Die Volksfront schmieden solange sie heiß ist.

Sir Arthur Harris.

Wenn sich am 14. Februar diesen Jahres wieder die Nazis in Dresden treffen, findet endlich wieder zusammen was zusammengehört: Eine gemeinsame Volksfrront aus sogenannten Antifaschist_Innen und Bürger_Innen wird sich auf die Straße begeben, um ihren Unmut darüber kundzutun, dass Nazis immer noch pro forma von der Meinungsfreiheit geschützt werden.
Selbstverständlich: Eine Kritik am Gedenken – und die Kritik strebt danach, ihren Gegenstand zu zerstören – ist richtig und notwendig, ebenso wie die Kritik an Faschisten und Faschistinnen noch immer Not tut.Vielleicht wäre das, wenn wir nicht in Deutschland lebten, die Aufgabe, die eine antifaschistische Gruppierung zu erfüllen hätte. Das No Pasaran Bündnis jedenfalls, das nun die Gegendemonstration organisiert, die sich mit schwarzen und roten Wimpeln und einigem Politkitsch schmücken wird, scheint dazu nicht in der Lage. Vielmehr ist man daran interessiert, wirksam an die Mitte der Gesellschaft anzuschließen, um im Kampf gegen den gemeinsamen Feind als gutes Deutschland auf die Straße zu gehen.
Schamlos geben sie auf dem Positionspapier ihrer Homepage schon im ersten Abschnitt zu, worum es ihnen letztlich geht:
„Wir finden es nicht akzeptabel, dass die Geschichte der Stadt für aktuelle Beiträge der CDU-Spitze zur Extremismusdebatte instrumentalisiert wird und gleichzeitig immer noch in den Parlamenten rechtskonservative und neonazistische Kräfte – mehr oder weniger offen – als temporäre Bündnispartner angesehen werden. Wir nehmen es nicht hin, dass hier die Tendenz vorherrscht, antifaschistische Demonstrationen von vorne herein zu verbieten, um sich nicht mit ihren Inhalten und Forderungen auseinander setzen zu müssen. „
(Bündnis No Pasarán, Selbstverständnis).
Mit anderen Worten: Nicht etwa geht es darum, wirksam die revisionistischen, widerwärtigen, deutschnationalen Heulbojen anzugreifen und rücksichtslos zu denunzieren, es geht vielmehr darum, vermeintlich „linke“ – auf das Wort „emanzipativ“ greifen sie dankenswerterweise selten einmal zurück – Positionen in eben diese Gesellschaft hineinzutransportieren, mit der dann der Schulterschluss gemacht werden soll. Schließlich hat man aus der Geschichte gelernt und ist zur beliebtesten Nation weltweit geworden, ein Titel, den man sich ja ungern von rechtskonservativen Kräften – die ohne die geringsten Skrupel mit neonazistischen in einen Hut geworfen werden – abjagen ließe.

Damit das möglich ist, muss natürlich auch dem Deutschen von Nebenan das eine oder andere Zugeständnis gemacht werden: Schon im nächsten Abschnitt ihres unsäglichen Positionspapieres – dabei ist ihre Position ohnehin schon klar, sie erstreckt sich von der Maas bis an die Memel und von der Etsch bis an die Belt – erklären sie (und so sieht dann ihre Kritik an bürgerlichem Gedenken aus, wie die Überschrift so vollmundig verspricht):

„Wenn Dresdener BürgerInnen bei der Bombardierung Angehörige oder Bekannte verloren haben,‭ sollte stets differenziert werden, welche Rolle der/die Verstorbene zu Lebzeiten in der nationalsozialistischen Gesellschaft ge‬spielt hat.‭ Dann ist es ‬das gutes Recht der Hinterbliebenen,  am Todestag um diese zu trauern.‭ ‬Es ist egal, in welcher Form diese persönliche Trauer gelebt wird,‭ ob in stiller Erinnerung an den verlorenen Menschen zu Haus oder im Austausch mit anderen Trauernden. Genauso ist es legitim, wenn Überlebende des Luftangriffs in ähnlicher Weise versuchen, ihre schrecklichen Erfahrungen zu verarbeiten. Ihre persönliche Schuld an den Verbrechen NS-Deutschlands dürfte, sofern sie nicht weit älter als 80 sind, mit Verweis auf ihre kindliche Machtlosigkeit entfallen.Ältere Menschen hingegen müssten sich fragen, ob sie denn alles Mögliche getan haben, um der deutschen Terrorherrschaft ein Ende zu setzen. “

Fassen wir also pragmatisch und kurz zusammen, wie die Kritik des Kreises „No Pasaran“ am bürgerlichen Gedenken aussieht: Sie haben keine. Es ist „legitim“, solange nicht explizit einem Täter der Nationalsozialistischen Gesellschaft gedacht wird. Das muss dann im Einzelfall differenziert werden, wobei die antifaschistische Gesinnungsprüfung dann eben am Ort des Gedenkens selbst stattfinden muss. Dabei wird No Pasaran natürlich bemüht sein, mit der gebotenen Gerechtigkeit darüber zu urteilen, wer nun wirklich „alles mögliche getan hat um der nationalsozialistischen Terrorherrschaft ein Ende zu setzen.“
Das wird dann im Plenum zusammen bei veganer Vokü beschlossen, bevor dem oder der Betroffenen, die dann doch nicht genug getan hat, eine schriftliche Rüge vom antifaschistischen Zentralkommittee übersandt wird, mit der Bitte, das doch nicht mehr zu tun und in Zukunft etwas „linker“ zu sein. Denn: Die Trauer muss die richtige Trauer sein, sonst wird sie vor dem Volksgerichtshof verhandelt.

Im nächsten Abschnitt fahren sie fort:
„Wenn aus einer solchen persönlichen Trauer jedoch eine ideologische und/oder politische Trauer wird, dann ist antifaschistische Intervention schlichtweg notwendig. „
Was auch immer eine ideologische oder politische Trauer sein soll und vor allem: was sie von der normalen Trauer unterscheidet, wird dabei nicht klar. Das No Pasaran Bündnis scheint kein Problem damit zu haben, dass ausgerechnet am 13. und 14. Februar sich Deutsche versammeln um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen, reicht ihnen noch nicht als Beweis dafür, dass hier Revisionisten und Apologeten des deutschen Vernichtungswerks über die Straßen flanieren werden. Lieber verweisen sie darauf, dass es ja gute Gründe gäbe dafür, dass da eine legitime Trauer geübt wird:

„Mit dem bürgerlichen und stadtoffiziellen Gedenken soll an die Zerstörung des Stadtzentrums erinnert, den vielen Toten gedacht und das Leid der Überlebenden gewürdigt werden. Dafür sprechen die historische Bedeutung des Dresdener Einzelangriffes und der damit verbundene Einschnitt in die Stadtgeschichte. Jedoch war von dem Angriff keine homogene Masse von Menschen betroffen. Viele trugen Schuld an den Verbrechen NS-Deutschlands, indem sie mehr oder weniger Teil der nationalsozialistischen Gesellschaft waren. Von den Angriffen betroffen waren aber auch Opfer des Nationalsozialismus, wie Widerständische, ZwangsarbeiterInnen, Kriegsgefangene oder Jüdinnen und Juden. „

Um es auf den Punkt zu bringen: Dresden trauert gemeinsam. Jeder sucht sich da sein Schäfchen aus. Die einen weinen darum, dass ihr tausendjähriges Reich zerfetzt wurde, die nächsten um die nette Omi von nebenan und die Linke um die Widerstandskämpfer. Dabei scheint es sich noch nicht herumgesprochen zu haben, dass es durchaus kein Zwang ist, seinen Toten an einem bestimmten Tag zu gedenken und dass es vielmehr ein grundlegendes Merkmal der Trauer – im Gegensatz eben zum Gedenken – ist, dass sie keine Steuerungsmechanismen durch welche Ideologie auch immer kennt.
Das Gedenken im Gegensatz zur Trauer aber soll an ein spezifisches Ereignis oder eine Person erinnern, es wieder wachrufen, eine erneute Trauer induzieren und vor allem, in seiner Form als politisches Gedenken, eine Mahnung sein.
Wenn nun die Deutschen genau an diesem Tag „ihrer Toten“ gedenken wollen, dann gedenken sie nicht ihnen, sondern vielmehr dem Alliierten Bombenangriff, der Dresden unter der Führung von Air Chief Marshal Sir Arthur Harris in Schutt und Asche legte.
Warum aber genau dieses Bombenangriffes gedacht werden sollte, der nur eine Reaktion auf die von Deutschland ins Werk gesetzte Vernichtungsarbeit war, ein Bestandteil jenes Krieges, den sogar die Michel von No Pasaran als „alternativlos“ anerkennen, so zeigt sich, worum es geht.
Die Unterschiede zwischen Tätern und Opfern sollen verwischt werden, jeder soll ein bisschen etwas von allem gewesen sein. „No Pasaran“ betreiben also billigsten und widerwärtigsten linken Revisionismus.
Dementsprechend findet sich auch in dem Positionspapier ein elend langer Abschnitt über die Rolle der Alliierten, der erklärt, warum sie aus einer „linksradikalen“ Position heraus nicht „affirmiert“ werden können aber nicht einmal zwei lumpige Zeilen zur deutschen Vernichtungsarbeit, zur Shoa, zu den Kriegen an Ost- und Westfront (ausser um der Sowjetunion aufs Brot zu schmieren, dass sie sich zu spät zur Intervention entschlossen hätte, um noch bestätigt werden zu können) oder zu irgendeiner anderen der urdeutschen Scheußlichkeiten, die entfesselt wurden.

Man ist sich also durchaus einig darin, dass die Alliierten ja letztenendes auch nicht so toll seien, daher das einzige Gedenken das am 13. und 14. Februar legitimerweise möglich wäre – nämlich eine Danksagung an die Alliierten Kampfverbände, die diejenigen, die wirklich im Widerstand waren ebenso befreiten – auch unethisch sei: Schließlich ist man „linksradikal“ und „antimilitaristisch“.

Was die Jüdinnen, Juden und sicherlich auch einige Widerständler von den Bombadierungen hielten, wurde ja schon vor geraumer Zeit von anderen besser zum Ausdruck gebracht. Wie zum Beispiel jener Dresdener Jüdin, die proklamierte, sie hätte lieber eine Bombe auf dem Kopf als nach Auschwitz zu gehen. Oder eben von Victor Klemperer, der in sein Tagebuch notierte, dass die Nacht jenen der Dresdener Juden, die von ihr verschont blieben, immerhin die Errettung bedeutete.
Das jedoch ist für die Simpel von „No Pasaran“ nicht Grund genug, um sich an jenem Tag, an dem die Siegermächte systematisch verleumdet werden, Partei für sie zu ergreifen und die Deutschen, die öffentlich in Trauer machen damit mit den Symbolen derer zu konfrontieren, die ihnen erst ein demokratisches Zusammenleben ermöglichten: Also der Tricolore, dem Union Jack, der roten Fahne und dem Starspangled Banner.

Das würde aber auch jene vergraulen, mit denen jetzt wieder einmütig marschiert wird, nachdem es in Israel wieder etwas ruhiger wird. In der Selbststilisierung zum Antifaschisten sind diejenigen antiimperialistischen Scheußlichkeiten, die vor zwei Wochen noch keine Gelegenheit ausließen, sich über den „Holocaust in Israel“ zu ereifern auch für gefühlte Antideutsche wieder hinnehmbare Bundesgenossen. Im Kampf gegen die Nazis muss letztlich ganz Deutschland zusammenhalten.
„Antideutsche“,Antiimperialist_Innen, Bürger_Innen und alle anderen eben irgendwie auch.
Dabei wird eins vergessen:
Deutschland ist nicht die Lösung. Deutschland ist das Problem.

Dennoch, der Aufruf des Demobündnisses soll auch hier unterstützt werden.

Das No Pasaran Bündnis ruft dazu auf am
14.02.2009 zur Auftaktkundgebung zur Demonstration zu erscheinen. Treffpunkt ist der Hauptbahnhof um 11 Uhr.

Da Deutsche zu stoppen immer ein ehrenvolles Anliegen ist, sei hiermit zur Teilnahme an der Demonstration aufgefordert: Natürlich unter voller Affirmation der Alliierten Kampfverbände, mit sämtlichem Bekenntnismüll, der gefunden werden kann und sei es nur das Trikot der französischen Nationalmannschaft.
Wenn die Dresdener Linke sich daran das Genick bricht, hat sie es nämlich nicht besser verdient. Aber auch ganz ohne deren Hilfe gibt es am 13. und 14.02. genug Menschen in Dresden, denen die kleine Erinnerungshilfe vermutlich nicht schadet.


10 Antworten auf “Die Volksfront schmieden solange sie heiß ist.”


  1. 1 Tapete 11. Februar 2009 um 11:55 Uhr

    Hab jetzt nur grob drübergelesen.
    Nur eine Anmerkung: Natürlich gibt es private Trauer. Wenn der Opa in der Nacht gestorben ist, spricht nichts dagegen, dem Blumen aufs Grab zu legen und an ihn zu denken.
    Das ist natürlich etwas völlig anderes, als mit hunderten Leuten an der Frauenkirche rumzueumeln oder mit der NPD und der SPD und allen anderen Kränze auf dem Heidefriedhof abzuwerfen.

    Das eine geschieht (im Idealfall) ohne eine politische Opferstilisierung, das andere ist auch bei der oberflächlichen Abgenzung von den Nazis höchst politisch.

  2. 2 repulsion 11. Februar 2009 um 13:04 Uhr

    der aufruf von venceremos ist inhaltlich unterstützenswert.
    warum erwähnst du den eigentlich gar nicht?
    http://venceremos.antifa.net/13februar/2009/aufruf.htm
    oder meinst du, die antideutschen schliessen sich der volksfront an, nur weil sie ebenso gegen nazis demonstrieren?

    anti-nazi-arbeit als letzten konsens der „linken“ zu diskreditieren ist was für den gsp.

  3. 3 anti 11. Februar 2009 um 14:38 Uhr

    Natürlich gibt es private Trauer. Das ist genau der Punkt. Die Unterscheidung zwischen „Privater“, „politischer“ und „ideologischer“ Trauer ist hinfällig.
    Trauer ist zunächst einmal Trauer und hat keinen politischen Gehalt.
    Ein Gedenken hat den sehr wohl.
    Und das ist der zentrale Unterschied.
    Der steht da aber auch drin. ;)

  4. 4 anti 11. Februar 2009 um 14:44 Uhr

    Et en ce qui concerne Repulsion:
    Ich unterstütze den Aufruf von Venceremos tatsächlich, finde es aber ärgerlich, dass sie sich nicht auf den Müll von No Pasaran einlassen.
    Neben der Tatsache, dass Anti-Nazi-Arbeit tatsächlich der letzte Konsens der „linken“ ist, ist das mein einziges Problem mit dem Aufruf.
    Der Text allerdings ist ja eine Kritik an genau dem und dem was dem folgen wird – nämlich Selbstinszenierung der Stadt, große Bündnisdemonstration, Erfolgsgeheul auf Indymedia etc.pp.
    Einen inhaltlichen Angriff auf Venceremos stellt das nur insofern dar, dass sie das Problem um des lieben Friedens willen unter den Tisch fallen lassen. Sonst kann ich den durchaus gut finden und unterschreiben.

  5. 5 lise 12. Februar 2009 um 14:41 Uhr

    „Man ist sich also durchaus einig darin, dass die Alliierten ja letztenendes auch nicht so toll seien, daher das einzige Gedenken das am 13. und 14. Februar legitimerweise möglich wäre – nämlich eine Danksagung an die Alliierten Kampfverbände, die diejenigen, die wirklich im Widerstand waren ebenso befreiten – auch unethisch sei: Schließlich ist man „linksradikal“ und „antimilitaristisch“.“

    aus deinen sarkasmus lese ich eine apologetik der alliierten kraefte im zweiten weltkrieg heraus, wo positionen affimiert werden, die sehr wohl kritikabel sind, und zwar die nicht vorhandene antifaschistische intention, die alliierten haetten da ein rettungspaket fuer jud_innen beschlossen, welches definitiv keines war. deswegen unkritisch fuer seiten alliierten kraefte, wenn auch befreier, zu agitieren, halte ich fuer oberflaechlich und undifferenziert. ohne damit den deutschen, buergerlichen mob mit samt ihren reaktionaeren kindesauswuchs, was du den „letzten konsens der linken“ nennst, zu apologisieren, ist kritik auf seiten der befreier auch genauso notwendig.

  6. 6 anti 12. Februar 2009 um 16:18 Uhr

    „Eine Apologetik“?
    Wo genau wäre deiner Meinung nach eine Apologetik notwendig dafür, Deutschland vom Faschismus zu befreien?
    Machst du das an der „fehlenden antifaschistischen Intention“ fest?
    Die ist – mit Verlaub – vollkommen egal. Der Alliierte Waffengang wird kein Jota „kritikwürdiger“, weil diese oder jene Intention dahintersteht.
    Und ob da ein „Rettungspaket“ beschlossen wurde ist auch unwichtig insofern, als dass diese Menschen de facto gerettet WURDEN.
    In der kleinen, kuschligen Welt der Ideologie mögen die hehren Intentionen wohl eine Rolle spielen, tatsächlich sieht es aber so aus, dass die Anti-Hitler-Koalition Partikularinteressen eben auch zu vertreten hat – nämlich ihre eigenen – wo man es sich dann zweimal überlegt, ob man abertausende Soldaten und Soldatinnen des „eigenen Landes“ gegen wahnsinnige Deutsche zu Felde ziehen lässt. Die Auslöschung des partikularen Interesses im Dienste des „großen Ganzen“ ist jedenfalls a) hochideologisch und b) auch ansonsten fragwürdig, Stichwort Regression.
    Neben dem furchtbar bemühten Versuch ansonsten, sich nicht an den „bürgerlichen Mob“ (was falsch ist, denn weder der linke noch der rechte Rand dieses Mobs sind bürgerlich, deutscher Mob hätte genügt) anzuschließen:
    Das Grammatikalische Ungetüm im letzten Satz, das so wie es da steht einfordert, dass auch die Amerikaner, Russen, Briten und Franzosen kritisieren aber wohl eigentlich meint, dass sie auch kritisiert werden sollten: Fein.
    Das findet ja auch statt. Die Kritik, die das fordert, fordert den Kommunismus. Sie fordert KEINE Kritik an irgendwelchen „Intentionen“, sie fordert KEINE Kritik an welcher alliierten Intervention in Hitler-Deutschland und sie fordert KEINE Kritik eben an Dresden.
    Und wenn jemand glaubt, er müsse grade auf einer Demonstration gegen die Diffamierung des Alliierten Waffenganges kundtun, dass es auch Kritik an den Aliierten gibt – die die Kritik an ALLEN Nationalstaaten ist, Deutschland eben eingeschlossen, somit letztlich gar keine spezifische Kritik an den Alliierten, macht sich doch arg angreifbar.
    Mit anderen Worten: Es gibt keine berechtigte Kritik an der Anti-Hitler-Koalition.
    Es gibt berechtigte Kritik an Nationalstaaten, die natürlich auch die der AHK einschließt, aber wieso die grade als eine Kritik an spezifisch jenen thematisiert wird, kann eben nur mit Ideologie (Es kommt doch auf die Absicht an) erklärt werden.

  7. 7 Genussdenker 14. Februar 2009 um 11:26 Uhr

    Die Tendenz zur Entschuldigung* der Geschichte (*wörtlich gemeint) ist in Deutschland mittlerweile unübersehbar.

    Sichtbar in Dialogen, aber es tun sich auch immer mehr Kollektive zusammen; so wie hier beschrieben. Offenbar scheint es in Deutschland ein grossees Bedürfnis zu sein, die Vergangenheit des Nationalsozialismus abzustreifen.

    Eine Kollektiv-Trauer ist da natürlich eine nützliche Form. Ja, sie vermenschlicht sozusagen dieses Anliegen der endgültiogen Rehabilitation. Es ist moralisch immer sehr wirksam, gegen Verwüstung und Krieg als Solches zu sein. Dabei geht es aber nicht um Moralität, sondern um Rhetorik.

    Dieses Abstreifen der Geschichte kann nicht gut kommen!
    Dennoch geht es auch nicht darum, stets böse Absichten zu wittern.
    Lange Zeit galt das Credo „Niemals vergessen“. Davon lässt man zusehends ab. Nicht indem man die Taten der Nazis direkt entschuldigt (was zwar auch immer mehr vorkommt und schlussendlich Folge dieser Entwicklung ist), sondern durch Relativierung.
    Die Relativierung der NS-Vergangenheit und der damit verbundenen KollektivSchuld ist somit gleichzeitig Beginn, Mechanismus und trägt bereits mögliche verheerende Folgen in sich.

    Angesichts dieses BlogBeitrags kamem mir spontan die Worte des Psychologen Arno Gruen aus seinem Buch „Wahnsinn der Normalität“ in Erinnerung wo er kurz auf Hannah Arendt’s „Banalität des Bösen“ einging :
    „Es trifft nicht ganz zu was Hannah Arendt nahelegt : dass das Böse im Banalen angesiedelt ist. Es hat vielmehr seine Wurzeln darin, dass die menschlichen Möglichkeiten pervertiert, dass Menschen ohne wirkliches Selbst sind. Hannah Arendt kritisierte den EichmannProzess, der der Eichmanns Handlungen aus dem bösen Charakter heraus zu erklären versuchte. Dem hielt sie entgegen, dass es sich nur um einen „tödlich normalen“ Bürokraten gehandelt habe, der nicht wusste, was er tat. Sie hat nicht die äuserste Perversion unserer Zeit gesehen, dass Menschen so auftreten können, als hätten sie Gefühle“.

    Falls dieses Abstreifen der Kollektivschuld sich in die Mentalität einfrisst, so kann dies weitreichende politische Folgen haben. So wird man auch Die Schuld anderer Ereignisse/Nationen in der Geschichte entschuldigen. Denken wir da etwa an den Armenier-Genozid im Hinblick auf eine mögliche EU-Erweiterung.
    Die Relativierung hat aber schon längst ein deutlich erkennbares Gesicht : der Kommunismus.

    Der aptupte Übergang vom Kommunismus zur Demokratie und insbesondere die deutsche Wiedervereinigung erforderte ein Versöhnen. Dieses versöhnliche Umgang mit der jüngsten Vergangenheit kann als Beginn dieser relativistischen Tendenz betrachtet werden.

    Da sich der Mensch unablässig im Streben nach idealeren Umständen befindet, kann die Gefahr bestehen, dass er das Gute in der Gegenwart zugunsten der Probleme ausblendet. Mündet dies noch in übertriebener Systemkritik, welche zudem noch oft von SelbstProfilierung motiviert ist und dann aber Konformismus übergeht; und vermischt sich dies mit der selbstentschuldigenden Relativierung einer schmerzlichen und verurteilenswürdigen Vergangnheit, ist diese Mischung von nicht zu unterschätzenden Brisanz.

    Das „Niemals vergessen“ wird also nun aufgeweicht. Rhetorisch am efektivsten, indem man sich eine Opferrolle attestiert. Zieht man nun eine historische Parallele in die Zeit kurz vor 1933, erschrickt man an einer beinahe identischen Rhetorik.

    Eine umgekehrte, sich aus Unfähigkeit und Unselbstständigkeit heraus attestierte Opferrolle, welche die wahren Opfer ignoriert, sie ausblendet und später als Legitimation zur massiven Abwertung der Menschenwürde instrumentalisiert . . .

  8. 8 Ole 04. März 2009 um 2:03 Uhr

    Nach dem Durchforsten dieser Seite, bleibt mir nur ein Rat an euch: ab zum Psychater. Er wird euch von eurem Selbsthass befreien.

    Derweilen freue ich mich schon auf die WM in Südafrika, und werde meine Nationalfahne mit dem Adler aus dem Fenster wehen lassen. Und ihr werdet euch bei dem Scharz-Rot-Goldenem Fahnenmeer bepissen vor Ärger. Und noch mehr wird euch nicht schmecken, dass meine ausländischen Freunde ebenfalls die deutsche Farben tragen werden :) .

    Übrigens gabs da vor kurzem eine nette Umfrage, in der meine geliebte Heimat zum beliebtesten Land der Welt erkoren wurde. Tja, wenn man darauf nicht STOLZ sein kann??

  9. 9 rep 04. März 2009 um 16:20 Uhr

    klar. die masse hat ja immer recht.
    fick dich alter. mit anlauf.

  10. 10 kaputt 04. März 2009 um 20:42 Uhr

    ole, deine „ausländischen freunde“ sind mir scheißegal

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