Archiv für Februar 2009

Die Volksfront schmieden solange sie heiß ist.

Sir Arthur Harris.

Wenn sich am 14. Februar diesen Jahres wieder die Nazis in Dresden treffen, findet endlich wieder zusammen was zusammengehört: Eine gemeinsame Volksfrront aus sogenannten Antifaschist_Innen und Bürger_Innen wird sich auf die Straße begeben, um ihren Unmut darüber kundzutun, dass Nazis immer noch pro forma von der Meinungsfreiheit geschützt werden.
Selbstverständlich: Eine Kritik am Gedenken – und die Kritik strebt danach, ihren Gegenstand zu zerstören – ist richtig und notwendig, ebenso wie die Kritik an Faschisten und Faschistinnen noch immer Not tut.Vielleicht wäre das, wenn wir nicht in Deutschland lebten, die Aufgabe, die eine antifaschistische Gruppierung zu erfüllen hätte. Das No Pasaran Bündnis jedenfalls, das nun die Gegendemonstration organisiert, die sich mit schwarzen und roten Wimpeln und einigem Politkitsch schmücken wird, scheint dazu nicht in der Lage. Vielmehr ist man daran interessiert, wirksam an die Mitte der Gesellschaft anzuschließen, um im Kampf gegen den gemeinsamen Feind als gutes Deutschland auf die Straße zu gehen.
Schamlos geben sie auf dem Positionspapier ihrer Homepage schon im ersten Abschnitt zu, worum es ihnen letztlich geht:
„Wir finden es nicht akzeptabel, dass die Geschichte der Stadt für aktuelle Beiträge der CDU-Spitze zur Extremismusdebatte instrumentalisiert wird und gleichzeitig immer noch in den Parlamenten rechtskonservative und neonazistische Kräfte – mehr oder weniger offen – als temporäre Bündnispartner angesehen werden. Wir nehmen es nicht hin, dass hier die Tendenz vorherrscht, antifaschistische Demonstrationen von vorne herein zu verbieten, um sich nicht mit ihren Inhalten und Forderungen auseinander setzen zu müssen. „
(Bündnis No Pasarán, Selbstverständnis).
Mit anderen Worten: Nicht etwa geht es darum, wirksam die revisionistischen, widerwärtigen, deutschnationalen Heulbojen anzugreifen und rücksichtslos zu denunzieren, es geht vielmehr darum, vermeintlich „linke“ – auf das Wort „emanzipativ“ greifen sie dankenswerterweise selten einmal zurück – Positionen in eben diese Gesellschaft hineinzutransportieren, mit der dann der Schulterschluss gemacht werden soll. Schließlich hat man aus der Geschichte gelernt und ist zur beliebtesten Nation weltweit geworden, ein Titel, den man sich ja ungern von rechtskonservativen Kräften – die ohne die geringsten Skrupel mit neonazistischen in einen Hut geworfen werden – abjagen ließe.

Damit das möglich ist, muss natürlich auch dem Deutschen von Nebenan das eine oder andere Zugeständnis gemacht werden: Schon im nächsten Abschnitt ihres unsäglichen Positionspapieres – dabei ist ihre Position ohnehin schon klar, sie erstreckt sich von der Maas bis an die Memel und von der Etsch bis an die Belt – erklären sie (und so sieht dann ihre Kritik an bürgerlichem Gedenken aus, wie die Überschrift so vollmundig verspricht):

„Wenn Dresdener BürgerInnen bei der Bombardierung Angehörige oder Bekannte verloren haben,‭ sollte stets differenziert werden, welche Rolle der/die Verstorbene zu Lebzeiten in der nationalsozialistischen Gesellschaft ge‬spielt hat.‭ Dann ist es ‬das gutes Recht der Hinterbliebenen,  am Todestag um diese zu trauern.‭ ‬Es ist egal, in welcher Form diese persönliche Trauer gelebt wird,‭ ob in stiller Erinnerung an den verlorenen Menschen zu Haus oder im Austausch mit anderen Trauernden. Genauso ist es legitim, wenn Überlebende des Luftangriffs in ähnlicher Weise versuchen, ihre schrecklichen Erfahrungen zu verarbeiten. Ihre persönliche Schuld an den Verbrechen NS-Deutschlands dürfte, sofern sie nicht weit älter als 80 sind, mit Verweis auf ihre kindliche Machtlosigkeit entfallen.Ältere Menschen hingegen müssten sich fragen, ob sie denn alles Mögliche getan haben, um der deutschen Terrorherrschaft ein Ende zu setzen. “

Fassen wir also pragmatisch und kurz zusammen, wie die Kritik des Kreises „No Pasaran“ am bürgerlichen Gedenken aussieht: Sie haben keine. Es ist „legitim“, solange nicht explizit einem Täter der Nationalsozialistischen Gesellschaft gedacht wird. Das muss dann im Einzelfall differenziert werden, wobei die antifaschistische Gesinnungsprüfung dann eben am Ort des Gedenkens selbst stattfinden muss. Dabei wird No Pasaran natürlich bemüht sein, mit der gebotenen Gerechtigkeit darüber zu urteilen, wer nun wirklich „alles mögliche getan hat um der nationalsozialistischen Terrorherrschaft ein Ende zu setzen.“
Das wird dann im Plenum zusammen bei veganer Vokü beschlossen, bevor dem oder der Betroffenen, die dann doch nicht genug getan hat, eine schriftliche Rüge vom antifaschistischen Zentralkommittee übersandt wird, mit der Bitte, das doch nicht mehr zu tun und in Zukunft etwas „linker“ zu sein. Denn: Die Trauer muss die richtige Trauer sein, sonst wird sie vor dem Volksgerichtshof verhandelt.

Im nächsten Abschnitt fahren sie fort:
„Wenn aus einer solchen persönlichen Trauer jedoch eine ideologische und/oder politische Trauer wird, dann ist antifaschistische Intervention schlichtweg notwendig. „
Was auch immer eine ideologische oder politische Trauer sein soll und vor allem: was sie von der normalen Trauer unterscheidet, wird dabei nicht klar. Das No Pasaran Bündnis scheint kein Problem damit zu haben, dass ausgerechnet am 13. und 14. Februar sich Deutsche versammeln um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen, reicht ihnen noch nicht als Beweis dafür, dass hier Revisionisten und Apologeten des deutschen Vernichtungswerks über die Straßen flanieren werden. Lieber verweisen sie darauf, dass es ja gute Gründe gäbe dafür, dass da eine legitime Trauer geübt wird:

„Mit dem bürgerlichen und stadtoffiziellen Gedenken soll an die Zerstörung des Stadtzentrums erinnert, den vielen Toten gedacht und das Leid der Überlebenden gewürdigt werden. Dafür sprechen die historische Bedeutung des Dresdener Einzelangriffes und der damit verbundene Einschnitt in die Stadtgeschichte. Jedoch war von dem Angriff keine homogene Masse von Menschen betroffen. Viele trugen Schuld an den Verbrechen NS-Deutschlands, indem sie mehr oder weniger Teil der nationalsozialistischen Gesellschaft waren. Von den Angriffen betroffen waren aber auch Opfer des Nationalsozialismus, wie Widerständische, ZwangsarbeiterInnen, Kriegsgefangene oder Jüdinnen und Juden. „

Um es auf den Punkt zu bringen: Dresden trauert gemeinsam. Jeder sucht sich da sein Schäfchen aus. Die einen weinen darum, dass ihr tausendjähriges Reich zerfetzt wurde, die nächsten um die nette Omi von nebenan und die Linke um die Widerstandskämpfer. Dabei scheint es sich noch nicht herumgesprochen zu haben, dass es durchaus kein Zwang ist, seinen Toten an einem bestimmten Tag zu gedenken und dass es vielmehr ein grundlegendes Merkmal der Trauer – im Gegensatz eben zum Gedenken – ist, dass sie keine Steuerungsmechanismen durch welche Ideologie auch immer kennt.
Das Gedenken im Gegensatz zur Trauer aber soll an ein spezifisches Ereignis oder eine Person erinnern, es wieder wachrufen, eine erneute Trauer induzieren und vor allem, in seiner Form als politisches Gedenken, eine Mahnung sein.
Wenn nun die Deutschen genau an diesem Tag „ihrer Toten“ gedenken wollen, dann gedenken sie nicht ihnen, sondern vielmehr dem Alliierten Bombenangriff, der Dresden unter der Führung von Air Chief Marshal Sir Arthur Harris in Schutt und Asche legte.
Warum aber genau dieses Bombenangriffes gedacht werden sollte, der nur eine Reaktion auf die von Deutschland ins Werk gesetzte Vernichtungsarbeit war, ein Bestandteil jenes Krieges, den sogar die Michel von No Pasaran als „alternativlos“ anerkennen, so zeigt sich, worum es geht.
Die Unterschiede zwischen Tätern und Opfern sollen verwischt werden, jeder soll ein bisschen etwas von allem gewesen sein. „No Pasaran“ betreiben also billigsten und widerwärtigsten linken Revisionismus.
Dementsprechend findet sich auch in dem Positionspapier ein elend langer Abschnitt über die Rolle der Alliierten, der erklärt, warum sie aus einer „linksradikalen“ Position heraus nicht „affirmiert“ werden können aber nicht einmal zwei lumpige Zeilen zur deutschen Vernichtungsarbeit, zur Shoa, zu den Kriegen an Ost- und Westfront (ausser um der Sowjetunion aufs Brot zu schmieren, dass sie sich zu spät zur Intervention entschlossen hätte, um noch bestätigt werden zu können) oder zu irgendeiner anderen der urdeutschen Scheußlichkeiten, die entfesselt wurden.

Man ist sich also durchaus einig darin, dass die Alliierten ja letztenendes auch nicht so toll seien, daher das einzige Gedenken das am 13. und 14. Februar legitimerweise möglich wäre – nämlich eine Danksagung an die Alliierten Kampfverbände, die diejenigen, die wirklich im Widerstand waren ebenso befreiten – auch unethisch sei: Schließlich ist man „linksradikal“ und „antimilitaristisch“.

Was die Jüdinnen, Juden und sicherlich auch einige Widerständler von den Bombadierungen hielten, wurde ja schon vor geraumer Zeit von anderen besser zum Ausdruck gebracht. Wie zum Beispiel jener Dresdener Jüdin, die proklamierte, sie hätte lieber eine Bombe auf dem Kopf als nach Auschwitz zu gehen. Oder eben von Victor Klemperer, der in sein Tagebuch notierte, dass die Nacht jenen der Dresdener Juden, die von ihr verschont blieben, immerhin die Errettung bedeutete.
Das jedoch ist für die Simpel von „No Pasaran“ nicht Grund genug, um sich an jenem Tag, an dem die Siegermächte systematisch verleumdet werden, Partei für sie zu ergreifen und die Deutschen, die öffentlich in Trauer machen damit mit den Symbolen derer zu konfrontieren, die ihnen erst ein demokratisches Zusammenleben ermöglichten: Also der Tricolore, dem Union Jack, der roten Fahne und dem Starspangled Banner.

Das würde aber auch jene vergraulen, mit denen jetzt wieder einmütig marschiert wird, nachdem es in Israel wieder etwas ruhiger wird. In der Selbststilisierung zum Antifaschisten sind diejenigen antiimperialistischen Scheußlichkeiten, die vor zwei Wochen noch keine Gelegenheit ausließen, sich über den „Holocaust in Israel“ zu ereifern auch für gefühlte Antideutsche wieder hinnehmbare Bundesgenossen. Im Kampf gegen die Nazis muss letztlich ganz Deutschland zusammenhalten.
„Antideutsche“,Antiimperialist_Innen, Bürger_Innen und alle anderen eben irgendwie auch.
Dabei wird eins vergessen:
Deutschland ist nicht die Lösung. Deutschland ist das Problem.

Dennoch, der Aufruf des Demobündnisses soll auch hier unterstützt werden.

Das No Pasaran Bündnis ruft dazu auf am
14.02.2009 zur Auftaktkundgebung zur Demonstration zu erscheinen. Treffpunkt ist der Hauptbahnhof um 11 Uhr.

Da Deutsche zu stoppen immer ein ehrenvolles Anliegen ist, sei hiermit zur Teilnahme an der Demonstration aufgefordert: Natürlich unter voller Affirmation der Alliierten Kampfverbände, mit sämtlichem Bekenntnismüll, der gefunden werden kann und sei es nur das Trikot der französischen Nationalmannschaft.
Wenn die Dresdener Linke sich daran das Genick bricht, hat sie es nämlich nicht besser verdient. Aber auch ganz ohne deren Hilfe gibt es am 13. und 14.02. genug Menschen in Dresden, denen die kleine Erinnerungshilfe vermutlich nicht schadet.

Schlimmer als Hitler und Ahmadinedjad zusammen.

Wenn er wenigstens kein Jude wäre.
„[Bürgerliche Staatlichkeit kann ] auf das Prinzip zurückgeführt werden, wonach von zwei Tauschern auf dem Markte keiner das Tauschverhältnis eigenmächtig regeln kann, sondern daß hierfür eine dritte Partei erforderlich ist, die die von den Warenbesitzern als Eigentümer einander gegenseitig zu gewährende Garantie verkörpert und dementsprechend die Regeln des Verkehrs zwischen Warenbesitzern personifiziert.” [1]
Eugen Paschukanis, zitiert nach Gruber/Offenbauer, Streifzüge 2/2001.

Diese dritte Partei – der Staat – ist dasjenige Element, das den Menschen gegenübertritt und als dass es sich ihnen in seiner fetischisierten Form präsentiert. Die Individuen, die einen Wiedereintritt in die selbstverschuldete Unmündigkeit vollziehen (Bruhn), erfahren den Staat zuvorderst als den Garanten des Warentausches, der sie in die Position der Ohnmacht versetzt und zum Diener der Dinge degradiert.
Diesen ohnmächtigen Subjekten tritt er dann als Schutzherr und Folterknecht zugleich entgegen: Aus einem Mittel zur Organisation des Tausches wird ein Zweck, beziehungsweise eine Naturkonstante, der zu dienen sei. Diese Dienerschaft wird dann durch den Dienst an der Nation befriedigt.
Unzählig die Hinweise der kritischen Theorie auf die psychologischen Entlastungsfunktionen von Rassismus und Antisemitismus , unzählig auch die Verweise darauf, dass sie notwendiges Resultat aus der Fetischisierung des Staates seien – die dort stattfindet, wo der Staat nicht mehr Mittel zur vernünftigen Einrichtung von Gesellschaft ist, sondern erstarrte Vernunft überkommener Zeiten und nun im Dienst der Ideologie.
Die massenweise ihrer selbst nicht mehr mächtigen Subjekte verarbeiten ihre narzisstische Kränkung dadurch, dass sie sich in regressive Kollektive flüchten und ihre verdrängten Regungen wider ihre reale Ohnmacht gegen eine Fremdgruppe richten.
Der Staat aber erscheint allen Bürgern kapitalistischer Staaten – zumindest jenen des Zentrums – als eine unverrückbare, nicht wirklich sinnvolle, sondern gegen sie gerichtete „Naturgewalt“. Mit einer Ausnahme.
Ein Staat ist nicht gegründet worden, um den freien Warenaustausch zu gewährleisten, sondern um der eigenen Vernichtung zu entgehen: Der Staat Israel. Und hier müssen wir die Brücke zur Tagespolitik schlagen. Die Bevölkerung des Staates Israel hat die Fetischisierung ihrer Nation, ihrer Staatlichkeit, nicht benötigt, da es stets klar zu erkennen war, dass er nicht ein Selbstzweck, sondern ein Mittel der Lebenssicherung war.
Seit der Staatsgründung unter Beschuss, war für die Israelis ihre bewaffnete Nationalstaatlichkeit stets auch Garant ihres eigenen Lebens. Die Irrationalität kapitalistischer Nationalstaatlichkeit fand so einen rationalen Kern in der Beschützerfunktion des Staates vor antisemitischen Übergriffen: Eine Konstruktion von Fremdgruppen war somit nicht notwendig, da sie in Gestalt der Antisemiten tatsächlich in realiter vor den Toren standen und stehen.
Nun, wo der Staat unter ständiger Gängelung durch die fünfte Kolonne der Hamas und des Irans – die vereinigten Friedensbewegungen der Völker nämlich – nicht mehr als Schutzherr auftritt, sondern nur die „normalen“ staatlichen Funktionen (sprich: Die Gewährleistung des Kapitalflusses) wahrnimmt, bricht sofort die Normalität – also die Unvernunft des falschen Ganzen – herein. Ihr Name ist Awigdor Liberman, von dem Grenzgänge verschämt mutmaßt, man könne seine Positionen als „rassistische“ bezeichnen. Dies schreckt zurück vor einer simplen Tatsache: Lieberman IST Rassist.
Es ist keine Frage von Auslegung, ob ein Mensch Rassist sei oder nicht, sondern eine der Faktenlage. Ebensowenig wie es eine Auslegungsfrage ist, ob nun diese oder jene Kritik an Israel antisemitisch sei.

Entbindet also eine Wahl Liebermans am morgigen Tage antideutsche Kommunisten von der Solidarität mit Israel?
Ist nun – endlich – nach Jahren der Gängelung die Zeit der Versöhnung mit den Antiimperialisten angebrochen, in einer gemeinsamen Kritik Israels als Rassistenstaat?
Rauft sich die deutsche Volksgemeinschaft doch noch einmal zusammen?

Die Antwort auf alle diese Fragen ist ebenso einfach für einen Antideutschen wie blasphemisch für einen Bewegungslinken: Nein.

Wieso aber sich mit einem Staat solidarisieren, in dem rassistische Politiker zu Macht gelangen können? Schlichtweg: Weil das keine Besonderheit Israels ist, sondern wie oben nachgewiesen, ein Problem ausnahmslos aller Nationalstaaten – unter denen Israel auch unter der Führung eines Rassisten noch immer die Besonderheit hätte, Schutzraum der Verfolgten des Antisemitismus zu sein.
Die Fetischisierung des Staates aber, damit die Schaffung einer nationalen Identität, geschieht unter Verhältnissen, wo das Mittel zum Zweck gerinnt – in Israels Falle dort, wo der Staat eben nicht mehr den Schutz seiner Bürger garantiert, sondern nur noch garantieren soll, dass der Tausch innerhalb seiner Grenzen reibungslos abläuft. Auch das plötzliche Auftauchen Liebermans nach dem Abbruch der Operation Cast Lead legt diesen Schluss nahe:
Die allgegenwärtige Verzweiflung ( vgl. hier oder hier ) die sich aus dem stets wiederholten Zurückzucken der israelischen Regierungen gegenüber den Antisemiten aller Länder ergibt, lässt den Wunsch nach einem „starken Mann“ aufkeimen, der das „israelische Volk“ – also die Ableitung aus dem fetischisierten Staat – zur Größe zurückbringt.
Mit anderen Worten: Sollte Lieberman gewählt werden, ist das ein Resultat des Antisemitismus – nicht aber seine Ursache.

Das aber wird die deutsche und internationale Linke wenig interessieren.
Genausowenig wie es sie interessierte bei der Blockade Gazas, beim Schutzzaun oder auch nur einem einzigen der Kriege Israels – angefangen beim Unabhängigkeitskrieg.
Zumindest aber wird der morgige Tag dem einen oder anderen Bewegungsantideutschen, dem das Dasein als Vaterlandsverräter im beliebtesten Land der Welt dann doch etwas unbequem wird, die Gelegenheit geben unter den Prämissen des Antirassismus in den Schoß der deutschen Linken zurückzukehren.
Denn der ist fruchtbar noch.

Alle anderen dürfen sich jetzt schon auf die Schlagzeilen und Karikaturen der nächsten Tage freuen. Einige Israelkritiker werden sich jetzt jedenfalls ärgern, dass sämtliche Hitler und Holocaustvergleiche schon vorher verheizt wurden – die Steigerung wird nun schwierig.

Kosslick machts möglich – ein roter Teppich für Ahmadinejad.

Strahlemann Kosslick.

Der CIEF und Stop the Bomb laden ein zu einer Veranstaltung, der die Problematik des iranischen Films dokumentieren und kommentieren soll. Lizas Welt berichtete bereits über einen Brief des CIEF an den Programmdirektor der Berlinale Kosslick, während die iranischen Medien bereits von den Protesten der Zionistenbande in Berlin berichteten. CIEF und STB fordern dazu auf, den Aufruf so weit zu verbreiten wie irgend möglich, daher hier noch einmal die Einladung.

Der Club iranischer und europäischer Filmemacher (CIEF) und die Kampagen STOP THE BOMB laden ein zur Veranstaltung

„Kosslick machts möglich: Ein roter Teppich für Ahmadinejad“.

Die Veranstaltung findet am 4.2.2009 um 20 Uhr in der Filmbühne am Steinplatz (Hardenbergstr. 12, U+S Zoologischer Garten) in Berlin statt.

Dabei werden wir die bereits in unserem Offenen Brief erhobenen Forderungen nach Absetzung des Berlinale-Intendanten Dieter Kosslick und der iranischen Filme auf der Berlinale bekräftigen.

Programm der Veranstaltung:

Javad Assadian (Exil-Iranischer PEN-Club):
Bilder und ein Gedicht zum Gedenken an unseren Freund und Kollegen Ramin Molai, der am 19. Januar 2009 im Berliner Exil verstorbenen ist.

Tobias Ebbrecht (Filmwissenschaftler):
Über den im Berlinale-Forum angekündigten Film „Letters to the President“, über die europäisch-iranische Kulturpolitik am Beispiel der Berlinale und über das aktuelle iranische Kino. Vortrag mit Filmbeispielen.

Kia Kiarostami (Iranischer Filmemacher und Produzent im Exil):
Über die Produktionsbedingungen für Filme im Iran und über die Proteste während der Berlinale.

Arman Nadjm (Iranischer Filmemacher im Exil):
Zeigt seinen Kurzfilm „Returning Home“. Seit 1979 werden die Menschenrechte im Iran mit Füssen getreten, besonders die Rechte der Frauen. Eines der Opfer des Regimes war Ziba Kasemi, eine kanadisch-iranische Journalistin, die während ihrer Arbeit im Juni 2003 in Teheran verhaftet, missbraucht und ermordet wurde. Der Film behandelt ihre Geschichte.

Moderation: Doris Akrap, Redakteurin der Berliner Wochenzeitung Jungle World.

Datum: Mittwoch, 4.2.2009
Beginn: 20 Uhr
Ort: Filmbühne am Steinplatz, Hardenbergstr. 12, Berlin-Charlottenburg (U+S Zoologischer Garten)

Wider die Auschwitzkeule – Hannover auf den Barrikaden.

„Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. Schriften (§ 11 Abs. 3), die zum Haß gegen Teile der Bevölkerung oder gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, daß Teile der Bevölkerung oder eine vorbezeichnete Gruppe beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,

a) verbreitet,

b) öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,

c) einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überläßt oder zugänglich macht oder

d) herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Buchstaben a bis c zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, (…)“

(Stgb, Paragraph 130, Artikel 2 – Volksverhetzung.)

Wer also zum Hass gegen eine rassische (man merkt, dass wir es hier mit einem deutschen Gesetzbuch zu tun haben), religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstachelt, soll nach dieser Rechtsauffassung bestraft werden.
Als solcher Haß würde Antisemitismus wohl durchaus problemlos durchgehen, aber nun stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich schuld daran?

Und nun dürfen Sie mal raten, wer im Weltbild deutscher Tageszeitungen schuld am Antisemitismus ist.

Ist es:
a) Die antizionistische Querfront, bekannt und beliebt durch den Slogan „Alle Juden muss tot“?

b) Christlicher Antijudaismus und Lügen über die Juden, wie von Bischof Williamson verbreitet?

c) Die immer wieder präsenten Nationalsozialisten mit ihrer Holocaustrelativierung oder Leugnung?

d) Ein kapitalistischer Antikapitalismus und psychologischer Abwehrimpuls auf bestimmte Formen der Vergesellschaftung?

e) Islamistische Propaganda?

f) Die Juden.

Die richtige Antwort lautet natürlich f) Die Juden.
Die Hannover Zeitung ist sich tatsächlich nicht zu schade, zu behaupten, der Zentralrat der Juden schüre durch seine Existenz und Funktion „einen neuen Antisemitismus“.
Wenn Charlotte Knobloch also kritisiert, dass vor wenigen Tagen Holocaustleugner rehabilitiert wurden, reitet sie in der Vorstellung der HZ auf 60 Jahre alten, ollen Kamellen herum, die sie besser mal endlich in Frieden ruhen lassen sollte.
Und wie jede antisemitische Hetze dieser Tage, kommt auch die HZ nicht daran vorbei, sich als bester Kumpel der Juden aufzuspielen.
So wird der gute Rat erteilt, Frau Knobloch solle sich doch einmal Gedanken darum machen, ob sie mit ihren Äußerungen nicht einem „neuen Antisemitismus Nahrung gäbe“ – ganz so, als sei der alte nicht schlimm genug.

Das ist er für den Autor übrigens tatsächlich nicht. Er versteigt sich allen Ernstes zur Behauptung, dass sich aus der Tatsache, dass es kaum Juden in Deutschland gäbe, direkt ein Mangel an Antisemitismus ergibt. So führten die Zahlen aus einer Umfrage, die belegt, dass kaum Deutsche Juden kennen „klar vor Augen“, dass es hier gar keinen „fundierten Antisemitismus“ geben könne.

Ganz richtig: Aus der Anwesenheit von Juden ergibt sich für den fraglichen Redakteur ein „fundierter Antisemitismus“ – weil Juden für gewöhnlich wirklich dazu neigen Brunnen zu vergiften, Kinderblut zu trinken und vor sich hin zu wuchern. (Wenn sie mal grade nicht mit dem Raffen beschäftigt sind oder schächten.)
Dass die Nazis ja schon durch die weitgehende Vernichtung der Juden den Kampf gegen den Antisemitismus und seine Auslöser – die Juden – maßgeblich vorangetrieben haben, reicht dem verantwortlichen Redakteur nicht. Sein judenfreundliches Engagement geht weiter. Diejenigen, die den Vernichtungswahn seiner Großeltern überlebt haben, sollen gefälligst auch noch die Schnauze halten, bevor so etwas noch einmal passiert.
Da ist der Herr Wöckener besorgt um das Wohl seiner Mitmenschen, denn er fürchtet, dass man mit „permanenten, kritischen Aussagen“ einen neuen Antisemitismus heraufbeschwört.
Also ist nicht etwa der Mensch, der behauptet, die Juden hätten den Holocaust inszeniert Schuld an der Verbreitung von Antisemitismus – vielmehr sind es die Juden, die sich von diesem Menschen belästigt fühlen und sich erdreisten, sich „permanent kritisch“ dazu zu äußern.

Er schließt mit folgendem Satz:-
„Stellen sie sich einmal vor das wir uns den ganzen Tag überlegt haben, ob wir diesen Bericht schreiben können, oder ob wir damit in eine antisemitistische Ecke gedrückt werden, in der wir uns als Journalisten nicht sehen. Und das obwohl wir in einem Land leben in dem schon mit Blick auf die Geschichte jeder das Recht haben sollte, seine Meinung frei zu sagen. “

Mit anderen Worten: Der Arme hat Angst um Leib und Leben. Zwar wird er nicht von der Aussage „Alle Juden tot“ mit umfasst, zwar werden auf die Orte an denen er verkehrt keine Sprengstoff anschläge verübt, zwar werden keine Raketen auf seinen Heimatort abgeschossen und eigentlich benötigt er auch keinen Personenschutz… aber trotzdem erscheint ihm, der sich nicht als Antisemit sieht, schon qua der Tatsache, dass er Journalist sei – ganz wie die Kollegen vom Stürmer eben – die Auschwitzkeule als das beängstigendste Strafinstrument, das die menschliche Geschichte je hervorgebracht hat.

Was lernen wir daraus?
Man sollte die Juden schleunigst ihrer Bürgerrechte entziehen, bevor sie noch weiter den Antisemitismus vorantreiben.
Und die Hannover Zeitung sollte einmal wirklich von der Auschwitz-Keule getroffen werden.
Sir Arthur T. Harris ist allerdings vor einiger Zeit verstorben, sodass das wohl ein bescheidener Wunsch bleiben wird.

Nachtrag:
Die Hannover Zeitung hat den Artikel gelöscht, um ihren peinlichen Ausfall nicht weiter dokumentiert zu wissen. Stattdessen schreibt sie folgendes:

„Dieser Artikel wurden von uns wegen der heftigen Reaktionen und der unsachlichen Argumentation in den Kommentaren editiert.

Nachdem es im Zusammenhang mit diesem Artikel zu massiven Drohungen einiger weniger Personen gegen die Redaktion, bzw. die Zeitung gekommen ist, die den Straftatbestand der Nötigung gem. §240 StGB erfüllen, haben wir entsprechende Strafanzeigen gestellt.

Eine Kopie des Artikels wurde dem Zentralrat der Juden in Deutschland mit der Bitte um Stellungnahme zu dem Artikel und zur Pressefreiheit im Allgemeinen übersandt. Wir werden Sie hier über die Antwort informieren.“

Update 2:
Der Text ist wieder online, mit einem Verweis auf Strafanzeigen die gestellt wurden.
Hier der aktuellste Kommentar (02.02.2009, 23:33)

„VIELEN DANK !!!!!

Ich kann es kaum glauben, dass es tatsächlich noch Journalisten mit (echter) Zivilcourage in Deutschland gibt. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so viel mutige Wahrheit noch einmal in einer deutschen Zeitung lesen darf.

Vielen Dank an die Redaktion. BITTE BITTE lassen Sie sich nicht beirren, Sie schreiben was der grösste Teil des Deutschen Volkes denkt. Je eher wir offen und frei beginnen darüber diskutieren, desto eher öffnen wir eine Tür zu ECHTER Annäherung zwischen Juden und Nichtjuden. Einer Annäherung, die nicht darauf beruht, dass eine Seite immer austeilt und eine andere sich wütend auf die Lippen beisst. Wenn wir es nicht tun, wird diese Tür eines Tages von anderen Kräften geöffnet, solchen die nicht mehr gewillt seien werden, Ausgleich und Frieden zu stiften.

Mit anderen Worten: Wenn die Juden nicht bald Ruhe geben,wird das deutsche Volk, das sich schon „wütend auf die Lippen beisst“ diese Tür [zu echter Annäherung] öffnen: Nämlich die zu den Gaskammern.
Widerwärtiger zu werden, wird da schwierig.

Update 3:
Da der Artikel lahmacun zufolge gekürzt sein soll, hier noch einmal die komplette Version von gestern abend.

„Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, wirft Papst Benedikt XVI. im Streit um die Wiederaufnahme des Holocaust-Leugners und Traditionalistenbischofs Richard Williamson in die Kirche mangelndes Fingerspitzengefühl vor. Das hatte sie ja bereits mehrfach in dieser Woche getan, fraglich ist nur, was sie mit der dauernden Wiederholung erreichen möchten.

Papst Benedikt XVI. steht in der Kritik, weil er die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbruderschaft aufgehoben hatte. Unter ihnen ist auch Williamson, gegen den die Regensburger Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Brite hatte in einem im Landkreis Regensburg aufgezeichneten Interview behauptet, die historische Evidenz spreche gegen die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200 000 bis 300 000 Juden von den Nazis ermordet worden.

Es stimmt, das der Holocaust ein Teil der deutschen Geschichte ist und ja, es war ein Verbrechen! Aber dieses Verbrechen wurde vor 60 Jahren begangen und es ist langsam an der Zeit den Toten ihre Ruhe zu gönnen. Das andauernd „Wiederaufleben“ lassen der Erinnerung in einer Form, die eine „Generalschuld“ eines ganzes Volkes bis in die 3, 4, 5 Generation indizieren soll, ist der Sache sicher nicht dienlich. Frau Knobloch sollte sich einmal Fragen, ob sie mit ihren Äußerungen nicht einem neuen Antisemitismus Nahrung gibt.

Der in Deutschland aufkeimende Antisemitismus basiert zum größten Teil auf Vorurteilen, die entstehen, weil sich einige, wenige Persönlichkeiten immer wieder ins Rampenlicht spielen müssen. In einer heute durchgeführten Blitzumfrage bei 147 zufällig ausgewählten Passanten gaben 139 an, das sie kein Mitglied der jüdischen Gemeinde kennen würden, 6 sagten, das sie glauben ein Mitschüler wäre Jude gewesen, waren sich aber nicht sicher. Zwei gaben an das sie jüdische Arbeitskollegen hätten, waren sich aber auch nicht ganz sicher.

Das sollte uns doch klar vor Augen führen, in Deutschland gibt es keine Basis für einen fundierten Antisemitismus, einfach weil die wenigsten Menschenr positive oder negative Erfahrungen in ihrem persönlichen Umfeld machen konnten. Die Vorurteile gegenüber den Juden in Deutschland basieren auf den Aussagen, die von führenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in der Öffentlichkeit gemacht werden.

Es ist traurig aber zu verstehen, das die Überlebenden des Holocaust nicht vergeben können. Trotzdem wäre es manchmal angebracht, wenn sie darüber Nachdenken ob sie mit ihren Aussagen dem Gedenken an dieses Verbrechen dienlich sind. Sicherlich handelt Frau Knobloch nur in der besten Absicht, aber es müsste ihr doch auffallen, das sie mit ihren permanenten, kritischen Aussagen einen neuen Antisemitismus heraufbeschwört.

Manchmal ist ein Geste des Vergebens besser um das Andenken an die Geschichte zu erhalten.

Stellen sie sich einmal vor das wir uns den ganzen Tag überlegt haben, ob wir diesen Bericht schreiben können, oder ob wir damit in eine antisemitistische Ecke gedrückt werden, in der wir uns als Journalisten nicht sehen. Und das obwohl wir in einem Land leben in dem schon mit Blick auf die Geschichte jeder das Recht haben sollte, seine Meinung frei zu sagen. “

Basisbanalitäten zu Foucault.

Omg, lulz, I is analyzing teh discourse.

In seinem Essay zu den „Maschen der Macht“ versucht Foucault einen neuen Begriff der „Macht“ zu etablieren, den er dem althergebrachten Begriff der Macht gegenüberstellen möchte. Sein Versuch ist es, die Macht als eine Technologie zu begreifen, die weniger restriktive als positive Ergebnisse für die Gesellschaft hervorbringt. Er versucht damit das Freudianische Schema aufzubrechen, das vorgeblich „Instinkt versus Kultur“ gegenüberstellen würde. Seine Konzeption der Macht ist eine, in der die Triebe des Individuums durchaus mit der Macht in eins fallen und maßgeblich durch sie mitkonstituiert werden. Dieser Aufbruch der Psychoanalyse insofern, dass der Trieb nicht mehr als ein widerständiges, sondern als ein affirmatives Element der Psyche gegenüber der Gesellschaft verstanden wird, wird dadurch möglich, dass Foucault schon zu Beginn seiner Analyse der Freudschen Konzeption mehrere Begriffe miteinander vermengt.
So führt er an, „der Freudsche Begriff Trieb [dürfe] nicht als einfache Naturgegebenheit verstanden werden, […] sondern […] als etwas, das schon tief von der Unterdrückung durchdrungen ist.“ Er fährt nach einem kurzen Einschub fort: „Man soll sich den Instinkt also nicht als eine Naturgegebenheit denken…“ womit er bereits den Begriff des Instinkts und den des Triebes in eins fallen lässt. Die Verwirrung wird vollendet, wenn keine 10 Zeilen später auch noch „der Wunsch“ mit ins Boot genommen wird.
Was bei Foucault hier alles als ein handliches Gemenge erscheint, wird bei Freud durchaus unterschieden, obwohl tatsächlich alle drei Begriffe Schnittmengen haben.
Während der Wunsch die psychische Repräsentanz des Triebes darstellt und der Instinkt eine festgelegte biologische Reaktion auf einen bestimmten Reiz zur Triebbefriedigung beschreibt, ist der Trieb selbst zunächst ein rein somatischer Vorgang – also tatsächlich eine Naturgegebenheit – deren Triebobjekt sich im Laufe der Zeit in seiner jeweiligen „Wunschgestalt“ durchaus wandelt.
Dadurch dass Foucault die Begriffe vermischt, erscheint ihm der Trieb (bzw. Instinkt, bzw. Wunsch) als „komplexes Spiel zwischen […] Körper und kulturellen Mechanismen“, sodass ihm die Macht auf einmal positiv begegnet.
Nicht länger ist die Macht die feindliche Welt, die durch Versagung der Triebbefriedigung zum Ausbilden des Realitätsprinzips nötigt, sondern erscheint ihm mit einem Mal als seit jeher im Inneren durch kulturelle Mechanismen verankertes – ganz so, als müsse sich nicht zunächst durch die Intervention der Macht ein Ich und ein Über-Ich herausgebildet haben, die diese Kultur überhaupt erst verarbeiten und letztenendes reproduzieren können.
Durch diesen Kunstgriff zieht er der Psychoanalyse ihren kritischen Stachel und verwandelt sie in eine blanke Affirmation des Bestehenden, dem die Macht nun angeblich zu Diensten sei – während sie allerdings zugleich die Individuen so zurichte, dass sie sich dieser Macht aus einem eigenen Trieb heraus unterwürfen. So wird ihm die Macht zu einem positiven Instrument der Perfektion der Gesellschaft, die Eigenschaft der „Disziplin“ zu einer gesellschaftsformenden „Machttechnologie“ – nicht etwa zu einer individuellen Eigenschaft, die sich eine Einzelperson ausbildet, um sich im Rahmen des Realitätsprinzips zumindest gewisse Triebbefriedigungen zu verschaffen.
Ob diese Begriffsverwirrung nun darauf verweist, dass sich Foucault Freuds Theorie für seine Bedürfnisse zurechtstutzte oder fehlerhafte Übersetzungen zugrundelagen – so wurde in der englischen Standard Edition von Freuds Werken lange Zeit Trieb beharrlich als „instinct“ statt als „drive“ übersetzt – lässt sich rückblickend nur schwer feststellen.
Seine positive Machtkonzeption jedenfalls wird um einiges schwieriger haltbar, wenn ein solches Verständnis des Triebs zugrundegelegt wird.