Basisbanalitäten zu Foucault.

Omg, lulz, I is analyzing teh discourse.

In seinem Essay zu den „Maschen der Macht“ versucht Foucault einen neuen Begriff der „Macht“ zu etablieren, den er dem althergebrachten Begriff der Macht gegenüberstellen möchte. Sein Versuch ist es, die Macht als eine Technologie zu begreifen, die weniger restriktive als positive Ergebnisse für die Gesellschaft hervorbringt. Er versucht damit das Freudianische Schema aufzubrechen, das vorgeblich „Instinkt versus Kultur“ gegenüberstellen würde. Seine Konzeption der Macht ist eine, in der die Triebe des Individuums durchaus mit der Macht in eins fallen und maßgeblich durch sie mitkonstituiert werden. Dieser Aufbruch der Psychoanalyse insofern, dass der Trieb nicht mehr als ein widerständiges, sondern als ein affirmatives Element der Psyche gegenüber der Gesellschaft verstanden wird, wird dadurch möglich, dass Foucault schon zu Beginn seiner Analyse der Freudschen Konzeption mehrere Begriffe miteinander vermengt.
So führt er an, „der Freudsche Begriff Trieb [dürfe] nicht als einfache Naturgegebenheit verstanden werden, […] sondern […] als etwas, das schon tief von der Unterdrückung durchdrungen ist.“ Er fährt nach einem kurzen Einschub fort: „Man soll sich den Instinkt also nicht als eine Naturgegebenheit denken…“ womit er bereits den Begriff des Instinkts und den des Triebes in eins fallen lässt. Die Verwirrung wird vollendet, wenn keine 10 Zeilen später auch noch „der Wunsch“ mit ins Boot genommen wird.
Was bei Foucault hier alles als ein handliches Gemenge erscheint, wird bei Freud durchaus unterschieden, obwohl tatsächlich alle drei Begriffe Schnittmengen haben.
Während der Wunsch die psychische Repräsentanz des Triebes darstellt und der Instinkt eine festgelegte biologische Reaktion auf einen bestimmten Reiz zur Triebbefriedigung beschreibt, ist der Trieb selbst zunächst ein rein somatischer Vorgang – also tatsächlich eine Naturgegebenheit – deren Triebobjekt sich im Laufe der Zeit in seiner jeweiligen „Wunschgestalt“ durchaus wandelt.
Dadurch dass Foucault die Begriffe vermischt, erscheint ihm der Trieb (bzw. Instinkt, bzw. Wunsch) als „komplexes Spiel zwischen […] Körper und kulturellen Mechanismen“, sodass ihm die Macht auf einmal positiv begegnet.
Nicht länger ist die Macht die feindliche Welt, die durch Versagung der Triebbefriedigung zum Ausbilden des Realitätsprinzips nötigt, sondern erscheint ihm mit einem Mal als seit jeher im Inneren durch kulturelle Mechanismen verankertes – ganz so, als müsse sich nicht zunächst durch die Intervention der Macht ein Ich und ein Über-Ich herausgebildet haben, die diese Kultur überhaupt erst verarbeiten und letztenendes reproduzieren können.
Durch diesen Kunstgriff zieht er der Psychoanalyse ihren kritischen Stachel und verwandelt sie in eine blanke Affirmation des Bestehenden, dem die Macht nun angeblich zu Diensten sei – während sie allerdings zugleich die Individuen so zurichte, dass sie sich dieser Macht aus einem eigenen Trieb heraus unterwürfen. So wird ihm die Macht zu einem positiven Instrument der Perfektion der Gesellschaft, die Eigenschaft der „Disziplin“ zu einer gesellschaftsformenden „Machttechnologie“ – nicht etwa zu einer individuellen Eigenschaft, die sich eine Einzelperson ausbildet, um sich im Rahmen des Realitätsprinzips zumindest gewisse Triebbefriedigungen zu verschaffen.
Ob diese Begriffsverwirrung nun darauf verweist, dass sich Foucault Freuds Theorie für seine Bedürfnisse zurechtstutzte oder fehlerhafte Übersetzungen zugrundelagen – so wurde in der englischen Standard Edition von Freuds Werken lange Zeit Trieb beharrlich als „instinct“ statt als „drive“ übersetzt – lässt sich rückblickend nur schwer feststellen.
Seine positive Machtkonzeption jedenfalls wird um einiges schwieriger haltbar, wenn ein solches Verständnis des Triebs zugrundegelegt wird.


3 Antworten auf “Basisbanalitäten zu Foucault.”


  1. 1 Michel Foucault 02. Februar 2009 um 20:52 Uhr

    Eben von der Rückseite ließe sich auch Fragen, ob der Autor dieser Banalitäten nicht Foucault zurechtstuzt, indem er was der Philosoph als Analyse betreibt, als Konstruktion beschreibt. Dem BanaliTÄTER sei eine eingehende Lektüre Foucaults empfohlen

  2. 2 anti 02. Februar 2009 um 21:24 Uhr

    Foucault betreibt keine Analyse, wenn er völlig unvermittelt Trieb, Wunsch und Instinkt in eins fallen lässt. Er konstruiert tatsächlich eine Theorie, die er dann allerdings nicht einmal begründet, im Glauben Freud habe das bereits getan – was schlechterdings nonsense ist.
    Ansonsten HAT der Autor Foucault bereits eingehend studiert, weiß seine Quellenarbeit für gewöhnlich durchaus zu schätzen, mag insbesondere die Betrachtungen zu „Sexualität und Wahrheit“, weiss aber trotzdem, dass Foucault kein heiliger Gral ist und hat es nicht nötig, seinen Hintern zu küssen oder seinen Namen als Internetpseudonym zu benutzen.
    :)

    Also wäre es günstig, dass wenn du den Text kritisieren willst, du auch genau das tust. Dann bin ich gerne bereit darauf einzugehen – Foucault aber betreibt schlechterdings keine Analyse wenn er den Triebbegriff beschreibt, er probiert nachzuvollziehen was andere an analytischer Arbeit leisteten – und schafft das nicht, aus welchen Gründen auch immer.
    Also aufhören linksakademische Götzenverehrung zu betreiben, selber denken anfangen, dann klappts auch mit den Nachbarn.

  3. 3 ---- 20. April 2009 um 17:08 Uhr

    Vielleicht misst du dem Wort „Trieb“ einfach ein bisschen sehr viel mehr Bedeutung im Sein des Menschen bei, als das Foucault jemals getan hätte. Er hat den Menschen als ein Wesen gesehen, daß sich nicht nur entwickeln, sondern auch entscheiden kann und MUSS und spätestens bei der Entscheidung ist der Begriff des Triebes schnell nur noch Postitivismus, es sei denn natürlich man geht davon aus, der Mensch sei grundlegend triebgesteuert. Das ist aber ebenso wenig beweisbar wie das Gegenteil er sei es nicht. Zur Erkenntnis, warum das so sein könnte, empfehle Ich Wittgenstein oder vielleicht auch Kirkegaard.

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