar nicht einmal so heldentodgeilen Führer der bärtigen Faschisten drauf. Dass humanitäre Hilfe jederzeit, auch während aller Kriege, in den Gazastreifen kommt und dort niemand Hunger leidet, muss genauso wenig betont werden, wie dass die Aufhebung der Blockade einen noch verheerenderen Krieg notwendig gemacht hätte und in Zukunft machen wird. Denn jeder, der es wissen will, weiß, dass es der Hamas nicht um humanitäre Hilfe, kommerzielle Güter oder den freien Personenverkehr, also politische Forderungen, die einer Kompromisslösung zugänglich wären, geht: Ihr Ziel ist die Vernichtung der Juden. Wer’s nicht glauben mag, werfe nur einen Blick in ihre Charta. Wer das verschweigt und den sog. Nahostkonflikt auf einen territorialen Streit zwischen zwei politisch und moralisch gleichberechtigten bzw. gar -wertigen Konfliktparteien herunterbringt, wird zum Komplizen, betreibt die Rationalisierung des antisemitischen Hasses. An dieser beteiligen sich parteienübergreifend so gut wie alle namhaften deutschen Politiker mit schöner Regelmäßigkeit. Um ein paar beim Namen zu nennen: Martin Schulz (SPD) war Anfang des Jahres, als er nicht besonders telegen für das Präsidentenamt des Europäischen Parlaments kandidierte, nicht einmal das dümmste Gerücht über den jüdischen Staat, der nunmehr nicht als Brunnenvergifter, dafür aber als hinterhältiger Brunnenaustrockner agiere, zu blöd. Der nicht besonders kreative Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) wiederum fühlte sich kurz zuvor in Hebron an ein – ja richtig geraten – Apartheid-Regime erinnert. Und die Grünen verkauften ihre neu aufgelegte „Kauft nicht beim Juden“-Kampagne des letzten Jahres als demokratischen Beitrag zu einer „informierten Kaufentscheidung“, damit der Shekel, zumindest im Westjordanland, vorerst nicht zu sehr rollt. Von den Linken wollen wir erst gar nicht anfangen. In diese pazifistische „Moralität der Debilen“ (Eike Geisel) stimmen aber auch all diejenigen ein, die glauben, bei allen Kriegen, die Israel inzwischen in zunehmender Regelmäßigkeit aufgezwungen werden, ein „verhältnismäßiges“ Vorgehen der israelischen Armee einfordern zu müssen. Denn erstens geht die israelische Armee äußerst behutsam und selektiv gegen die Hamas vor und zweitens müsste man einmal die Frage stellen, was denn die Rede von Verhältnismäßigkeit in Bezug auf einen Gegner überhaupt meinen soll, dessen Kriegsführung nicht nur der Intention nach genozidal ist. Die Deutschen glauben, was sie lügen. Entsprechend verhält es sich mit der zunehmenden Zahl linker jüdischer Israelis, die (leider nicht ganz) ent-täuscht ihrer Heimat den Rücken kehren, weil dort die Mehrheit der Bevölkerung von ihrer antizionistischen „Krieg für Land“-Masche die Nase zurecht gestrichen voll hat und die jetzt nicht nur als nützliche Idioten, sondern als genuine Propagandisten der antisemitischen Internationale ihr zumeist dürftiges Künstler-Dasein in Berlin suchen. Es ist die Rede von der – Sie haben sie wahrscheinlich schon an ihren hetzerischen Plakaten und Flugblättern hier vor Ort erkannt – Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost, von den bei fast allen politischen Stiftungen in Berlin stets wohlgelittenen Anarchists against the Wall sowie den treibenden Kräften hinter der Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS)-Kampagne gegen den jüdischen Staat. Diese recht aktive und umtriebige Szene, die z.T. exakt dasselbe verlauten lässt, wie die Repräsentanten des deutschen Staates, der deren angegliederte NGOs und Vorfeldorganisationen im Kampf gegen Israel durchaus großzügig alimentiert (vgl.: ngo-monitor.org/…), will Israel zu dem „Juden unter den Staaten“ (Léon Poliakov) machen, zu einem Paria-Staat, der, politisch und ökonomisch, kalt gestellt, lieber heute als morgen die Segel streicht. Nur so können sie die Juden ertragen: wehrlos und unterwürfig, dem good-, genauer: ill will der weltweiten Antisemiten ausgeliefert. Die Form der Rationalisierung des Wahns ist dabei dieselbe: Wo Rauch ist (also Juden beleidigt, bedroht, angegriffen oder sogar getötet werden; wenn gegen Israel Krieg geführt wird), da ist auch Feuer (jüdische Schuld: „ethnische Säuberungen“ bisweilen auch mal der „Genozid“ an den Palästinensern, die „Apartheid(smauer)“, der „Rassismus“, „Kolonialismus“, die „Besatzung“, der „Wasser- oder Landraub“).
Die antisemitische Raserei wird konsequent als Epiphänomen verkannt, für diese zeichne das „kolonialistisch-kriegerische“ Gebaren Israels bzw. das zionistische Gebaren der „Diaspora-Juden“ verantwortlich – die plumpe Neuauflage des alten „der Jud ist schuld“-Stereotyps. Wenn die Juden weltweit doch bloß von Israel abrückten, so die Ursache und Wirkung verkehrende Unterstellung, dann kriege sich die „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“-Fraktion auch wieder ein und grüße künftig brav mit „Shalom – Salam“. Derartiger Schmarrn ist die durchaus Schule machende Todeswunschvorstellung einer wahnhaften One World. Was beide Seiten dieses postnazistischen Kippbildes aber fein außen vorlassen, das Skotom, das die Inszenierung eines pathetischen „Nie wieder!“-Kampfes gegen den Antisemitismus heute überhaupt erst ermöglicht, das ist die existentielle Bedrohung Israels durch den Iran. Wenn die politischen Repräsentanten des deutschen Staates oder die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost es mit ihrem abgegriffenen Engagement gegen den Antisemitismus auch nur ein ein wenig ernst meinten, dann müssten sie ihre Forderungen nach dem Boykott und den Desinvestitionen, sowie harten Sanktionen vehement gegen das mörderische Terror-Regime in Teheran in Anschlag bringen, der Zerschlagung und Entmachtung ihrer Satelliten, der Hizbollah im Libanon sowie der Hamas im Gazastreifen, unverzüglich zuarbeiten, Denken und Handeln so einrichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe. Ihr Handeln ist aber eine Ersatzhandlung und reagiert sich wie eh und je am Ersatzobjekt ab. Während Israel aufgrund seiner Bekämpfung dieser islamfaschistischen Mörderbanden, die im Übrigen für alle Toten politisch und moralisch die Verantwortung tragen, unablässig gemaßregelt, angeklagt, dämonisiert und dadurch delegitimiert wird, verliert man über die Sponsoren und Hintermänner dieses Stellvertreterkrieges kein Sterbenswörtchen, sondern gewährt dem Iran qua Atomverhandlungen, die Zeit, den er für den Bau seiner Wunderwaffe benötigt. Trotz der mehrfach angekündigten nuklearen Vernichtung Israels, ist die deutsche Wirtschaft schon auf dem Sprung, noch bevor das ohnehin unzureichende Sanktionsgerüst auch nur ansatzweise bröckelt. Anstatt den Iran wegen seiner terroristischen Worte und Taten in die Knie zu zwingen – Deutschland ist sein größter Wirtschaftspartner im Westen – loten von der Körber-Stiftung über den Nah- und Mittelostverein (NUMOV) die ökonomischen und politischen Eliten hierzulande bereits seit Monaten die erhofften Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit aus. Lassen Sie sich nichts vormachen, der Kampf gegen Antisemitismus besteht nicht darin vom „Apartheidsstaat“ abzurücken, damit das „Wirtsvolk“ befriedigt nach Hause gehen kann.

„Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder.“
(Paul Spiegel)

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Das war eine spezielle Mentalität, nicht wahr? – Nachruf auf Peter Scholl-Latour

Unter Freunden.

Am 16.08.2014 verstarb Peter Scholl-Latour und machte sich damit in einer Weise um die Qualität deutscher Nahostberichterstattung verdient, die ihm zu Lebzeiten stets verwehrt blieb. Binnen weniger Stunden sammelten sich die Geier des deutschen Feuilletons, um einem der ihren die letzte Ehre zu erweisen. Der „Welterklärer“ sei gestorben, wurde der Spiegel-Titel von dermaleinst immer und immer wieder zitiert, von Spiegel bis FAZ ließ man es sich nicht nehmen, die zutiefst „romantische und reale“ Gestalt zu ehren.

Die Beliebtheit Peter Scholl-Latours gründete sich dabei in erster Linie auf just jener Authentizität, die ihm den Ruf des Romantikers überhaupt erst einbringen konnte. Sie war das journalistische Pfund, mit dem er zeitlebens wuchern konnte: „Dabei beziehe ich mich immer wieder auf das persönliche Erlebnis vor Ort, auf die Tuchfühlung mit dem realen Geschehen, was im Zeitalter einer perfektionierten Meinungsmanipulation durch die Medien unentbehrlicher ist denn je“, beginnt er sein Buch Weltmacht im Treibsand. Dass er, der durch die deutschen Talkshows gereicht wurde wie sonst nur Helmut Schmidt, nicht Bestandteil ebenjener Manipulation sei, daran ließ er keinen Zweifel. Mehr als einmal pries er sich an als Fels in der Brandung eines verkommenen Journalismus im „Deutschland der Selbstzensur, der braven Anpassung an die ‚political correctness‘“, was ihm auch noch posthum den Applaus all jener deutschen Presseorgane garantierte, die ihm doch anscheinend hätten gar keine Stimme gewähren dürfen.

Dass solche Ungereimtheiten weder ihm noch seiner Klientel je übel aufstießen, lag daran, dass Scholl-Latour nicht für die Vernunft, sondern für’s Herz schrieb: All jene, die aus ihrem Herzen noch nie eine Mördergrube machten, durften sich in der Scholl-Latourschen Prosa in ihren Vorurteilen und Ressentiments bestätigen lassen. Mitzubringen an Vorwissen und kritischem Geist hatte man hierfür kaum je mehr als die Bereitschaft, sich schlechtere Kopien eines Karl-May-Romans anzutun.

„Die Augustsonne steht im Zenit über Babylon. Der Euphrat drängt sich nicht mehr mit seiner grünen Flut an das weite Ruinenfeld aus Lehmziegeln. Aber ein neu gezogener Kanal und eine umstrittene Rekonstruktion der alten Metropole erwecken die Illusion, es habe sich nicht allzuviel geändert seit der fernen Zeit, als der Großkönig Nebukadnezar hier das Zentrum seines Reichs zwischen Mittelmeer und persischem Golf errichtete und die Kinder Israel an den Ufern des fremden Stromes weinend des verlorenen Zion, des verwüsteten salomonischen Tempels gedachten.(…) Ich bin ganz allein in diesem Feuerofen mit meinem archäologisch gebildeten Führer[.]“ sind Zeilen, die einigermaßen charakteristisch für das Scholl-Latoursche Schaffen sind. Die Landschaftsbeschreibungen und ausufernden rassentheoretischen Exkurse suggerieren immer wieder, dass man es hier mit einem zu tun hat, der Land und Leute wahrlich kennt und stets auf Tuchfühlung ging. Dabei wäre es noch zu viel unterstellt, ihm hier eine Strategie vorzuwerfen: der exotistische Kennerblick, mit dem er seine Freunde und Bekanntschaften in Spezien unterteilte, kam vermutlich wirklich aus tiefstem Herzen.

Dass Rafsanjanis spärlicher Haarwuchs wohl auf seine mongolische Abstammung zurückzuführen ist, ist für den Leser Scholl-Latours so interessant wie die Tatsache, dass Khameinis Temperament auf sein Türkentum zurückzuverfolgen wäre. Die Welterklärungen Peter Scholl-Latours funktionierten durch diese einfache Formel: erst einmal ethnisiert, wurden die Konflikte der Welt dem deutschen Publikum fass- und begreifbar. Dies galt umso mehr, als man letztendlich stets darauf zurückkommen konnte, den amerikanischen Mangel an Verständnis für die kulturellen Eigenheiten der Region als Hauptursache nahöstlicher Flächenbrände auszumachen. Das Pentagon hatte eben, im Unterschied zu den Getreuen Peter Scholl-Latours „nur ein Minimum an Kenntnissen über die religiösen Verhältnisse, die spezielle Mentalität der Araber“. Hätte das Pentagon sich nur ein wenig besser im Irak ausgekannt, es hätte wissen können, dass die Iraker sich nach nichts mehr sehnten als nach einem „Saddam-Staat ohne Saddam Hussein“, was den Absturz ins Chaos vermieden hätte. Schließlich weiß man von der Maas bis an die Memel: „Bis zum neuen Kriegsausbruch 2003 funktionierte [das Saddam-System] hervorragend, was in einem orientalischen Land fast einem Wunder gleichkam.“

Dieser Zynismus, der den arabischen Menschen stets die angemessene Knute wünschte und sich ohne weiteres auch mit den Ayatollahs anfreunden konnte, garantierte Scholl-Latour bis zu seinem Lebensende Ehrenplätze in sämtlichen Diskussionsrunden, die Deutschland bestätigten, was es immer schon über Araber und Perser wusste. Die gelegentlichen antisemitischen Invektiven, die der Ehrenwerteste aller Nahostexperten stets nur als Anekdoten zum Besten gab, taten ihr übriges zu seiner ungebrochenen Beliebtheit: sei es das Geraune, dass Washington letztlich nach der Pfeife Jerusalems tanze oder aber die Einsicht, dass der Zionismus die Ursache für die Rückkehr der Araber zu den Theokratien wäre – Scholl-Latours authentischer Art gelang es bis zum Schluss, derartigen Unsinn als neueste Einsicht zu verkaufen. Der alte Weise agierte dabei als Gesamtkunstwerk. Selbst das Füllsel, das zu seinem Markenzeichen avancierte, ein an seine Erklärungen angehängtes „nicht wahr?“ heischte beim Publikum nach einer stets erneuerten Bestätigung seiner Persona als aufrecht und unparteiisch.
Dieses Schema F bescherte ihm bereits Jahre vor seiner Nahostexpertenschaft das meistverkaufte Sachbuch der Nachkriegszeit. Seine Vietkong-Schmonzette Tod im Reisfeld hatte bereits alle seine späteren Gassenhauer im Programm: „Die dunkelhäutigen Khmer-Mädchen mit dem leicht gelockten Haar unterschieden sich von ihren vietnamesischen Schwestern durch ein animalisches Naturell und durch fröhliche Wildheit… diese kupferhäutigen Menschen mit den kaum geschlitzten Augen, die angeblich der polynesischen Rasse zuzuordnen waren, wurden als Moi, das heißt als Wilde bezeichnet… Im Jahr 1946 hatte ich die Moi im Umkreis von Dalat noch nackt, nur mit einem Lendenschurz angetan, durch die Wälder streifen sehen. Jetzt trugen die meisten Männer grünes amerikanisches Drillichzeug und die Frauen versteckten ihre wohlgeformten Brüste. Dem Europäer gegenüber waren diese einfachen Menschen von herzlicher Zutraulichkeit. … Das Grundelement dieser Rasse ist hart und spröde. Im Gegensatz zu den triebhaften und heiter-undifferenzierten Siamesinnen ist die Vietnamerin ähnlich zerebral wie die Chinesin… Der Mann faszinierte uns. Er war ein asiatischer Albino mit schneeweißem Haar und bleicher Haut…“

Was der Gegenstandpunkt bereits vor Jahren adäquat für die Causa Vietnam kritisiert hatte, blieb dem geneigten Publikum erhalten: Konflikte ergaben sich für den Welterklärer nicht aus politischen und ökonomischen Gemengelagen, sondern aus Mentalitäten, die bestenfalls von jenen affiziert wurden. Ganz folgerichtig waren etwaige Animositäten Israels mit seinen Nachbarn auch weniger ein Resultat antisemitischer Agitation der Nationalsozialisten in der arabischen Welt oder auch nur der Genese antisemitischer Ideologien, sondern vielmehr Ausläufer jahrtausendealter Charaktermerkmale der Völker: „[Es] vollzog sich auch schon um 920 vor Christus ein blutiger Spaltungsprozeß, an dessen Folgen – so seltsam es klingt – der zeitgenössische zionistische Staat in seinem innersten Wesen noch krankt. Die Todfeindschaft der beiden Erben Salomos, Rehabeam und Jerobeam, kulminierte in der Gründung zweier rivalisierender Königreiche…. Wenn ich den fernen Zeitabauf dennoch in ein System einzuordnen versuche, so wegen seines brisanten Bezugs zur Gegenwart. Ohne diesen summarischen Rückblick lassen sich die derzeitigen Spannungen im Heiligen Land kaum erklären…Es läge nahe, auch den neu entbrennenden Sektenstreit zwischen Pharisäern und Sadduzäern – die Namen sind uns aus den Evangelien wohlvertraut – in das moderne Schema von Orthodoxen und Säkularen zu zwingen.“ Und so weiter.

Wer bei soviel Expertise noch am hohen Stand der Scholl-Latourschen Bildung zweifelte, musste sich spätestens von den gänzlich unnötigen Einflechtungen bildungsbürgerlichen Stumpfsinns becircen lassen. So fällt dem Globetrotter beispielsweise im Angesicht fehlender Trauerrituale des Saddam-Regimes ein, dass „Tote ohne Begräbnis“ ja auch ein Stück von Sartre sei, während die Hausbesitzer seiner Metaphern nicht etwa „Achtung vor dem Hund“ sondern „Cave canem“-Schilder an ihren „Pforten“ anbringen.
Selbst die sim­ple For­mu­lie­rung, dass das „zwei­te Ge­schlecht be­ruf­li­che Schlüs­sel­stel­lun­gen“ er­obert habe, kommt bei einem sol­chen Mann von Welt nicht ohne den Hin­weis aus, dass das Wort ur­sprüng­lich von de Be­au­voir stam­me.

Was als vereinzelter Fehltritt auch tatsächlich vernachlässigbar gewesen wäre, muss dennoch im Kontext seines ganzen Wirkens betrachtet werden: es waren derlei Anekdoten und altkluge Kommentare, die ihm die Aura des bescheidwissenden Welterklärers stifteten und auch über seinen Tod hinweg seine gesamtdeutsche Beliebtheit bis weit ins linke Kulturbürgertum hinein sicherten.

Dass Scholl-Latour selbst hier Anhänger sammeln konnte, war keineswegs selbstverständlich und ist in der Tat als Verdienst seines Charismas zu rechnen. Wie kaum ein zweiter bediente er die Klaviatur kulturalistischer Ressentiments, sein notorischer Antiamerikanismus sicherte ihm dabei auch auf der politischen Linken eine treue Stammleserschaft. Diese ließ sich nicht einmal davon beirren, dass Scholl-Latour in seinen letzten Jahren auch wieder ganz öffentlich und ohne jegliche Scheu zu erkennen gab, dass seine Tabubrecherei weit im rechten Lager zu verorten wäre. Er beteiligte sich nicht nur an Konferenzen des antisemitischen und schwulenfeindlichen Compact-Magazins Jürgen Elsässers, sondern gab auch unmissverständlich zu verstehen, dass er die Kameraden des rechten Kampfblättchens Junge Freiheit als unabhängige Geister seines Schlages begreife.

Da Scholl-Latours Wirken in der Hauptsache über seine Ausstrahlung des ehrbaren Vermittlers funktionierte, der es über die Jahre hinweg immer wieder gelang rechte und reaktionäre Positionen auch in der Mitte der Gesellschaft diskussionsfähig zu machen und zu halten, ist sein Tod ein schwerer Verlust für all jene, denen sein Wirken zeitlebens in die Hände spielte: auch die Islamische Republik Iran verlor mit dem Tod des selbsternannten Khomeini-Vertrauten einen ihrer eifrigsten Fürsprecher, weshalb das Regime sich prompt um öffentliche Beileidsbekundungen bemühte.

Das Ende der Publikationstätigkeit des alten Reaktionärs ist vor diesem Hintergrund ein Grund zur Freude für all jene, die auch in der arabischen Welt, im Iran, Israel, im Nahen und im fernen Osten nie Gefallen daran fanden, sich ethnischen Zwangseinrichtungen kritiklos unterzuordnen und denen Jahr um Jahr in den Rücken gefallen wurde. Die Abertausende, die vom „hervorragenden Funktionieren“ des Saddam-Regimes vor 2003 dahingeschlachtet wurden und die zahllosen, die im Iran und in Syrien auch heute noch um ihre Freiheit kämpfen, verlieren mit Peter Scholl-Latour einen mächtigen Gegner. Sein Tod ist für all jene entgegen der nun angestimmten allgemeinen Lobhudelei ein Grund zum Aufatmen, bedeutet er doch, dass seit dem vergangenen Wochenende eine Stimme weniger predigt, die Araber seien qua Rasse darauf verpflichtet, auf ewig im Joch zu leben.

Warum auch in die Ferne schweifen…

Deutsche Islamkritik.

„Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, beim Nazi ist das andersrum.“
-Spontispruch

Wie man es dreht und wendet, ganz unfreiwillig sprachen die Spontis seinerzeit schon aus, womit man sich in der politischen Landschaft Deutschlands würde abfinden müssen: zwei Arten von Idioten, Tucholskys berühmtem Haufen „neurasthenischer Irrer, die samt und sonders, jeder für sich, unrecht haben.“
Die beiden Pole dieser Auseinandersetzung zeigen sich archetypisch in zwei Erklärungen, die man sich genötigt sah in den deutschen Blätterwald zu scheißen: einerseits in der Erklärung der Hannoverschen Zivilgesellschaft gegen Antisemitismus, andererseits in Christian Geyer-Hindemiths Kolumne „Nicht dummstellen“ in der FAZ.

Die gute Nachricht zuerst: Geyer stellt sich nicht dumm. Er hat das mangels kognitiver Kapazitäten gar nicht weiter nötig. Der gute Geyer ist Phänomenologe. Als solcher weiß er festzustellen: „Dieser Antisemitismus entspringt nach allem, was man wahrnimmt, maßgeblich den Köpfen von Migranten aus der Türkei und arabisch-islamischen Herkunftsländern“.

Freilich weiß ein tüchtiger Rassenkundler und Brecher politischer Tabus wie Geyer, wie man durch bloße Wahrnehmung den Migranten vom deutschen Staatsbürger unterscheidet – das erspart nämlich die lästige Nachfrage danach, wie es mit der Vermittlung von deutschem und arabisch-türkischem Antisemitismus bestellt ist.

Nachdem Geyer also seine ethnologischen Beobachtungen erfolgreich beendet hat, schreitet er zur Urteilsverkündung: „Richtig ist, dass in vielen dieser judenfeindlichen Obszönitäten ein tradierter Antisemitismus aus der Heimat nachwirkt, der nicht ohne seine religiösen Hintergründe erklärt werden kann.“

Geyers Unglück besteht nun nur darin, dass die religiösen Hintergründe des Antisemitismus muslimischer Prägung keineswegs aus ‚deren‘ Heimat tradiert werden – was ein solch scharfsinniger Beobachter spätestens dann hätte bemerken können, als Gas für die Juden gefordert wurde: ein solcher Antisemitismus tradiert sich nicht aus Mekka, sondern aus München – hierin irren sich Geyer und seine scheinbaren Feinde gleichermaßen.
Und wäre es nicht Deutschland, man dürfte hoffen, dass sich die linke Opposition klüger verhielte. Stattdessen muss man hierzulande vorlieb nehmen mit der „Hannoverschen Zivilgesellschaft gegen Antisemitismus“, in der sich von DIG über den BAK Shalom bis hin zu allerlei Israelfreundschaftsvereinen jeder tummelt, der noch den dümmsten Wisch unterschreibt, der sich vom Antisemitismus distanziert.

In der Erklärung heißt es, nachdem man sich schon nicht zu schade war, das Menschenrecht auf Israelkritik abermals zu betonen:

„Angesichts der Teilnehmerinnen und Teilnehmern [sic!] der Pro-Hamas-Demonstrationen müssen wir feststellen, dass es unter den hier lebenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit muslimischen Wurzeln ein Segment gibt, das in seinem hasserfüllten Antisemitismus den deutschen Neonazis in nichts nachsteht. Auch die Kooperation israelkritischer linker Gruppen mit diesen Spektren erfüllt uns mit großer Sorge.“

Während also die politisch korrekt umschriebenen Muslime in ihrem Antisemitismus den Neonazis in nichts nachstehen, sind die linksdeutschen Freunde der Hamas bloß „israelkritische“ Gruppierungen, deren Recht auf Kritik selbstverständlich verteidigt werden muss.

Was beide verbindet, ist die bedingungslose Bereitschaft, den Islam und die muslimischen Communities als ‚ganz Andere‘ zu begreifen, deren Antisemitismus losgelöst von dem der Deutschen zu betrachten wäre. Beiden entgeht, inwiefern genau diese Wahrnehmung die neue Qualität des Antisemitismus überhaupt erst ermöglicht:
Durch die Verschiebung des Vernichtungsantisemitismus in eine muslimische Welt, die keinerlei Berührpunkte mit der europäischen hat, wird jene zum idealen Erfüllungsgehilfen derjenigen Sehnsüchte, die vom SPDler Schulz über Marcus Staiger bis hin zu den Frauendecklern der Linkspartei hierzulande die Nahostpolitiker und Friedensfreunde umtreiben.

Die falscheste Antwort auf dieses Dilemma wäre es nun darauf zu verweisen, man solle nicht den Antisemitismus der muslimischen Communities als solchen und mit gesteigerter Dringlichkeit adressieren: Richtig wäre es, endgültig zu begreifen, dass der Antisemitismus der Muslime der Preis für die Israelkritik der Europäer ist. Indem man ihnen ihren „Sprechort“ zugesteht um hernach Verständnis für ihre israelkritischen Haltungen zu zeigen, legitimiert man sie zu genau dem Mord und Totschlag, von dem man hinterher behauptet, man hätte immer schon vor ihm gewarnt.

Dass man keine Ideologiekritik des Islam entwickeln möchte, liegt nicht daran, dass man sich davor fürchtet, die Muslime zu stigmatisieren, wie die Geyers dieser Republik das heute schon tun: die Hannoveraner Erklärung zeigt das deutlich. Es liegt daran, dass man im Herzen dieser Ideologie gar zu viel über sich selbst herausfände.

Kurzum: man lässt die Muslime als unmittelbar vom Zionismus Betroffene ihre kindliche Wut ausagieren und rationalisiert jene, um ein ehrbares Feigenblatt für den eigenen Antisemitismus vorweisen zu können. Das sozial installierte Tabu über dem europäischen Antisemitismus wird hierdurch nivelliert, zugleich jedoch enthebt man sich der Verantwortung für den Schmutz, den man unentwegt produziert. Die chronische Unfähigkeit, über islamischen Antisemitismus zu sprechen, entspringt keinen politisch-korrekten Tabus, wie rechte Demagogen meinen: Sie entspringt dem Bedürfnis, auch beim nächsten Mal einen legitimen Grund zu haben, sozialarbeiterisches Verständnis für die Raketen der Hamas aufzubringen.

Proteste gegen den Al-Quds-Tag 2014

Wir kön­nen nicht sagen, man habe uns nicht ge­warnt. Freun­de und Freun­din­nen die im Vor­feld wuss­ten, wie er­trag­reich es nach aller Vor­aussicht sein würde, sich an der ‚an­ti­fa­schis­ti­schen‘ Mo­bi­li­sie­rung gegen den Al-Quds-Tag zu be­tei­li­gen, pro­gnos­ti­zier­ten von An­fang an, dass man nicht in der Lage sein würde die Zu­sam­men­ar­beit auf­recht zu er­hal­ten, ohne nicht ak­zep­tier­ba­re Zu­ge­ständ­nis­se ma­chen zu müs­sen.
Das Bünd­nis ent­schied sich er­war­tungs­ge­mäß da­ge­gen, un­se­ren Re­de­bei­trag im Rah­men der Pro­tes­te ver­le­sen zu las­sen. Der Re­de­bei­trag selbst hätte die zugrundeliegenden Probleme und Rücksichtnahmen adäquat benannt, weshalb er im Folgenden hier dokumentiert wird.

Hier finden sich:
1.) Die nicht gehaltene Rede
2.) Vier Thesen gegen den Common Sense
3.) Ein weiteres Flugblatt der HUmmel-Antifa

Unsere Kritik am Bündnis würde nur unter der Voraussetzung verfangen, dass es den Beteiligten Gruppen tatsächlich um Israel ginge, statt um Selbstbestätigung. Die Hummel-Antifa verfasste daher zu den vier Thesen ihr Flugblatt, in dem sie darlegt, weshalb genau das eine Prämisse war, von der wir ihrer Meinung nach nicht hätten ausgehen dürfen.

Vier Thesen gegen den Common Sense.

Vier Thesen gegen den Common Sense
(Text als PDF)

1. These: Gegen den linken Common Sense

Über den Al-Quds-Tag zu reden und in erster Linie damit zu mobilisieren, dass sich deutsche Nationalisten und die paranoischen Wahnsinnigen der Montagsmahnwachen dafür begeistern können, ist nicht nur kontraintuitiv, sondern gewissermaßen geradezu verlogen. Zu sehr schweigt sich eine solche Position darüber aus, dass es eben nicht deutschnationale Kräfte sind, die das Gros der Al-Quds-Demo-Teilnehmer ausmachen, sondern Islamisten und Muslime jedweder Couleur. Wer sich daran stört, dass dies einmal in aller Klarheit ausgesprochen wird, dessen antifaschistische Arbeit ist schon deshalb zum Scheitern verurteilt, weil er sich konsequent vor einer adäquaten Analyse der Wirklichkeit drückt: dass die Trennung zwischen Islam und Islamismus im Mindesten durchlässig ist, in der Causa Israel aber häufiger schlicht nicht existiert, ist schlechterdings eine Tatsache.

Wer in Anbetracht dieser Tatsache noch immer darauf insistiert, der Al-Quds-Tag würde nur von Islamisten, nicht aber von Muslimen besucht, täuscht sich und andere. Richtig ist: Nicht alle Muslime besuchen oder unterstützen den Al-Quds-Tag. Richtig ist aber auch, dass der Gegenwartsislam in den allermeisten seiner Ausprägungen dem jüdischen Staat lieber heute als morgen an den Kragen will. Der Islam verhält sich zum Islamismus wie der harmlose Patriotismus zum Nationalismus: dass Antifaschisten, die bei jeder WM-Fahne eine Wiederkehr des NS wittern, dies nicht sehen wollen, ist im Mindesten sträfliche Fahrlässigkeit.
Es ist vor diesem Hintergrund – so traurig das für engagierte Kulturwissenschaftler oder Historikerinnen sein mag – schlechterdings uninteressant, dass die islamische Welt in der Vergangenheit die Aufklärung förderte und einige der maßgeblichsten Errungenschaften der Zivilisation für sich verbuchen kann: dies taugt einzig als Beweis für die Banalität, dass es keine Essenz des Islam gibt, die bis in alle Ewigkeiten unverändert bleiben muss. Der Beweis allerdings, dass die gnadenlose Regression des Islam zu einer barbarischen Herrschaftsideologie umkehrbar wäre, müsste zunächst geführt werden. Dies ist nicht die Sache der Antifaschisten, sondern die der Muslime, die in ihrer überwältigenden Mehrheit derzeit solche Probleme lieber verleugnen, als sie zu adressieren oder zu kritisieren.

Sache der Antifaschisten dieser Tage muss etwas anderes sein, das in den letzten Wochen schmerzlich offensichtlich wurde: eine rückhaltlose, unmissverständliche Kritik der skrupellosen Gewalt, die ein ums andere Mal aus den Reihen antiisraelischer Demonstrationen ausging und die sich nicht schämt, überall in Europa Synagogen zu beschmieren, in Brand zu setzen oder zu belagern. Sache der Antifaschisten hat es zu sein, zu adressieren, dass weder die Entstehung von Boko Haram, noch die Entstehung von ISIS/ISIL im luftleeren Raum geschahen, sondern ihre Wurzeln in ‚gewöhnlichen‘ muslimischen Gesellschaften liegen, die sich in ihrem Hass auf Israel und den Westen häufig eher graduell als substantiell von ihren mörderischen Wiedergängern unterscheiden. Um unmissverständlich zu sein: Freilich liebt man auch in diesen Gesellschaften die Geister, die man rief keinesfalls, man sieht sich nur ebenso unfähig, das Übel an der Wurzel zu packen – was bedeuten würde, mit liebgewonnenen Traditionen und Identitäten zu brechen.

2. These: Gegen den rechten Common Sense

Wer sich aber nun einbildet, in irgendeiner Form durch Einwanderungspolitiken oder rassistische Propaganda dieses Problem angehen zu können, der ist nicht nur Menschenfeind, sondern täuscht sich noch fataler als seine linken Gegner. Schließlich ist es nicht nur eine Tatsache, dass der Islam immer anziehender auf autochthone und Pass-Deutsche wirkt, sondern zudem ein Fakt, dass die antisemitische Hetze der islamischen Propaganda nicht nur Deutschland und Europa selbst entspringt, sondern zudem ein ums andere Mal in diesen Breiten willige und verständnisvolle Hörer findet, die die verschiedenen Arten des Jihad nur allzu gern mit Geldern und ideologischer Schützenhilfe ausstatten.

Von dieser Banalität einmal abgesehen, bleibt festzuhalten, dass diejenigen, die unter den autoritären Strukturen der muslimischen Welt leiden, in erster Linie die Muslime selbst sind. So sehr sie im Einzelnen es auch vermeiden mögen, das Kind mit dem Bade auszuschütten und ihre Religion aufzugeben, so deutlich begegnen ihnen doch im Alltag all die Restriktionen: ungezählt diejenigen, die ihre Homosexualität verleugnen, die Frauen, die sich nach Freiheit sehnen, die Pauperisierten, die sich nach dem westlichen Leben sehnen. Wer den Islam kritisiert, hat sich ihrer zu erinnern und ihnen allen Schutz zu bieten, der sich bieten lässt: eine Öffnung der Grenzen für die syrischen Flüchtlinge, für die iranischen Dissidenten, für überhaupt jeden, der der Hölle entkommen will, zu dem die Mullahs und Islamisten den Nahen Osten werden ließen, wäre das Mindeste, wofür man sich als zivilisierter Mensch einzusetzen hätte.

Soll sich niemand darüber hinwegtäuschen, dass die Islamisierung der Levante nicht zufällig anschloss an ihre Kolonisierung – und soll niemand behaupten, die neue Barbarei sei Resultat ‚rassischer‘ Konstanten oder eines mittelmeerischen Temperaments. Schließlich waren es deutsche Nationalsozialisten und italienische Faschisten, die die reaktionärsten Kräfte der Region über Jahre hinweg mit Rat und Tat unterstützten und förderten.

Bis heute handelt Deutschland mit dem Iran und ist einer der wichtigsten Technologieexporteure, bis heute schämt man sich nicht, die saudischen Financiers ungezählter Terrorgruppen als strategische Partner zu verharmlosen und dennoch tut man so, als trüge man keine Verantwortung für die Menschenmassen, die man vor Lampedusa ersaufen oder in deutschen Abschiebeknästen versauern lässt. Wer sich einbildet, er könne gegen den Islam demonstrieren und mit Israel solidarisch sein, ohne über die Hochzeit aus Faschismus und Islam zu sprechen, wer glaubt, er könne den Islam kritisieren ohne zugleich die Muslime, Muslimas und vor allem die Ex-Muslime vor seinen Exzessen schützen zu wollen, der rationalisiert einzig und allein seinen Rassismus und steht mithin nicht etwa für eine bessere Alternative, sondern liefert das westlich-säkulare Komplement zu genau jenen Scheußlich-keiten, die er angeblich so sehr hasst.

3. These: Gegen den deutschen Common Sense

Was also heißt es, gegen den Al-Quds-Tag auf der Straße zu sein und was sollte es heißen? Mit einiger Sicherheit ist damit nicht das folgenlose Bekenntnis gemeint, man stehe für das Existenzrecht Israels ein, wie es die deutsche Staatsraison fordert. Genauso wenig ist damit ein plumpes Bekenntnis gegen Extremismus ausgesprochen: es geht viel mehr um eine konkrete Solidarität mit dem jüdischen Staat und den Juden hier in Europa. Gegen den Al-Quds-Tag auf der Straße zu sein, das bedeutet den jüdischen Schutzraum anzuerkennen und die Maßnahmen, die er zu seiner Verteidigung trifft, zu unterstützen, indem man der europäischen Dämonisierung und diplomatischen wie journalistischen Isolierung Israels entschieden entgegentritt. Es ist nicht möglich, einerseits gegen die brennenden Synagogen zu sein und andererseits die Auffassung zu vertreten, die israelische Notwehr gegen den Raketenterror der Hamas sei ungerechtfertigt oder überzogen. Der erste Fall illustriert nur, was im letzteren Fall geschähe, wenn das israelische Militär sich nicht mit aller Gewalt gegen seine Todfeinde im Iran, Gaza und anderswo zur Wehr setzte.

Die deutsche Friedenssehnsucht, die beizeiten in Gestalt alternder SS-Schützen sich mockiert, dass Israel den ohnehin brüchigen Weltfrieden gefährde, ist nicht zu retten. Sie täuscht sich beständig über die Tatsache hinweg, dass es diesen Weltfrieden weder gibt, noch in antagonistisch organisierten Gesellschaften geben kann. In letzter Konsequenz, so zeigt die Empirie, nicht zuletzt anhand der derzeitigen Montagsdemonstrationen, ist sie in aller Regel ohnehin nur die mäßige Rationalisierung der eigenen Ressentiments gegen Juden, die USA und den Westen. Für Antifaschisten gilt es, sich ein für alle Mal vom Gedanken zu verabschieden, sie könnten eine Friedens-bewegung ohne Aluhüte bekommen. Der Frieden, der hier gemeint ist, ist stets identisch mit einem Frieden mit den Unterdrückern. Der Krieg ist in der Welt und wer die Niederlegung der Waffen fordert, der fordert den Erhalt des ancien régime. Weder Hamas, noch die Islamische Republik Iran, noch Assad, noch der „Islamische Staat“ sind mit Argumenten, Diskurs und Verhandlungen zu überzeugen. Sämtliche der genannten agieren weit unter dem Niveau von Kritik und Diskussion und müssen mit Waffengewalt niedergezwungen werden. Dies steht so felsenfest, dass es nicht mehr Teil der Debatte sein darf, ob das zu geschehen habe, sondern einzig und alleine Wie.

Und so sehr es den Deutschen, die bekanntermaßen seit 1945 überzeugte Pazifisten sind, an dieser Stelle in den Fingern juckt, zu erwidern, es sei sehr einfach dergleichen aus gemütlichen Studierstuben zu behaupten und man ignoriere die furchtbaren Realitäten eines Krieges, so deutlich muss diesen Kathederpazifisten entgegengehalten werden, es habe seinen guten Grund, dass die Friedensbewegungen der Vergangenheit mehr als einmal vor Militanz nicht zurück-schreckten. Es muss jedem, ohne jede Ausnahme, ein für alle Mal eingebläut werden, dass die Existenz oder Nichtexistenz eines Krieges sich nicht über die eigene Involviertheit in das Kampfgeschehen bestimmt. Die Syrer leiden bereits heute. Der Staat ist zerrissen, das Regime setzt chemische Waffen gegen die Bevölkerung ein, marodierende, islamistische Banden zerfetzen die Hoffnung an eine brauchbare Opposition. In Gaza leiden die Menschen bereits jetzt unter den Beschüssen, die die Hamas ein ums andere Mal provoziert, in Israel leben Millionen von Menschen in ständiger Angst vor dem Raketenhagel der palästinensischen Volksbefreier oder der Hisbollah. Der Iran werkelt an der Bombe und destabilisiert die Region, während eine Gewaltwelle neuer Qualität sich in Gestalt von ISIL durch die Levante wälzt. In diesem Klima den Frieden zu fordern heißt, den Unterdrückern das Feld zu überlassen.

4. These: Gegen den antideutschen Common Sense

Gegen diese Grabesruhe zu opponieren kann dabei nicht heißen, ein ums andere Mal die westliche Welt als einen möglichen Retter der arabischen Welt zu beschwören. Die vergangenen Jahre unter Obama haben gezeigt, dass die USA entweder nicht länger in der Lage oder aber nicht mehr willens sind, sich in der Region in dem Maße zu engagieren, das notwendig wäre, um in Syrien oder anderswo einen signifikanten Umschwung zu erzeugen. Dass kommunistische Agitation – also Agitation in einem Sinne, dessen hauptsächliches Anliegen es ist, jeden Zustand umzustürzen, in dem der Mensch ein geknechtetes, ein verächtliches, ein einsames Wesen ist, sich zeitweilig darauf stützen konnte, mit den Vereinigten Staaten und der Achse der Willigen zu kooperieren, war ebenso eine temporäre Episode wie die Zeit, in der kommunistische Kräfte kritiklos mit den Linken paktieren konnten. Da weder diese noch jene Seite in absehbarer Zeit zur Vernunft kommen werden, bleibt nur, die eigenen Kräfte und Einflussmöglichkeiten neu zu evaluieren und dementsprechend zu agieren. In aller Klarheit: Die militärische Verteidigung Israels wird von der IDF übernommen, deutsche Antifaschisten müssen und werden nicht in der arabischen Welt kämpfen – dementsprechend wäre es das Mindeste, aufzuhören sich so zu benehmen, als sei dies demnächst zu erwarten. Wer dieser Tage etwas tun möchte, der hat bis auf weiteres in seiner Reichweite zu agieren: das heißt einerseits, die islamistischen Hetzer beim Namen zu nennen, andererseits aufzuzeigen inwieweit die deutsche Journaille von Süddeutsche über Spiegel bis hin zu den Tagesthemen ihnen in die Hände spielt. Antifaschismus anno 2014 kann nur bedeuten, Zustände zu verunmöglichen in denen die Polizei ihre Funkwagen für „Allahu Akbar“-Rufer zur Verfügung stellt und in denen Querfronten aus Linken, Rechten und anderen schizoiden Paranoikern aus unerfindlichen Gründen noch immer als satisfaktionsfähig gelten. Es heißt notwendig, die mühsame Arbeit auf sich zu nehmen nach Bündnispartnern in den betroffenen Regionen zu suchen und die wenigen zu stützen und zu schützen, die sich gegen den dortigen Konsens stellen: dabei ist es egal, ob diese Hilfe in Form von Asyl in Deutschland, Spenden oder schlicht Verbreitung ihrer Positionen geschieht. In Zeiten, in denen nicht mehr darauf gezählt werden kann, dass das transatlantische Bündnis irgendeine Restvernunft hervorbringt, gilt es für Antifaschisten, die Profiteure und Organisateure des antijüdischen Terrors und die Stimmungsmacher der deutschen Gesellschaft zu denunzieren und zu attackieren: Krieg den deutschen Zuständen, das heißt Krieg den Stiftungen, ob sie nun Böll, Adenauer oder Wissenschaft und Politik heißen, das heißt Krieg den Friedenshetzern in den Redaktionsstuben in München und anderswo, das heißt Krieg den Universitäten mit all jenen Friedensforschungsclustern, die im Vierteljahresturnus herausfinden, dass die Juden unser Unglück sind.



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. google.com (18)
  2. anti.blogsport.de (4)