Was vom Feminismus übrig blieb

The brand new feminist burka has arrived.

Für Sonntag haben Gruppen, die sich selbst als feministisch verstehen, zu einer „Frauendemo gegen den Krieg in Gaza“ aufgerufen.
Das liest sich dann allen Ernstes wie folgt.

„Angesichts des Krieges in Gaza, ausgelöst durch die israelische
Militäroffensive der letzten Wochen[!!!] und der[sic!] jahrelangen Besatzung und
Blockade, sehen wir uns veranlasst uns mit den leidenden Menschen
dieses Krieges zu solidarisieren.
Wir tun dies als Frauen, weil wir unsere besondere Solidarität mit den
Frauen in Gaza ausdrücken wollen. Wir sind der Überzeugung, dass
Frauen immer eine doppelte Last tragen, und damit einen doppelten
Kampf führen müssen. Auf der einen Seite kämpfen sie wie alle anderen [!!!]
auch gegen den Krieg und gegen die Besatzung als strukturelle Gewalt.
Es ist die Besatzung, die es ihnen unmöglich macht Menschenrechte wie
eine Nahrungsmittel-, Gesundheits-, Strom-,Wasserversorgung in
Anspruch zu nehmen, geschweige denn eine schulische und akademische
Ausbildung zu genießen.[!]
Auf der anderen Seite sehen sie sich, wie weltweit andere Frauen auch,
mit einer männlich dominierten Gesellschaft konfrontiert, in der ihre
Rechte und Bedürfnisse als unabhängige Frauen oft in den Hintergrund
geraten. In Kriegs-, Krisen-, aber auch in Friedenszeiten werden
Frauenrechte oft vernachlässigt und geraten in Vergessenheit. Sie
werden zum Luxus – das darf nicht sein! Dabei steht die Beendigung des
Krieges und der Besatzung an erster Stelle, denn sie schaffen
Bedingungen, in denen Frauen noch stärker diskriminiert werden, als
sie es ohnehin schon sind. Sie schaffen ein Klima der Gewalt, und
somit beispielsweise häusliche Gewalt.
Ihre Häuser, der Lebensmittelpunkt, werden zerstört, und mit ihnen
wird der Wunsch nach Sicherheit[!!!] kaputt gemacht.
Es geht hier nicht um Almosen, oder etwa unangemessene Ansprüche, die
wir für und mit den Palästinenserinnen einfordern. Nein, es geht um
Recht[sic!], wie sie jede andere auch in Anspruch nehmen können sollte.
Daher rufen wir alle Frauen mit einem internationalistischen,
antimilitaristischen, libertären[!!] und emanzipatorischen[!!!] Ansatz auf,
sich mit den Frauen in Gaza zu solidarisieren. Im gemeinsamen Kampf
gegen den Krieg und gegen patriarchale Verhältnisse[!!!!] rufen wir euch
auf, euch unseren Forderungen anzuschließen:

Schluss mit jeglichen militärischen Angriffen
Ende der Besatzung
Aufhebung der Blockade und Öffnung aller Grenzen
Internationale Solidarität mit allen Betroffenen von Krieg und Unterdrückung

Als Zeichen der Solidarität werden wir die Kufiya tragen [!!]- als Zeichen
der Trauer und Wut erscheinen wir in schwarzer Kleidung.
Wir bitten euch zu respektieren, dass es sich um eine Frauendemo handelt!“

[Hervorhebungen von mir. – anti]

Man lasse sich das einmal auf der Zunge zergehen. Da entschließen sich Frauen, den Kampf gegen patriarchale Verhältnisse zu führen – indem sie die Kufiya tragen und für das libertäre, emanzipatorische Staatenmodell der Hamas demonstrieren.
Dass die deutsche Linke schon immer etwas geneigt war ihre Positionen und Wertvorstellungen zu beugen, wenn auf der anderen Seite ein Jude stand ist ja nun beileibe nichts neues oder auch nur noch erwähnenswertes.
Der wirklich interessante Punkt am Aufruf ist es jedoch, dass die Autorin tatsächlich eine feministische Perspektive aus ihrem Antisemitismus schöpft. Der Feminismus ist hier nicht nur aufgesetztes Versatzstück, um einer antiemanzipatorischen Haltung linke Weihen zu verleihen – nein. Dem Juden wird hier tatsächlich die Schuld an der patriarchalen Gesellschaft des Islam – oder zumindest des Gazastreifens – gegeben.
Was ihr als erstes Interesse der Frauen scheint, ist nicht etwa der Kampf um Gleichberechtigung und Akzeptanz.
Es ist der „Kampf den alle anderen auch führen“ – der Kampf gegen den Krieg und die Besatzung. Dieser Kampf hat bekanntermaßen einen Namen. Er ist nichts anderes als die Intifada, deren Ziel die Errichtung eines Staates ist, in dem jegliche feministische Bewegung im Keim erstickt wird.
Daraus jedoch nun zu folgern, er sei kein originär feministischer Ansatz, ist falsch und verkennt die dahinterstehende Ideologie des Erlösungs- und Vernichtungsantisemitismus.
In der Opposition zur Gegenrasse nämlich, sprich zum Gegenvolk der Juden, ist es möglich das patriarchale Machtgefälle verschwimmen zu lassen und Männer wie Frauen gegen den gemeinsamen Feind in Anschlag zu bringen. Er liefert Männern wie Frauen die Möglichkeit, in den identitätsstiftenden Hafen der Volksgemeinschaft einzulaufen, wo die Differenz zur Einheit wird.
Das Interesse „aller“ ( Der Kampf also, den „auch alle anderen“ – das heißt die islamischen Männer) führen, fällt mit einem Male mit dem Interesse der Frauen zusammen – der Kampf gegen das Patriarchat wird zum Kampf gegen das Weltjudentum.
Die Frau wird somit in ihrer Rolle affirmiert, ohne sich zugleich mit den Folgen dieser Affirmation auseinandersetzen zu müssen.
Einmal narzisstisch aufgewertet als zeitgenössisches Pendant zum „Übermenschen“ wird ihr Dasein unterm Kufiya, als willige Erzeugerin von Shahids zum widerständigen Akt, dient er doch letztlich nur der Abschaffung des patriarchalen Zwanges – der „an erster Stelle“ von den Juden geschaffen wird.
Dass es nicht um die Abschaffung des Krieges geht wiederum, offenbart sich erneut daran, dass der Krieg per definitionem erst in dem Moment beginnt, in dem Israel interveniert. Für das Leid israelischer Frauen – die ja gleichermaßen unter der patriarchalen Gewalt des Krieges leiden müssten – wird keine Spur des Mitgefühls aufgebracht. Tatsächlich sogar erscheint die Israelische Intervention als eine ausschließlich von Männern forcierte und durchgeführte Operation: Weder die Tatsache, dass die israelische Armee einer allgemeinen Wehrpflicht unterliegt, noch die Existenz Tzipi Livnis finden dort Beachtung.
Damit wird das Prinzip der friedfertigen Frau – also Palästinas – gegen das des wütenden Aggressors, also Israel ausgespielt und somit auch die Gefühle der deutschen Feministin vollends beruhigt.

Hinreichend wäre das für eine Erklärung, wenn es hier tatsächlich wieder einmal nur um deutsche Befindlichkeiten handelte. Aber auch palästinensische Feministinnen – Frauen also, die tatsächlich unter den Zumutungen des Islam zu leiden haben – kooperieren durchaus mit der Hamas – und vor allem dem nationalen Befreiungskampf.

Daraus resultieren konkrete Vorteile für diejenigen, die bereit sind sich den Konventionen zu beugen, die die völkische Gemeinschaft abstecken. Die neuen Spielräume, die der Vernichtungsantisemitismus für Frauen bietet, werden schon in der ähnlich männlich-chauvinistischen Gesellschaft des NS offenbar.
So hält Birgit Rommelspacher fest:
„Der Gewinn für die Frauen im Nationalsozialismus lag darin, daß er ihnen eine gewisse Chance gab, sich aus persönlichen Abhängigkeiten zu befreien, wenn auch um den Preis neuer Unterordnung. Für sie konnte nun der Führer zur eigentlichen Autorität werden, die sich sehr wohl gegen den eigenen Mann ausspielen ließ. Auch konnten Frauen nun teilhaben an den „großen Aufgaben für Volk und Vaterland“, also unabhängig vom Mann ihren Wert beziehen und in den kollektiven Narzißmus und deutschen Größenwahn eintauchen.“[1]
Claudia Koonz beschreibt ihrerseits das Erlebnis des „religiösen Kreuzzuges“ der „als Ausnahmezustand erlebt [wurde], der es ihnen erlaubte sich anders zu verhalten als bisher.“[2]

Diese Angaben passen sich relativ genau an das an, was die palästinensische Feministin Chreishe über die Hamas zu Protokoll gibt:
Zwar bleibt im Inneren der Volksgemeinschaft die Rolle der Frau im Wesentlichen unangetastet, im Kampf gegen das Gegenvolk jedoch sind alle gleich.
So schreibt Chreishe:“An sich anerkennt und respektiert die Gesellschaft unsere Beteiligung am Widerstand. Frauen nehmen an Demonstrationen teil [und] wenden die gleichen Kampfmittel an “.
Sie seien, sagt sie „auf der Strasse als Kämpferin erwünscht“.
Demgegenüber steht die Zurückgeworfenheit auf die weibliche Identität daheim, wo sie nach wie vor „Sklavinnen“[3] sind.
Dennoch: Solange die jeweilige Intifada am Laufen ist, sind sie Kämpfer und Kämpferinnen. Auf einer Augenhöhe, bis zum Tod.

Wo ein Feminismus hofiert wird, der nur da funktioniert, wo Männer und Frauen am gemeinsamen Strang der Ausrottung der Juden ziehen können, ist die Hoffnung auf die Emanzipation – die der Frauen, wie die aller anderen – schon längst aufgegeben.

Es steht abzuwarten, wieviele Feministinnen sich am Sonntag tatsächlich zusammenfinden.

Quellen:
[1] Rommelspacher, Birgit – Schuldlos, Schuldig? (S.110)
[2] Koonz, claudia (S.101)
[3] http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Palaestina/hamas5.html
[1,2 zit. nach Radonic, Ljiljana – Die friedfertige Antisemitin]