Menschenfreunde, kauft nicht beim Juden.

Gegen Rassismus und Diskriminierung. Yeah. Right.

Gegen Mitte bis Ende der Zwanziger Jahre begann eine später einflussreiche Protestbewegung ihrem wachsenden Unmut gegen die ‚Raffgier‘ einiger Personen Luft zu machen. Was verhalten begann, wurde später zu einer wahren Flut, die ihre Anschlussfähigkeit in die Mitte der Gesellschaft schließlich auch fand. 1933 war es dann schließlich soweit, dass Deutschland der Krieg erklärt wurde, woraufhin die Deutschen zu Abwehrmaßnahmen griffen. Diese Abwehrmaßnahmen, die ihrer Struktur nach gleich waren wie die „Proteste“ der späten Zwanziger Jahre, wurden später als „Judenboykott“ bekannt.
Einige Menschen würden nun anmerken wollen, dass hier wohl Details vergessen wurden, womöglich in böswilliger Absicht. Vielleicht würden einige sogar argumentieren, dass es diesen Krieg „Judäas“ gegen Deutschland eigentlich nie gegeben habe. Und sie hätten wohl recht damit.
Der Sachverhalt, bei Licht betrachtet – und dazu braucht es keine Glühbirne, schon fluoreszierende Algen würden reichen – stellt sich vielmehr so dar, dass in Folge des grassierenden deutschen Antisemitismus das „Jewish Board of Deputies“ zu einer Sondersitzung zusammenkommen wollte, um über Maßnahmen zu beraten (welche das sein würden, war zu diesem Zeitpunkt ohnehin noch nicht klar) . Das wiederum genügte dem Daily Express immerhin schon zur Schlagzeile „Judea declares war on germany“ , wobei im entsprechenden Artikel immer doch noch sehr deutlich herausgestellt wurde, wie sich die Sachlage eigentlich verhielt.
Da schon seit einiger Zeit der Boykott der Juden vorbereitet wurde, lieferte der Artikel einen ausgezeichneten Vorwand endlich gegen die „Greuelhetze“ der ausländischen Presse vorzugehen.
Der Boykott, der vom 01. bis zum 04. April andauerte, lief dementsprechend auch tatsächlich unter dem Motto „Wehrt euch!“. Die Bevölkerung, deren Gewaltpotential sich nicht in derartige Bahnen lenken ließ, plünderte während des Boykottzeitraums so auch einige Geschäfte. Dennoch wurde der Boykott am 04.04. aufgrund der relativen Gleichgültigkeit, die beim Einkaufen nach wie vor vorherrschte offiziell für beendet erklärt.
Nicht jedoch ohne Folgen. Firmen wie Karstadt entließen jüdische Mitarbeiter aus Angst davor, weiter wirtschaftlich in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Zahlreiche jüdische Kleinbetriebe wurden ausserdem trotz der kurzen Dauer des Boykotts ruiniert.
Gegen Mitte bis Ende der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts – also rund 80 Jahre später – macht sich nun eine neue Protestbewegung auf, das zu beenden, was von der NSDAP begonnen wurde. Als Ende 2008 Israel die Hamas aus heiterem Himmel angreift, findet sich eine breite Volksfront um der menschenverachtenden Politik des Judenstaates zu begegnen. Streng am Vorbild orientiert, nehmen sie sich zu Herzen, was Joseph Goebbels am 26. März 1933 in seinem Tagebuch vermerkt.

„Wir werden gegen die Auslandshetze nur ankommen, wenn wir ihre Urheber oder doch wenigstens Nutznießer, nämlich die in Deutschland lebenden Juden, die bisher unbehelligt blieben, zu packen bekommen. Wir müssen also zu einem groß angelegten Boykott aller jüdischen Geschäfte in Deutschland schreiten.“

Die Welt jedoch hat sich weiterbewegt. Deutschland denkt nicht mehr in nationalen Bahnen sondern hat längst die Chancen der Globalisierung für sich entdeckt: Es geht nicht mehr um den Schutz des Volkes, sondern aller Völker – man hat ja aus der Vergangenheit gelernt. Dementsprechend handelt es sich auch nicht mehr einfach um antideutsche „Greuelhetze“, die bekämpft werden soll. Es geht um’s Ganze – genauer: Um Kindsmord.

Als sei das Klischee, das Juden gradezu krankhaft Kinder töteten und gegebenenfalls ihr Blut tränken nicht bereits mehr als abgedroschen, können sich offenbar an der FU Berlin – dem zweiten Zuhause von Reuven Moskovitz, der sich auch stets fleißig an jüdischer Aggression abarbeitet – einige Menschen wirklich nicht dazu entblöden, es nicht wieder aus der Versenkung zu holen.
Oder willst du etwa Kinder töten?
Dementsprechend findet sich dann in den Mensen und an den schwarzen Brettern das hier dokumentierte Plakat, das dazu aufruft, keine Kinder zu töten (ein übrigens auch in Israel durchaus konsensfähiges Anliegen) und gleich die Anleitung dazu liefert, wie das genau funktioniert und wie ein Judenboykott aussehen muss, wenn man das Wort „Jude“ nicht in den Mund nehmen will.
Das System ist so einfach wie brilliant. Man pickt sich einfach einige Firmen heraus, die man als jüdisch identifiziert hat – sei es wegen jüdischer Menschen in den Vorständen oder wegen Handels mit Israel – und deklariert sie zu Unterstützern der israelischen Kriegspolitik. Da finden sich dann Namen wie McDonalds, Coca Cola, Nestlé und Vittel als Freunde des israelischen Krieges. Was genau sie damit zu tun haben, wird im Unklaren gelassen.
Das braucht aber auch gar nicht erklärt zu werden, denn schon längst wurde erkannt, dass es um eine gute Sache – nämlich den Schutz von Kinderleben – geht. Und wer wollte da schon widersprechen. Gegen Krieg, gegen Hetze und gegen Menschenverachtung wird wieder einmal zum Boykott aufgerufen. Nicht etwa derer, die den Krieg begonnen haben… sondern derer, die sich gegen ihn zur Wehr setzen. Begründungen wurden ohnehin noch nie benötigt um diese oder jene Firma zu boykottieren – es wird dort schon irgendwer Dreck am Stecken haben, schließlich stecken sie ohnehin alle unter einer Decke.
Zur gleichen Zeit werden die Adressen jüdischer Menschen, die sich politisch betätigen, veröffentlicht und so mehr oder weniger offen zur Hatz auf sie eingeladen.
Wenn Deutschland sich gegen Rassismus und Unterdrückung einsetzt, dann hat das eben immer seinen ganz besonderen Touch. Ebenfalls von der Gaza Demo.


1 Antwort auf “Menschenfreunde, kauft nicht beim Juden.”


  1. 1 Adrian Leverkühn 09. Januar 2009 um 22:35 Uhr

    Die besagte Assoziation an den 1. April 1933 fiel mir auch ein, als ich das besagte Plakat am Schwarzen Brett betrachtete. Zu ergänzen wäre noch der Kommentar von den „Kritischen Philosoph_Innen“, die neben diese Suggestion einen Pfeil in Richtung des Plakates zeichneten, deren Intention mit der Aufschrift „gegen sowas“ verdeutlicht wurde. Zu welchem Zweck spricht man nicht aus, um was es sich handelt, nämlich um den reinsten Antisemitismus?

    Mein zweiter Gedanke war, dass deren Verfasser zu blöd sind, kapitalistische Spielregeln in ihren Spielräumen, der Zirkulations- und Produktionssphäre, aufzufassen.

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