Wider die Auschwitzkeule – Hannover auf den Barrikaden.

„Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. Schriften (§ 11 Abs. 3), die zum Haß gegen Teile der Bevölkerung oder gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, daß Teile der Bevölkerung oder eine vorbezeichnete Gruppe beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,

a) verbreitet,

b) öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,

c) einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überläßt oder zugänglich macht oder

d) herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Buchstaben a bis c zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, (…)“

(Stgb, Paragraph 130, Artikel 2 – Volksverhetzung.)

Wer also zum Hass gegen eine rassische (man merkt, dass wir es hier mit einem deutschen Gesetzbuch zu tun haben), religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstachelt, soll nach dieser Rechtsauffassung bestraft werden.
Als solcher Haß würde Antisemitismus wohl durchaus problemlos durchgehen, aber nun stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich schuld daran?

Und nun dürfen Sie mal raten, wer im Weltbild deutscher Tageszeitungen schuld am Antisemitismus ist.

Ist es:
a) Die antizionistische Querfront, bekannt und beliebt durch den Slogan „Alle Juden muss tot“?

b) Christlicher Antijudaismus und Lügen über die Juden, wie von Bischof Williamson verbreitet?

c) Die immer wieder präsenten Nationalsozialisten mit ihrer Holocaustrelativierung oder Leugnung?

d) Ein kapitalistischer Antikapitalismus und psychologischer Abwehrimpuls auf bestimmte Formen der Vergesellschaftung?

e) Islamistische Propaganda?

f) Die Juden.

Die richtige Antwort lautet natürlich f) Die Juden.
Die Hannover Zeitung ist sich tatsächlich nicht zu schade, zu behaupten, der Zentralrat der Juden schüre durch seine Existenz und Funktion „einen neuen Antisemitismus“.
Wenn Charlotte Knobloch also kritisiert, dass vor wenigen Tagen Holocaustleugner rehabilitiert wurden, reitet sie in der Vorstellung der HZ auf 60 Jahre alten, ollen Kamellen herum, die sie besser mal endlich in Frieden ruhen lassen sollte.
Und wie jede antisemitische Hetze dieser Tage, kommt auch die HZ nicht daran vorbei, sich als bester Kumpel der Juden aufzuspielen.
So wird der gute Rat erteilt, Frau Knobloch solle sich doch einmal Gedanken darum machen, ob sie mit ihren Äußerungen nicht einem „neuen Antisemitismus Nahrung gäbe“ – ganz so, als sei der alte nicht schlimm genug.

Das ist er für den Autor übrigens tatsächlich nicht. Er versteigt sich allen Ernstes zur Behauptung, dass sich aus der Tatsache, dass es kaum Juden in Deutschland gäbe, direkt ein Mangel an Antisemitismus ergibt. So führten die Zahlen aus einer Umfrage, die belegt, dass kaum Deutsche Juden kennen „klar vor Augen“, dass es hier gar keinen „fundierten Antisemitismus“ geben könne.

Ganz richtig: Aus der Anwesenheit von Juden ergibt sich für den fraglichen Redakteur ein „fundierter Antisemitismus“ – weil Juden für gewöhnlich wirklich dazu neigen Brunnen zu vergiften, Kinderblut zu trinken und vor sich hin zu wuchern. (Wenn sie mal grade nicht mit dem Raffen beschäftigt sind oder schächten.)
Dass die Nazis ja schon durch die weitgehende Vernichtung der Juden den Kampf gegen den Antisemitismus und seine Auslöser – die Juden – maßgeblich vorangetrieben haben, reicht dem verantwortlichen Redakteur nicht. Sein judenfreundliches Engagement geht weiter. Diejenigen, die den Vernichtungswahn seiner Großeltern überlebt haben, sollen gefälligst auch noch die Schnauze halten, bevor so etwas noch einmal passiert.
Da ist der Herr Wöckener besorgt um das Wohl seiner Mitmenschen, denn er fürchtet, dass man mit „permanenten, kritischen Aussagen“ einen neuen Antisemitismus heraufbeschwört.
Also ist nicht etwa der Mensch, der behauptet, die Juden hätten den Holocaust inszeniert Schuld an der Verbreitung von Antisemitismus – vielmehr sind es die Juden, die sich von diesem Menschen belästigt fühlen und sich erdreisten, sich „permanent kritisch“ dazu zu äußern.

Er schließt mit folgendem Satz:-
„Stellen sie sich einmal vor das wir uns den ganzen Tag überlegt haben, ob wir diesen Bericht schreiben können, oder ob wir damit in eine antisemitistische Ecke gedrückt werden, in der wir uns als Journalisten nicht sehen. Und das obwohl wir in einem Land leben in dem schon mit Blick auf die Geschichte jeder das Recht haben sollte, seine Meinung frei zu sagen. “

Mit anderen Worten: Der Arme hat Angst um Leib und Leben. Zwar wird er nicht von der Aussage „Alle Juden tot“ mit umfasst, zwar werden auf die Orte an denen er verkehrt keine Sprengstoff anschläge verübt, zwar werden keine Raketen auf seinen Heimatort abgeschossen und eigentlich benötigt er auch keinen Personenschutz… aber trotzdem erscheint ihm, der sich nicht als Antisemit sieht, schon qua der Tatsache, dass er Journalist sei – ganz wie die Kollegen vom Stürmer eben – die Auschwitzkeule als das beängstigendste Strafinstrument, das die menschliche Geschichte je hervorgebracht hat.

Was lernen wir daraus?
Man sollte die Juden schleunigst ihrer Bürgerrechte entziehen, bevor sie noch weiter den Antisemitismus vorantreiben.
Und die Hannover Zeitung sollte einmal wirklich von der Auschwitz-Keule getroffen werden.
Sir Arthur T. Harris ist allerdings vor einiger Zeit verstorben, sodass das wohl ein bescheidener Wunsch bleiben wird.

Nachtrag:
Die Hannover Zeitung hat den Artikel gelöscht, um ihren peinlichen Ausfall nicht weiter dokumentiert zu wissen. Stattdessen schreibt sie folgendes:

„Dieser Artikel wurden von uns wegen der heftigen Reaktionen und der unsachlichen Argumentation in den Kommentaren editiert.

Nachdem es im Zusammenhang mit diesem Artikel zu massiven Drohungen einiger weniger Personen gegen die Redaktion, bzw. die Zeitung gekommen ist, die den Straftatbestand der Nötigung gem. §240 StGB erfüllen, haben wir entsprechende Strafanzeigen gestellt.

Eine Kopie des Artikels wurde dem Zentralrat der Juden in Deutschland mit der Bitte um Stellungnahme zu dem Artikel und zur Pressefreiheit im Allgemeinen übersandt. Wir werden Sie hier über die Antwort informieren.“

Update 2:
Der Text ist wieder online, mit einem Verweis auf Strafanzeigen die gestellt wurden.
Hier der aktuellste Kommentar (02.02.2009, 23:33)

„VIELEN DANK !!!!!

Ich kann es kaum glauben, dass es tatsächlich noch Journalisten mit (echter) Zivilcourage in Deutschland gibt. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so viel mutige Wahrheit noch einmal in einer deutschen Zeitung lesen darf.

Vielen Dank an die Redaktion. BITTE BITTE lassen Sie sich nicht beirren, Sie schreiben was der grösste Teil des Deutschen Volkes denkt. Je eher wir offen und frei beginnen darüber diskutieren, desto eher öffnen wir eine Tür zu ECHTER Annäherung zwischen Juden und Nichtjuden. Einer Annäherung, die nicht darauf beruht, dass eine Seite immer austeilt und eine andere sich wütend auf die Lippen beisst. Wenn wir es nicht tun, wird diese Tür eines Tages von anderen Kräften geöffnet, solchen die nicht mehr gewillt seien werden, Ausgleich und Frieden zu stiften.

Mit anderen Worten: Wenn die Juden nicht bald Ruhe geben,wird das deutsche Volk, das sich schon „wütend auf die Lippen beisst“ diese Tür [zu echter Annäherung] öffnen: Nämlich die zu den Gaskammern.
Widerwärtiger zu werden, wird da schwierig.

Update 3:
Da der Artikel lahmacun zufolge gekürzt sein soll, hier noch einmal die komplette Version von gestern abend.

„Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, wirft Papst Benedikt XVI. im Streit um die Wiederaufnahme des Holocaust-Leugners und Traditionalistenbischofs Richard Williamson in die Kirche mangelndes Fingerspitzengefühl vor. Das hatte sie ja bereits mehrfach in dieser Woche getan, fraglich ist nur, was sie mit der dauernden Wiederholung erreichen möchten.

Papst Benedikt XVI. steht in der Kritik, weil er die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbruderschaft aufgehoben hatte. Unter ihnen ist auch Williamson, gegen den die Regensburger Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Brite hatte in einem im Landkreis Regensburg aufgezeichneten Interview behauptet, die historische Evidenz spreche gegen die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200 000 bis 300 000 Juden von den Nazis ermordet worden.

Es stimmt, das der Holocaust ein Teil der deutschen Geschichte ist und ja, es war ein Verbrechen! Aber dieses Verbrechen wurde vor 60 Jahren begangen und es ist langsam an der Zeit den Toten ihre Ruhe zu gönnen. Das andauernd „Wiederaufleben“ lassen der Erinnerung in einer Form, die eine „Generalschuld“ eines ganzes Volkes bis in die 3, 4, 5 Generation indizieren soll, ist der Sache sicher nicht dienlich. Frau Knobloch sollte sich einmal Fragen, ob sie mit ihren Äußerungen nicht einem neuen Antisemitismus Nahrung gibt.

Der in Deutschland aufkeimende Antisemitismus basiert zum größten Teil auf Vorurteilen, die entstehen, weil sich einige, wenige Persönlichkeiten immer wieder ins Rampenlicht spielen müssen. In einer heute durchgeführten Blitzumfrage bei 147 zufällig ausgewählten Passanten gaben 139 an, das sie kein Mitglied der jüdischen Gemeinde kennen würden, 6 sagten, das sie glauben ein Mitschüler wäre Jude gewesen, waren sich aber nicht sicher. Zwei gaben an das sie jüdische Arbeitskollegen hätten, waren sich aber auch nicht ganz sicher.

Das sollte uns doch klar vor Augen führen, in Deutschland gibt es keine Basis für einen fundierten Antisemitismus, einfach weil die wenigsten Menschenr positive oder negative Erfahrungen in ihrem persönlichen Umfeld machen konnten. Die Vorurteile gegenüber den Juden in Deutschland basieren auf den Aussagen, die von führenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in der Öffentlichkeit gemacht werden.

Es ist traurig aber zu verstehen, das die Überlebenden des Holocaust nicht vergeben können. Trotzdem wäre es manchmal angebracht, wenn sie darüber Nachdenken ob sie mit ihren Aussagen dem Gedenken an dieses Verbrechen dienlich sind. Sicherlich handelt Frau Knobloch nur in der besten Absicht, aber es müsste ihr doch auffallen, das sie mit ihren permanenten, kritischen Aussagen einen neuen Antisemitismus heraufbeschwört.

Manchmal ist ein Geste des Vergebens besser um das Andenken an die Geschichte zu erhalten.

Stellen sie sich einmal vor das wir uns den ganzen Tag überlegt haben, ob wir diesen Bericht schreiben können, oder ob wir damit in eine antisemitistische Ecke gedrückt werden, in der wir uns als Journalisten nicht sehen. Und das obwohl wir in einem Land leben in dem schon mit Blick auf die Geschichte jeder das Recht haben sollte, seine Meinung frei zu sagen. “


3 Antworten auf “Wider die Auschwitzkeule – Hannover auf den Barrikaden.”


  1. 1 lahmacun 02. Februar 2009 um 3:09 Uhr

    Das sollte uns doch klar vor Augen führen, in Deutschland gibt es keine Basis für einen fundierten Antisemitismus, einfach weil die wenigsten Menschenr positive oder negative Erfahrungen in ihrem persönlichen Umfeld machen konnten.

    das ist tatsächlich unfassbar. die shoah ist wohl darauf zurückzuführen, dass viele „arme deutsche“ schlecht erfahrungen machen mussten mit „diesen juden“!

  2. 2 kaputt 02. Februar 2009 um 22:24 Uhr
  3. 3 lahmacun 02. Februar 2009 um 23:32 Uhr

    wieder da, aber gekürzt.

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