Gemeinschaft statt Gesellschaft – Tempelhof für Deutsche!

Wenigstens sind sie von hier.
“Wissen se, man is en kleener Mensch, man kann sich nich wehren. Und alle denken jenauso, so wie ich, so wie die anderen, nur det traurije is, jeder denkt so, nur keener rottet sich zusammen.” [1]
Schon das Mobilisierungsvideo zu den Action Weeks macht unmissverständlich klar wohin die Reise geht. Zur deutsch-blonden Gabi mit der authentischen Berliner Schnauze, die das ausspricht was der linksdeutsche Pöbel denkt, aber sich noch nicht traut offen auszusprechen:
Dass der “kleine Mensch” – sprich, der oder die waschechte Deutsche – von der Straße sich ja nicht wehren könne, gegen jene unheimliche Gefahr von aussen, jedenfalls nicht, solange noch nicht die Zusammenrottung stattfand.
Wie genau eine solche aussieht, darf dann das “große Kino” des Tempelhof Videocontests auch demonstrieren.
Hinter dem Führer, hoch zu Ross, sammeln sich die schwarzgekleideten Horden, um als Mob anzustürmen gegen die Zumutungen der Zivilisation – gegen Baukräne, die rauchenden Schlote Mordors (entlehnt ist die Szene aus dem Herrn der Ringe) und jeglichen Verdacht von Fortschritt oder Entwicklung.[2] Aber – ist das nicht zumindest besser als das Schreckgespenst der Gentrifizierung, als steigende Mieten und bösartige Finanzhaie, die vielleicht dann sogar FDP wählen würden?

Wie sieht sie denn aus, die Utopie, die man angetreten ist hier zu verwirklichen?
Der Redebeitrag der “Mieten stopp! Gruppe” redet Klartext: Die Menschheitsbefreiung findet durch die Kartoffeln statt, am bäuerlichen Wesen muss die Welt genesen. “Wir wollen im Wagendorf wohnen und Hütten bauen,(…) Blumen pflücken und mit Tieren kuscheln”[3].
Was man eigentlich in einer psychiatrischen Anstalt mit Beschäftigungs- und Delfintherapie haben könnte, wird hier dann zum “zukunftsweisenden” und “nachhaltigen” Konzept zur Städteplanung aufgeblasen. Historisch lassen sich derart zukunftsweisende Konzepte wohl im späten Mittelalter verorten, in das man händeringend zurück möchte.
Zusammengerottet, etymologisch also als Horde der Wildschweine, das deutsche Gegenmodell zur Zivilisation, versucht man sich dagegen zu wehren, dass Berlin wie München werde. Denn: Wer will das schon?
Das München laut Umfragen in der Lebensqualität über Berlin rangiert, ist dem deutschen Schwarzwild, den autonomen Keilern, Bachen und ihren rottenfreundlichen Unterstützergabis dann freilich egal. Schließlich geht es um das größere Ziel: Nicht etwa um ein Anheben des Berliner Lebensstandards, um einen flächendeckenden Zugriff auf medizinische Versorgung, Bildung und Nahrung für alle Menschen – sondern ums Kuscheln mit Tieren und den autonomen Gemüseanbau.

Die Polemik gegen derlei Idiotie langweilt regelrecht, ist sie doch ebensowenig neu oder originell, wie es die Bauernschläue jener ist, die nur das aussprechen, was eh schon lange alle denken. 1844 bereits notiert Karl Marx, der Erzfeind deutscher Zustände, in seiner Kritik der hegelschen Rechtsphilosophie:

“Gutmütige Enthusiasten dagegen, Deutschtümler von Blut und Freisinnige von Reflexion, suchen unsere Geschichte der Freiheit jenseits unserer Geschichte in den teutonischen Urwäldern. Wodurch unterscheidet sich aber unsere Freiheitsgeschichte von der Freiheitsgeschichte des Ebers, wenn sie nur in den Wäldern zu finden ist? Zudem ist bekannt: Wie man hineinschreit in den Wald, schallt es heraus aus dem Wald. Also Friede den teutonischen Urwäldern! “[4]

Doch man lässt sie nicht ruhen, die teutschen Wälder – Deutschland ist Weltmeister der Herzen, Berlin die Stadt unserer infantilen Träume. Folgerichtig haben die “Alteingesessenen” auch das unwiderrufliche Hausrecht, dass sie nach beiden Seiten moralisch absichert. Zum einen gegenüber jenen, die aus Interesse an Ökologie oder Kultur sich ein Fleckchen in Tempelhof ergattern wollen und aus der Ferne kommen, zum anderen vor jenen noch gruseligeren Gestalten, die nur in ihren Bankkonten wohnen. Die Volksgemeinschaft Autonomien sichert sich ab zur “Bunten Republik Tempelhof”, in der jeder mitspielen darf, der nur der Aufklärung genügend Verachtung entgegenbringt oder eben schlichtweg in der Präpubertät hängengeblieben ist.
Yuppies, Prenzlbergerianer, Ökos, Bohemiens, letztlich ist alles unerwünscht, was sich nicht gleichschalten lässt auf die Elendsverwaltung autonomer Zentren und vielleicht auch einmal – horrible dictu – nach einem Tag der Lohnarbeit einen Cocktail trinken möchte, der nicht mit veganer Sahne zusammengepanscht wird.
Dazu gehören selbstverständlich auch Familien mit “1 ½ Kindern, Trauschein und geregeltem Einkommen”,[5] also all jene Zweckgemeinschaften der kapitalistischen Normalität, die ihrem Nachwuchs ein halbwegs geregeltes Auskommen und eine Erfüllung seiner Wünsche über die basalsten Grundbedürfnisse hinaus ermöglichen wollen. Im Selbstverständnis wird so schon sehr klargemacht, wen man nicht da haben will: All die Sozialschmarotzer, die gemeinschaftsfeindlichen Individuen und abgeschlossenen Kleinformen, die nicht vollständig im Kollektiv aufgehen und unter Umständen tatsächlich selbst im Kapitalismus noch Reste von Luxus einfordern.
Und vor allem die Fremden sind unerwünscht. Die Forderung der NPD, Arbeit sei zuerst für Deutsche da, klingt bei Tempelhofaktivisten so:
“Entlang des Tempelhofer Dammes sollen die Zukunftstechnologien wie Klimaschutz, Umwelt- und Solartechnik im so genannten „Stadtquartier“ einziehen. Alles in allem sollen 9500 Menschen dort arbeiten, und wir wollen erstmal wissen, ob diese dann für gutes Geld aus den Arbeitslosenscharen der angrenzenden Bezirke rekrutiert werden, bevor wir uns von der angeblichen Umweltverträglichkeit einlullen lassen !”[6]
Da nimmt man dann doch auch als ökologischer Aktivist lieber die qualmenden Fabrikschlote in Kauf, solange wenigstens der Polack nicht der autochthonen Bevölkerung die Arbeit wegschnappt.
Die entsprechenden Bündnispartner sind verhältnismässig leicht zu finden, man muss sich dann eigentlich nur noch über die genauen Grenzverläufe und einige Formalitäten einigen, das Prinzip hingegen ist klar.
Die lokal zusammengeschweißte Gemeinschaft, die Rotte der Prolet-Arier trotzt gemeinsam der kapitalistischen Gesellschaft, indem sie sich selbstbewusst für die Armut entscheidet.
Voküfraß statt Haute Cuisine, Tiergekuschel statt Menschheitsemanzipation und Blümchen pflanzen statt Kampf gegens Kapital.
Die geschäftige Aktivität derer, die Tempelhof besetzen wollen, entpuppt sich schon auf den flüchtigen Blick als Kapitulationserklärung für die, denen es noch ernst ist damit, dass alle Verhältnisse abzuschaffen seien, in denen der Mensch ein geknechtetes, ein verächtliches, ein einsames Wesen ist. Der Traum von Gesellschaft als Einheit der Menschheit ohne Zwang wird eingetauscht gegen den Zwangszusammenhang, dem man ohnehin ausgesetzt ist.
Die Bevölkerung, die schon genug durch die tatsächlich stattfindende Gentrifizierung zu leiden hat, soll nun neben der Lohnarbeit auch noch Kartoffeln pflanzen, statt tatsächlich gegen die Zumutung vorzugehen, dass der überwiegende Teil vom gesellschaftlichen Reichtum ausgeschlossen ist.
Nicht einmal die Agitation lohnt sich in dergleichen Zuständen noch. Besteht die Alternative zwischen Lifestyle Anarchismus, also einem größtenteils harmlosen bürgerlich-studentischen Freizeitvergnügen und der Revolution, so ist unter diesen Vorbedingungen sogar das lokalpatriotische, moralinsaure Geheule der Autonomen vorzuziehen, das zuerst wissen will, ob die Arbeit denen vor Ort zukommt – Revolution, das hieße da, wo man sich nach dem Urwald sehnt, nichts anderes als die Zusammenrottung zur Ausrottung jener, die “in ihrem Bankkonto wohnen”.
Das Motiv des Menschen, zu dessen Blut kein Boden gehört, der statt des Blut-Boden Zusammenhanges nur sein bodenloses Portmonnaie kennt, ist eines der ältesten Motive deutscher Kapitalismuskritik – die Vernichtung der Juden und Jüdinnen ihr Fluchtpunkt.
Wo sich unter diesen Prämissen widerspruchslos der Mob sammelt, um zu schreien “Tempelhof für alle” und zu meinen “Tempelhof für uns”, da ist für Kommunisten und Kommunistinnen kein Staat mehr zu machen und die Abschaffung des Staates, die doch so dringend notwendig wäre, schon dreimal nicht.
Was bleibt, ist die Kritik als letzter Fluchtpunkt des besseren, als geistige Antizipation der Revolution. Freilich, kann man mit Marx, Adorno und Freud keine Lagerfeuermusik anstimmen, aber wem es ernst damit ist, die Verhältnisse zu ändern, der sollte darüber nachdenken, ob es sich nicht das nächste Mal, wenn gefragt wird: “Have you ever squatted an airport?” lohnt, daheimzubleiben und ein wenig zu lesen – um zu jenem Punkt zu gelangen, an dem man den gesellschaftlichen Reichtum nutzbar macht, statt ihn zu verdammen. Kurzum, an jenen Punkt, wo man die Revolution nicht mehr für die Rotte, sondern für die Menschen fordert. Und Revolution, das heißt:
Krieg den deutschen Zuständen! Allerdings! Sie stehn unter dem Niveau der Geschichte, sie sind unter aller Kritik, aber sie bleiben ein Gegenstand der Kritik, wie der Verbrecher, der unter dem Niveau der Humanität steht, ein Gegenstand des Scharfrichters bleibt. Mit ihnen im Kampf ist die Kritik keine Leidenschaft des Kopfs, sie ist der Kopf der Leidenschaft. Sie ist kein anatomisches Messer, sie ist eine Waffe. Ihr Gegenstand ist ihr Feind, den sie nicht widerlegen, sondern vernichten will. Denn der Geist jener Zustände ist widerlegt. An und für sich sind sie keine denkwürdigen Objekte, sondern ebenso verächtliche, als verachtete Existenzen. Die Kritik für sich bedarf nicht der Selbstverständigung mit diesem Gegenstand, denn sie ist mit ihm im reinen. Sie gibt sich nicht mehr als Selbstzweck, sondern nur noch als Mittel. Ihr wesentliches Pathos ist die Indignation, ihre wesentliche Arbeit die Denunziation.[7]
Bis dahin bleibt Tempelhof, als pars pro toto für die deutsche Linke, infantiler Traum und realer Albtraum, dessen Nichtumsetzung angesichts der nach wie vor bestehenden kapitalistischen Sachzwänge fast schon als der letzte Trost gelten muss.
Das Leben ist kein Ponyhof und wird auch keiner, aber für all jene, die den Fortgang vom Kind zum mündigen Menschen mit all seinen Unbillen und Herausforderungen – die Anstrengung der Bildung zum mündigen Menschen, die Erfahrung der Liebe und gegebenenfalls ihre Enttäuschung samt der folgenden Rekonvaleszenz – selbstbewusst gegangen sind oder noch gehen wollen, ist das nicht weiter tragisch. Hinter dem Ponyhof liegt der Strand, der Wald, die Stadt, die Kunst, die Musik, die Aufklärung. Sie – und ihre politische Konsequenz, die befreite Gesellschaft – und nicht Pferdeäpfel oder Heimatschutz sind das Ziel materialistischer Kritik.

[1] http://www.liveleak.com/view?i=d04_1240858834
[2] http://www.youtube.com/watch?v=CHtbAPlFA0k
[3] http://tfa.blogsport.de/2008/11/29/tempelhof-fuer-alle-rede-mietenstopp-demo/
[4] Karl Marx/ Friedrich Engels – Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band1. Berlin/DDR. 1976. S.380
[5] http://tfa.blogsport.de/2008/11/29/tempelhof-fuer-alle-rede-mietenstopp-demo/
[6] ebd.
[7] Karl Marx/ Friedrich Engels – Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band1. Berlin/DDR. 1976. S.380


22 Antworten auf “Gemeinschaft statt Gesellschaft – Tempelhof für Deutsche!”


  1. 1 jaja 06. Juni 2009 um 20:07 Uhr

    oh jemine hier entlarvt sich aber der übelste verschwörungstheoretiker…
    wie man sich solche zusammenhänge herbei konstruieren kann ist mir unverständlich

  2. 2 anti 06. Juni 2009 um 20:09 Uhr

    Weißt du, was eine Verschwörung ist?
    Weißt du, was eine Verschwörungstheorie ist?

    Wenn du beide Fragen mit ja beantwortet hast:
    Wo ist in obigem Artikel a) eine Verschwörungstheorie und b) welche Verschwörung von wem mit wem wird unterstellt?

  3. 3 Ökomarxistin 06. Juni 2009 um 21:15 Uhr

    Zum Artikel/Autor_in:

    1. Nicht alles so ernst nehmen! Ist eben auch nur eine weitesgehend von Mittelklasse-Kids Aufstandsprobe. Weder Weltuntergang noch Revolution werden folgen.

    2. Genau hinschaun: an Tempelhof ist das eigentlich interessante ja, dass es eben nicht die klassische autonome Szene ist, die das moobilisiert, sondern Schüler_innen, Spätis und Hedonist_innen gemeinsam die Aktion planen. Deine Szenekritik (die recht verbittert wirkt) ist hier wohl nicht so perfekt angelegt. Ein bisschen im Internet surfen ist nicht der Weisheit letzter Schluss, „Anti“!

    3. Der/die Autor_in konstruiert hier eine Wildschwein-Szene her, die nichts als Primitivismus im Kopf hat und keinen Plan von Genuss und Errungenschaften des Kapitalismus hat. Da sollte der/die Autor_in aber wohl zuerst in den Spiegel schauen. Denn: das ganze ist eben hauptsächlich ne zu genießende Aktion mit gemeinschaftlichem Regelbruch.

    4. „Anti“ betreibt eine Fehlanalyse, tappt vor lauter „Anti“-Ideologie leider im Dunkeln. Die stadtpolitischen Diskurse in Berlin, zu denen die Aktion einen Beitrag geben wird, sind andere als die von „Anti“ dargestellten. Uns sie bewegen sich auch in andere Richtungen als „Anti“ das darstellt. Es geht nämlich tatsächlich um soziale Verdrängung, die in diesem Fall eingebettet ist in geographische Phänomene (wo wohnen ärmere Bevölkerungsschichten, etcpp).

    5. Es gibt viel zu kritisieren an der Tempelhofaktion. Aber wohl doch andere Dinge als die von „Anti“ herbeikonstruierten. Dessen Wahrnehmung erscheint hoch selektiv, was zwar als Methode unter Umständen auch fruchtbar sein könnte (antideutsches Abklopfen der Zustände wird immer nötig sein), in diesem BEitrag aber redlich misslingt.

    6. Auf eine bessere nächste Runde!? Aber dafür müsste vielleicht auch mal rausgegangen werden, weg vom Computer. Mach das doch mal! JVon mir bekommst du dann: eine zweite Chance, „Anti“!

  4. 4 anti 07. Juni 2009 um 1:49 Uhr

    *schmunzel* Ziemlich interessant, dass du glaubst, ich würde die Berliner Szene nur vom Computer her kennen. Du erlaubst doch aber, dass ich es mir erspare, dir hier eine genaue Auflistung dessen zu geben, was ich tue?
    Mir ist durchaus klar, dass die meisten der Leute die daran teilnehmen werden – und ich schließe da die Organisator_Innen ausdrücklich mit ein – a) reflektierter sind als das und b) sympathischer als das.
    Einzig: Wie dann ein solcher Text unwidersprochen gehalten werden kann, überhaupt, wie die ganze Mobilisierung – siehe Videos usw.usf. so laufen kann, ohne dass jemand die Fresse aufreißt, das lässt nur einen einzigen Schluss zu.
    Dass man derart viel mit der Bevölkerung liebäugelt, dass man bereit ist SÄMTLICHE Positionen zugunsten dieses oder jenes Populismus fahren zu lassen, wenn es den kurzzeitigen Erfolg zu versprechen scheint. Und das ist die großzügige Auslegung, angesichts so unsäglicher Punkte wie „Arbeit zuerst für die, die da wohnen“. Aber gut, wer a) Marxistin ist und dann b) auch noch Öko, steckt sich vermutlich eh seine Gesellschaftskritik im Baukastensystem zusammen.

    „Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den sozialen Missständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen Gesellschaft zu sichern. Es gehören hierher: Philanthropen, Humanitäre, Verbesserer der Lage der arbeitenden Klassen, Wohltätigkeitsorganisierer, Abschaffer der Tierquälerei; Mäßigkeitsvereinstifter, Winkelreformer der buntscheckigsten Art…“

    Weiterhin:
    Nehmen wir an, deine Behauptung stimmt:
    „Die stadtpolitischen Diskurse in Berlin, zu denen die Aktion einen Beitrag geben wird, sind andere als die von „Anti“ dargestellten.“
    Du tust grade so, als hätte ICH mir den Text aus den Fingern gesaugt. Der stammt aber nunmal – leider – nicht von mir zugunsten des Strohmannargumentaufbaus, sondern von TFA.

    „1. Nicht alles so ernst nehmen! Ist eben auch nur eine weitesgehend von Mittelklasse-Kids Aufstandsprobe. Weder Weltuntergang noch Revolution werden folgen.“

    Stimmt.
    Im Grunde könnte man natürlich einfach die Fresse halten und die Leute machen lassen. Nur, das hieße „die radikale Linke“ völlig aufgeben, und so verbittert wie du mir unterstellst, bin ich anscheinend noch lange nicht.
    Hätte ich nicht die Hoffnung, dass die Leute noch im Grunde das richtige wollen, ich müsste mich ja gar nicht damit abgeben auszubuchstabieren, dass sie DANN das völlig falsche fordern.
    Deine Methode ist da natürlich umgekehrt: Du unterstellst ihnen, dass sie eigentlich gar kein Interesse mehr an Emanzipation haben, sondern nur Mittelstandskids sind die den Aufstand proben – mithin also, dass kein einziger da auch nur der Kritik wert wäre.
    Meine Position mag zwar die vehementere sein, aber – mit Verlaub – die arrogantere Haltung gegenüber den Menschen hast du. Ich unterstelle schlicht, dass sie das was sie fordern eigentlich gar nicht wollen können – sich also massiv irren. Mit der bescheidenen, aber offensichtlich vorhandene Resthoffnung, dass sie dann eben doch irgendwann das richtige tun.
    Dir ist das Scheißegal, du hältst einfach noch den größten Müll der fabriziert wird für einen sinnvollen Eingriff in – welchen Diskurs auch immer.
    Das Wort mit den Wildschweinen ist ansonsten von Marx, der Begriff der „zusammenrottung“ aus dem Video. Wer sich ansonsten nicht mehr anders vergnügen kann, als sich sein Strafregister zu verlängern und von Bullen auf die Fresse zu bekommen – der gemeinschaftliche Regelbruch,ist das schön – , dem sei das sicherlich gegönnt, du kannst das ja auch als brave Bewegungslinke mit antideutschem Anstrich für ganz hip und aufregend halten, ich verbringe dann aber doch lieber einen gemütlichen Abend mit Wein mit den Menschen die mir etwas bedeuten.

  5. 5 v 07. Juni 2009 um 12:12 Uhr

    Mist. Gleich trifft sich mein online-Lesekreis und ich muß dafür noch den obligatorischen Wein und die Gurkenmaske besorgen ;)

  6. 6 anti 07. Juni 2009 um 12:22 Uhr

    Und das an einem Sonntag. Aber viel Glück dabei. ;)

  7. 7 Ökomarxistin 07. Juni 2009 um 14:33 Uhr

    1. „Aber gut, wer a) Marxistin ist und dann b) auch noch Öko, steckt sich vermutlich eh seine Gesellschaftskritik im Baukastensystem zusammen.“
    Huihuihui! Das ist aber eine unfeine voruteilsreiche Analyse meines recht zufällig gewählten Pseudonyms. Fein zu sehen, was hier für Diskussionstechniken verwendet werden: von einem Menschen, der es natürlich besser weiß. Aber „ein bisschen Spaß muss sein“, hat mal ein bekannter deutscher Schlagersänger geträllert. Warum also nicht?

    2. zu den stadtpolitischen Diskursen:
    Damit meine ich ja nun nicht die von „der Szene“ (und dazugehörigen Einzelpersonen) selbst fabrizierten allein, sondern die u. a. durch diese entfachten (vielleicht auch den von „Anti“?).
    Es gibt zum Beispiel einen stadtpolitischen Diskurs über Verdrängung aus innerstädtischen Bereichen, der mit Gentrifizierung benannt wird. Nun ist dieser Begriff und eine damit beschriftete Kampagne natürlich diversen Risiken ausgesetzt (die „Anti“ hier ein wenig verzerrt in den Raum stellt). Wenn ich mir aber den in der bürgerlichen Presse entstandenen Rahmen der Diskussion zu diesem Thema anschaue, ist fast ausschließlich von „soziale Ausgrenzung“ die Rede. Es wird, zwar in bürgerlicher Manier, über Widersprüche des Kapitalismus geschrieben, deren Ursachen in der marktförmigen Organisation von Wohnen bestehen. Zwar werden auch ab und an „gierige umherschweifende Investor_innen“ als politisches Problem benannt. Dieser Diskurs bleibt aber (qualitativ und quantitativ) deutlich hinter struktureller Kritik an den Rahmenbedingungen von Stadtpolitik zurück. Das, worum gerungen wird, ist vielmehr „Das Right to the City“, das „alles für Alle“. Selbst, wenn diese Forderung von einer marginalisierten Szene kommt, so bleibt diese forderung eine emanzipatorische (inklusive Riskiken und Nebenwirkungen).
    Damit ist das, was „die Szene“ stimuliert, eben garnicht so schlecht, sondern ein Raum, in dem einiges an Handeln möglich wird.

    3. Der geprobte Austand.
    Er ist nicht zu unterschätzen. Wer schon einmal erlebt hat (ob persönlich oder in historischer Reflektion), was passieren kann, wenn nicht ab und an ein wenig Rebellion geübt wird, weiß, wie wichtig es ist, antagonistisches Denken eben auch durch öffentliche Aktivität greifbar zu machen, die Rebellion zu pflegen. Gerade weil die staatsgegebene Ordnung expansiv angelegt ist, braucht es eine Kultur, die dem mindestens symbolisch und regelmäßig Einhalt gebietet.

    4. Zur Geschmacksfrage und Kulturkritik. Welches Bier ich trinke, obs Whiskey oder Wein sind, hängt neben meinen Leberwerten auch von meinem Geldbeutel ab. Die „linke Szene“ widmet sich diesem materiellem Widerspruch, in dem in deren Räume Konsum nicht ganz so schnell am Geldbeutel scheitert. Ob die ständige Bier-, Wein- und „Anti“: auch die Soli-Cockteil-Sauferei den Köpfen der Leuten immer gut tut, bezweifle ich freilich manchmal. Lust oder Konsum-Feindlichkeit würde ich „der Szene“ aber nicht vorwerfen. Und wenn ein Punk sein Sterni so gerne hat wie du deinen Wein, what’s the problem? Ist es vielleicht die Selbststilierung als „Anti“ und nicht der Punk?
    Desweiteren: wir leben in einer Welt mit einer Kulturindustrie, innerhalb derer auch viele der herschenden Techniken vermittelt werden. Wer innerhalb einer solchen Struktur etwas „anderes, äußeres“ sucht, wird zwangsläufig eine Gegen- oder Subkultur etablieren. Ein postmoderner Sachzwang sozusagen: im Ringen um kritische Deutungsmacht kommen Leute zusammen, die ähnlich fühlen und Denken und schwuppdiwupp: schon hast du eine Szene – mit oder ohne Subszenen.
    Und wie das sich mit Kultur eben so verhält, gehören dazu alle möglichen Nuancen. Insgesamt finde ich den Kapuzi-Style mit den Antifa-Buttons und gepflegter Punker-Kleinkunst-Attitüde recht ungefährlich. Zudem gibts ja, mindestens in Berlin, auch noch allerhand darüber hinaus, eine gute Auswahl auch für wählerische Bürgerkids. Was ist also genau dein Problem, außer, dass du deinem angelernten Habitus nicht zugunsten eines Szene-Verhaltens aufgeben willst?

    5. „Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den sozialen Missständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen Gesellschaft zu sichern. Es gehören hierher: Philanthropen, Humanitäre, Verbesserer der Lage der arbeitenden Klassen, Wohltätigkeitsorganisierer, Abschaffer der Tierquälerei; Mäßigkeitsvereinstifter, Winkelreformer der buntscheckigsten Art…“
    Schön, ich will ergänzen. Ebenfalls gehören dazu: Weintrinkende Intellektuelle, die eine Kritik inzenieren, die, da sie keine Handlungsperspektive (außer Verhinderungskampagnen) mehr ausmachen kann, das Wort Emanzipation ad acta legt.
    Es gibt übrigens ein weit verbreitetes Vorurteil über die Deutschen (z. B. von Hans-Olaf Henkel, ehemaliger BDI-Boss, der zeitlebens den deutschen Kapitalismus revolutionieren will): sie meckern angeblich dauernd, delegieren das verändernde Handeln aber sofort wieder weg, an den Staat, die Gewerkschaftsbosse, usw. Henkel fordert mehr autonome Neoliberale statt motzender Kleinbürger_innen. Da stimme ich ihm nicht zu, doch die blökende Schafsherde mag ich auch nicht. Deshalb meine Frage: ist „Anti“ und dessen sozio-kulturelle Klasse auch Teil der deutschen Herde?

    6. Wie wir sehen, können wir alles hin und her und gegen uns selbst wenden. „Anti“ wird bald zum Gegenschlag ausholen und sicher auch treffen, da ich den Beitrag noch nicht mit Festungsmauern versehen habe (keine Zeit für solche Spielerei).

  8. 8 anti 07. Juni 2009 um 14:58 Uhr

    „Huihuihui! Das ist aber eine unfeine voruteilsreiche Analyse meines recht zufällig gewählten Pseudonyms. Fein zu sehen, was hier für Diskussionstechniken verwendet werden: von einem Menschen, der es natürlich besser weiß. Aber „ein bisschen Spaß muss sein“, hat mal ein bekannter deutscher Schlagersänger geträllert. Warum also nicht?“

    Ich nahm dich jetzt einfach mal beim Wort und glaubte es.
    Das mag falsch gewesen sein, aber die Ökomarxisten und Marxistinnen gibt es ja wirklich. Wenn du dich nicht dazuzählst, darfst du den Einwand natürlich ad acta legen.

    „Dieser Diskurs bleibt aber (qualitativ und quantitativ) deutlich hinter struktureller Kritik an den Rahmenbedingungen von Stadtpolitik zurück.“

    Wenn dem wirklich der Fall wäre, fände ich das toll. Aber ich sehe das offen gestanden nicht so – das immer wieder auftauchende Schlagwort der Neoliberalisierung (statt Kapitalismus) beschreibt das Dilemma ganz gut.

    „3. Der geprobte Austand.
    Er ist nicht zu unterschätzen. Wer schon einmal erlebt hat (ob persönlich oder in historischer Reflektion), was passieren kann, wenn nicht ab und an ein wenig Rebellion geübt wird, weiß, wie wichtig es ist, antagonistisches Denken eben auch durch öffentliche Aktivität greifbar zu machen, die Rebellion zu pflegen. Gerade weil die staatsgegebene Ordnung expansiv angelegt ist, braucht es eine Kultur, die dem mindestens symbolisch und regelmäßig Einhalt gebietet.“

    Nur kurz dazu – wie überhaupt der Beitrag kurz ausfallen muss, weil ich gleich los muss – ich halte es für verdammt gefährlich, wie du hier jedes symbolische Zusammenrotten für emanzipatorisch erklärst.

    „Lust oder Konsum-Feindlichkeit würde ich „der Szene“ aber nicht vorwerfen. Und wenn ein Punk sein Sterni so gerne hat wie du deinen Wein, what’s the problem? Ist es vielleicht die Selbststilierung als „Anti“ und nicht der Punk?“

    Das wäre gar kein Problem, wenn nicht der Wein zum Problem gemacht würde. Gar keine Frage – die Konsumhaltung ist zweifelsohne da. Und im Vertrauen – ich mag Cocktails mit veganer Sahne, zum Beispiel im Bethanien, die sind da sehr gut, wenn du da dein Geld mal lassen willst – und halte Sterni und Astra für die leckersten Biere überhaupt. Du verwechselst die Polemik mit der Person.
    Dass die Polemik Anti ist – versteht sich. Dass ich es bin – davon ist nicht auszugehen, schließlich habe ich eine körperliche Repräsentanz in der realen Welt, die sich den Sachzwängen eben beugen muss. Wie zum Beispiel dem, dass ich den Wein, den ich gerne trinken würde, mir zu großen Teilen nicht leisten kann.

    „Desweiteren: wir leben in einer Welt mit einer Kulturindustrie, innerhalb derer auch viele der herschenden Techniken vermittelt werden. Wer innerhalb einer solchen Struktur etwas „anderes, äußeres“ sucht, wird zwangsläufig eine Gegen- oder Subkultur etablieren. Ein postmoderner Sachzwang sozusagen: im Ringen um kritische Deutungsmacht kommen Leute zusammen, die ähnlich fühlen und Denken und schwuppdiwupp: schon hast du eine Szene – mit oder ohne Subszenen.“
    Vollkommen korrekte Analyse. Deswegen die Kritik an dieser Entwicklung zu suspendieren halte ich aber für eine vollkommen unsinnige Schlussfolgerung.

    „Insgesamt finde ich den Kapuzi-Style mit den Antifa-Buttons und gepflegter Punker-Kleinkunst-Attitüde recht ungefährlich.“
    Als Antwort darauf einfach ein Foto von mir… http://i44.tinypic.com/9psxv5.jpg
    Ja, halte ich sowohl für ungefährlich, wie auch für unproblematisch, solange man dann trotzdem das nicht zur Norm erheben will.

    „Was ist also genau dein Problem, außer, dass du deinem angelernten Habitus nicht zugunsten eines Szene-Verhaltens aufgeben willst?“
    Mein angelernter Habitus IST ein Szeneverhalten. Ich bin sogar peinlicherweise in den Tempelhofmobivideos mehrfach zu sehen. Die „Bürgerskind“polemik, die sicherlich de facto korrekt ist, trifft also mich so wenig wie den Antifaproll von nebenan.

    „Schön, ich will ergänzen. Ebenfalls gehören dazu: Weintrinkende Intellektuelle, die eine Kritik inzenieren, die, da sie keine Handlungsperspektive (außer Verhinderungskampagnen) mehr ausmachen kann, das Wort Emanzipation ad acta legt.“
    Die Handlungsperspektive gerade IST Kritik.
    Meine soziokulturelle Klasse ist übrigens am ehesten immer noch die linke Szene, auch wenn man mir das nicht anmerkt. :) Und ja – natürlich. Daher ist eine Kritik an mir ebenso angebracht wie notwendig. Ich lade denke ich auch nicht zur Identifikation ein.

    6. Wie wir sehen, können wir alles hin und her und gegen uns selbst wenden. „Anti“ wird bald zum Gegenschlag ausholen und sicher auch treffen, da ich den Beitrag noch nicht mit Festungsmauern versehen habe (keine Zeit für solche Spielerei).

    Genau. Man kann noch streiten. Wenn meine Position scheiße ist, dann MUSS mir das gesagt werden. Aber bisher geht die Kritik ziemlich ins Leere habe ich das Gefühl.

  9. 9 TypAmPC 07. Juni 2009 um 18:16 Uhr

    Mal eine OT Frage an dich anti(wische es weg, wenn dich innerhlab der Diskussion stört):
    Woran liegt es, dass du in diesem Artikel und ich glaube auch 1-2 davor nicht mehr genderst oder bloß noch bisweilen?
    Hat das irgendeinen Sinn oder ist es bloß Unachtsamkeit(die ich mir bei dir während des Schreibens irgendwie nicht vorstellen kann)?

  10. 10 TypAmPC 07. Juni 2009 um 18:19 Uhr

    Mal eine OT Frage, anti:
    Warum genderst du in diesem Artikel und auch in dem davor eigentlich nicht mehr?
    Ich frage mich bloß, ob das irgendeinen tieferen Sinn hat. :)

  11. 11 anti 07. Juni 2009 um 18:35 Uhr

    Kann sein, dass ich da grade betriebsblind bin, aber in dem Artikel ist im Großen und Ganzen gegendert, was nicht gegendert wurde ist einmal „Aktivist“ und einmal „Prenzlbergerianer“, da es aber da darum ging ein Ressentiment abzuladen, das sich auf eine abstrakte Person jeweils bezieht, dachte ich, das sei nicht zwingend notwendig und würde eher in der Polemik den Lesefluss stören. Kommunisten und Kommunistinnen bzw. Juden und Jüdinnen usw. sind ja gegendert… und im Artikel davor ist – wenn ich das richtig sehe – durchgängig gegenderte Schreibweise, oder?
    Wenn nicht, dann bitte nochmal hier rein posten wo nicht… das war dann wirklich Unachtsamkeit und mea culpa. :)

  12. 12 Ökomarxistin 07. Juni 2009 um 18:46 Uhr

    1. Zu deinem letzten Absatz:
    „Genau. Man kann noch streiten. Wenn meine Position scheiße ist, dann MUSS mir das gesagt werden. Aber bisher geht die Kritik ziemlich ins Leere habe ich das Gefühl.“

    A. Wer redet denn hier von „scheiße“? Ich seh ja die Richtung deiner Kritik ein, nicht aber die Konsequenz, weil so aus Kritik Polemik und aus Polemik schlechte Polemik wird. Mit einer solchen isoliert sich „Anti“ und dessen gutes Anliegen geht verloren.

    B. Wo ist denn die Leere in deinen letzten beiden Kommentaren? Sind doch recht – voll!

    2. Dnd das hier:
    „ich halte es für verdammt gefährlich, wie du hier jedes symbolische Zusammenrotten für emanzipatorisch erklärst. “

    A. Der Teil, wo die Frau in dem Video von Zusammenrottung redet, stammt aus einem Spiegel TV Online Beitrag zur Gentrifizierung. In jenem Beitrag war ihr Auftritt vor allem witzig. Ich selbst sehe das Verwenden dieses Videos als ein Aufgreifen der unfreiwilligen Komik (und so sehen das im Prinzip alle, die ich dazu gefragt hatte). Wenn du das nicht witzig finden kannst und es im Gegenteil etwas zuuuuu Ernst nimmst (und die Position der Waagschale erschrocken anstarrst) – ok, hängt auch von der komischen Tagesform ab.

    B. Das glaubst du doch wohl selbst nicht, dass ich jeden Mob gleich toll finde. Stattdessen hast du tatsächlich in deiner „Anti“-Identität und Selbstinszenierung nach einem Angriffspunkt gesucht und ihn (herzlichen Glückwunsch!) gefunden. Da hättest du auch früher aufbrechen können statt hier Punkte zu sammeln.
    Aber, weil das Fass nun eben geöffnet ist, muss ich wohl trotzdem noch was zum „symbolischen Zusammenrotten“ sagen: in Deutschland formieren sich ständig irgendwelche Riesenmobs, ob auf dem Karneval der Kulturen, 60 Jahren BRD (jeweils ca. 700000 Menschen), einer Fußball-WM oder dem Oktoberfest. Kleineres „Erleben von Masse“ gibts auf etlichen Partys und wenigen Demos/Politaktionen. Leider gibts dann auch noch etliche Fascho-Actions, sodass recht wenige Events übrigbleiben, die wir irgendwie als „potentiell emanzipatorisch“ einstufen können: vielleicht auch nur, weil sie es versuchen. Gerade weil dies so ist – der marginalisierte Zustand „versuchend“ emanzipatorischer Bewegungen – finde ich erstmal (recht pauschal) die Initiativen unterstützenswert, die z. B. gegen Unterdrückungs- und Herrschaftsverhältnisse mobil machen und dabei deren Ursachen nicht nationalistisch, antisemitisch oder sozialdarwinistisch herleiten. Und da kenne ich die berliner Szene zu gut, um ihr nicht ernsthaft zu misstrauen, dass es bei „dieser Zusammenrottung“ mehr um die kapitalistische Ordnung in der Stadt geht als um andere Fragen wie Lokalpatriotismus, Modernisierungsreflexe, usw.
    Kurzum: bei „Zusammenrottungen“ geht es letztlich um Stichworte, die sie versuchen zu setzen. Bei Tempelhof bin ich überzeugt, dass die positiven samt den neu entstehenden Diskursen, die negativen überwiegen.

    3. zu deiner Kartoffel-Anbau-Kritik.
    Dass Leute gerne gärtnern, sich in der Natur aufhalten, usw. sollte hier nicht überpolitisiert werden. Als wenn die Leute in erster Linie eine ökonomische Alternative in der Subsistenz sähen.
    Da verstehst du einige Dinge nicht so recht. Denn es ist eben, das mussten Marxist_innen weltweit in den letzten hundertfünzig Jahren lernen, nicht alles dem Hauptwiderpruch Kapitalismus und dessen materialistischer Logik unterzuordnen. Vielen Menschen ist es schlicht ein Bedürfnis, sich in der Natur zu betätigen, ohne dass sie damit materielle Gewinne (Ernte) als maßgebendes Bedürfnis vor-anstellen. Dem Aufgreifen eines Bedürfnisses, welches am Ende wenig negatives Potential mit sich bringt (im Gegenteil: interkulturelle Gärten haben mitsamt ihrer Bürgerlichkeit oft hervorragende antirassistische Nebeneffekte), ist erst einmal wenig entgegenzusetzen. Einem vorhandenen Bedürfnis (was hier nicht essentialistisch fehlverstanden werden soll) kapitalistische Verwertungslogik von Stadt als einen Widerspruch zu diesem entgegenzustellen, ist ebenso nicht verkehrt. Es ist zwar nicht die große Revolution, aber die kommt ohnehin nur durch revolutionäres Bewusstsein. Genau jenes kann sich an lebensnahen Widersprüchen entwickeln. Und wenn das Wort revolutionär wegen dessen erlöserisch-religiösen Gehalt nicht gefällt, tauschen wir es mit emanzipatorisch aus.
    Aber gehen wir Mal einen Schritt zurück. Denn schon vorher (vor einer interveierenden Initiative) haben Menschen ja irgendein geartetes Bewusstsein und bewegen sich in „den Widersprüchen“, beurteilen sie also auch. Von daher macht es Sinn sich die Frage zu stellen, was die Menschen für Schlussfolgerungen (aus ihrer prekären Wohnsituation) ziehen würden, wenn es diese Kampagne „Tempelhof für alle“ mitsamt der Garten-Forderung nicht gäbe?
    Nochmal anders gewendet: ich mag (wie du) edlen leider teuren Wein, aber auch Gärtnern. Fehlt dir in der Kampagne die Erwähnung des leckeren Tropfens, den wir alle wollen müssen sollen oder ist das „Bedürfnis Gärtnern“ irgendwie in dessen Essenz antiemanzipatorisch? Deiner Ansicht nach?

    4. Zuletzt erinnere ich an die Titelseite der Konkret-50-Jahre-Jubiläumsausgabe: „Fehler über Fehler“. So war es und so wird es sein. Nur wenn wir aufhören etwas ganz anderes zu versuchen, hören die Fehler auf. Und das kann jeder Mensch für sich entscheiden, ob sie oder er die Fehler, die geschehen können, mit sich selbst vereinbaren kann. Ich selbst bin froh, dass ein neuer aktivistischer Schwung eine Kampagne mit Haken und Ösen auf die Beine stellt und damit Raum für nette Diskussionen, gute Bilder und kollektive Gegenmacht schafft, die sich – immerhin – emanzipatorischen Vokabulars bedient.

    5. Um an jenen Punkt anzuschließen: gesellschaftliche Veränderung ist immer ein riskantes Spiel. Jede versuchte Revolution hatte eine versuchte und meist gelungene Konterrevolution zur Folge, die verheerender war, als das vorrevolutionäre Elend. Dem „Trotzdem-Rebellieren“ entgegen stehen die Konservativen, die eine fehlerlose Welt suchen, in der alle Hecken immer ansehnlich geschnitten sind. Eine funktionierende Schafsherde, die zwar blökt, aber nicht um zu verändern, sondern des Blökens halber. Nun können wir diese Konservativen auch als stinknormale Deutsche Spießer benennen, die sie sind. Meine Frage in meinem letzten Kommentar war an „Anti“ gerichtet, wo er sich, im Verhältnis zu dieser weißen Schafsherde sieht? Where are you or: where do you think you are?

  13. 13 anti 07. Juni 2009 um 19:03 Uhr

    Ich gehe mal nicht auf das ständige Gejammere über „schlechte Polemik“ ein, denn du hast noch nicht ein einziges Mal begründet, WARUM das schlechte Polemik sein soll, aber es ist ja schön, wenn man die Rancune dann abtragen kann.
    Da hat jemand seinen Leitfaden für linke Multiplikatoren brav auswendig gelernt.

    „7. Geben Sie den Zuhörern auf Ihren Agitationsveranstaltungen immer das Gefühl, genau wie Sie etwas ganz Besonderes zu sein! Reden Sie viel von der existenziellen Einsamkeit des linken Kritikers im Text, verweisen Sie auf das harte Brot linker Theorie, das Sie jahraus jahrein kauen müssen, und verdeutlichen Sie Ihren Zuhörern die positiven Seiten dieser asketisch-abstrakten Nahrung. Um die Stimmung bei Ihren Zuhörern über so viel Entsagungsleistung nicht kippen zu lassen, vergessen Sie jedoch nicht, die dialektische Kehre zu vollziehen: Geißeln Sie umgekehrt die schärfsten Kritiker Ihrer Klientel dafür, mit ihrer opportunistischen Kritik lediglich etwas Besonderes sein zu wollen. So entwerten Sie deren Kritik und verschaffen Ihren Zuhörern gleichzeitig das Gefühl kollektiver Geborgenheit vor der Selbstsucht dieser Kritiker. Verurteilen Sie deren gemeinschaftsschädlichen Absonderungskult und akzentuieren Sie dadurch erneut die Besonderheit Ihrer eigenen Agitationsbemühungen. So macht Dialektik Spaß!“

    Ansonsten sei dir natürlich zu deiner wundervollen Integration in die vertrauenswürdige Berliner Szene gratuliert, dass du dann genau weißt, dass sie obwohl sie Lokalpatriotismus und strukturellen Antisemitismus predigen, ganz klar das richtige meinen. :)
    Wir wollen ja alle das gleiche, wieso reden und diskutieren wir überhaupt noch?
    Wir müssen uns ja nur noch endlich mal zusammenrotten.
    Ja, so macht das Szeneleben Spaß. :D

    „Nochmal anders gewendet: ich mag (wie du) edlen leider teuren Wein, aber auch Gärtnern. Fehlt dir in der Kampagne die Erwähnung des leckeren Tropfens, den wir alle wollen müssen sollen oder ist das „Bedürfnis Gärtnern“ irgendwie in dessen Essenz antiemanzipatorisch? Deiner Ansicht nach?“

    Wer Kartoffelanbau, Lagerfeuer und mit Tieren kuscheln als gesellschaftliche Utopie ausformuliert – das ist antiemanzipatorisch und regressiv bis zum Anschlag.
    Was nun ja mitnichten heißt, dass in der befreiten Gesellschaft kein Kartoffelanbau stattfinden soll, das ist mir relativ geschissen.
    Ansonsten: Würde dieser ganze Nonsense als das formuliert was es ist: Nämlich Partialinteresse der Linken oder meinetwegen auch der Hobbygärtner… wäre dagegen ja gar nichts einzuwenden.
    Die Kampagne heißt aber eben „Tempelhof für alle“ und geriert sich Kapitalismuskritisch und revolutionär. Sie ist weder das eine, noch das andere.
    Die Texte, weshalb revolutionärer Antifaschismus abzulehnen ist, kannst du dir bitte selbst raussuchen, ich bin gerade zu faul dazu.

    „4. Zuletzt erinnere ich an die Titelseite der Konkret-50-Jahre-Jubiläumsausgabe: „Fehler über Fehler“. So war es und so wird es sein. Nur wenn wir aufhören etwas ganz anderes zu versuchen, hören die Fehler auf. Und das kann jeder Mensch für sich entscheiden, ob sie oder er die Fehler, die geschehen können, mit sich selbst vereinbaren kann. Ich selbst bin froh, dass ein neuer aktivistischer Schwung eine Kampagne mit Haken und Ösen auf die Beine stellt und damit Raum für nette Diskussionen, gute Bilder und kollektive Gegenmacht schafft, die sich – immerhin – emanzipatorischen Vokabulars bedient.“

    Jo, es geht ja um den Diskurs, der sich auf andere Diskurse bezieht. Gut, dass du nur Marxistin und keine Materialistin bist, sonst wärst du noch dazu gezwungen, dich damit auseinanderzusetzen, dass hinter einem Vokabular auch ein Inhalt steht.
    So reicht es natürlich zu schwafeln, zu schwafeln und nochmal zu schwafeln, solange man das richtige schwadroniert.

    Und letztlich, dann direkt anschließend daran:
    „Where are you or: where do you think you are? “
    Nicht auf deiner Seite, wo die Schwadroniererei ausreicht um die Revolution herbeizuschwafeln und erst recht nicht bei denen, die die Menschheit als Schafherde begreifen wollen, die sie mit ihrer Weisheit beglücken müssen – sondern bei jenen, die eine Position haben – nämlich die, dass die Revolution notwendig ist, und bei denen, die sie versuchen umzusetzen. Das heißt grade, kritisieren, dass man statt die Revolution zu machen – also die Weltrevolution gegen Deutschland – lieber Kartoffeln pflanzen geht.
    Für Ökomarxistinnen reicht das vielleicht – für Materialisten und Materialistinnen nicht.

  14. 14 Ökomarxistin 07. Juni 2009 um 20:33 Uhr

    Nun wird die Stimmung zunehmend aggressiv plus arrogant, was eigentlich nicht meine Intention war. Zum zweiten scheint es auf einen Zweier-Dialog hinauszulaufen, für den mir meine Zeit zu schade ist. Eine letzte Runde darfs aber sein, denn nun sind wir ja in der Niveaulosigkeit angekommen. Nice job!

    Schade, dass „Anti“ tatsächlich meint mit Labeling a la „du Marxistin, du Öko und ich geile_r Materialist_in“ irgendeinem emanzipatorischem Diskurs zu dienen. Es klingt tatsächlich eher nach Frustabbau durch Tastaturbekloppen.

    „Antis“ Diskussionsstrategie, die einen erschreckenden Selbstbehauptungsdrang offenbart, halte ich für wenig zielführend; sie/er meint, die Revolution zu wollen und mit denen zu sein, „die sie versuchen umzusetzen“ –
    das ist ihr oder ihm mit mir redlich misslungen, obwohl ich trotz der Labeling-Experimente den Grundtenor Kritikform des Blgs teile. „Anti“ scheint zu übersehen, dass die Revolution nicht alleine machen gemacht werden kann.
    Ich jedenfalls werde aussteigen aus einer Diskussion mit einem Menschen, der nichts besseres zu tun hat als einem die Worte im Mund umzudrehen (mit der Schafherde war Deutschtümelei im Sinne von Hans O. Henkel gemeint, der sich aus einem Pseudonym eine Persönlichkeit konstruiert, etc), der oder die nicht verstehen will, was andere meinen und dem es am Ende mehr um sich selbst und die Verteidigung des eigenen Wortes geht (wo bleibt da der „Anti“) als um gesellschaftliche Verbesserung.

    Ok, vielleicht schreibe ich auch zu unpräzise: es ging mir nicht um eine objektive Bewertung von Hobbygärtnerei, sondern um eine Gesellschaft, die ihre Ressourcen und Potentiale nachhaltig zur Bedürfnissbefriedigung der Menschen einsetzt. Der Kapitalismus und dessen sachzwanghafte Stadtpolitik stehen in diesem Fall den Bedürfnissen von Menschen entgegen, die Gärtnern wollen, da sich aus den Flächen kapitalistischer Profit machen lässt, was der Nationalstaat als ideeller Gesamtkapitalist einer andersartigen Nutzung vorzieht. Wenn „Anti“ meinen Kommentar dahingehend gelesen hätte, würde sie oder er meinen Punkt besser verstehen. Es geht darum die „andere Gesellschaft“ (die es so nicht gibt) gegen das aktuelle System zu stellen, wenn auch nur hypothetisch.
    Was nach der Revolution dann die richtigen Bedürfnisse der Menschen sind, überlässt „Anti“ hoffentlich ihnen (solange sie keine neuen -ismen fördern).

    Schlussendlich kann dem/der Blogger_in gewünscht werden, dass sie oder er nette Träume von der Revolution hat und gute Poesie, köstlichen Wein und weiteres bürgerlich Angenehmes im Leben findet. Am besten bis zum wortwörtlichen Umfallen. So haben es genügend selbstgenügende „Antis“ vorgemacht und sie konnten glücklich genannt werden. Der ganze Scheiß geht dann „draußen“ weiter, aber „Anti“ hat keine Fehler gemacht. Sie oder er blieb Träumer_in und war für was Besseres bis zum Ende, hat die Notwendigkeit einer Revolution nie geleugnet, aber auch nie eine versucht, war vielleicht kurz Jugendrebell und hat dann aufgehört.
    Tausendmal erlebt: Revolution als Erlösungsmoment, bis dahin ist so oder so alles nur Elend. So rechtfertigt sich die oder der bürgerliche Intellektuelle, weil sie noch nicht gemerkt haben, dass sie längst an der Spitze der Gesellschaft stehen – ausgestattet mit reichlich sozialem und kulturellem Kapital, weißer Hautfarbe und deutschem Pass – und sich da eigentlich auch ganz wohl fühlen.

    Weil hier aber Schwadronieren verboten ist und ich persönliches Anpissen nicht so sehr genieße, steig ich aus und komm auch nicht wieder. Es sei mir verziehen, dass meine Beiträge die Blog-Qualität gelindert haben.
    Prost und Rülps.

  15. 15 Wendy 08. Juni 2009 um 1:52 Uhr

    Also blonde Frauen, die sich zu Interviewaufnahmen bereit erklären und höchstwahrscheinlich zufällig angetroffen wurden, stehen bei dir für das „typisch deutsche“, dass die Videoproduzenten angeblich extra ausgewählt haben, um bewusst (unbewusst) allen klarzumachen, dass es ihnen bei der Tempelhof-Besetzung um eine nationale/völkische Mobilmachung geht.

    Und der „kleine Mensch“ ist erstmal „der kleine Mensch“, bis du bewiesen hast, dass es für die da „eigentlich“ ausschließlich um Deutsche ging. Unglaublich, was du hier hindichtest!

  16. 16 anti 08. Juni 2009 um 1:59 Uhr

    *schmunzel*
    Dafür, dass du persönliches Anpissen nicht genießt, ergehst du dich aber ganz wunderbar in deiner Rancune.
    Zunächst sollte aber mal klargemacht werden, dass du nicht im Ansatz
    a) die Kritikform dieses Blogs
    oder
    b) überhaupt irgendeine Form der Kritik
    teilst, respektive verstanden hättest.
    Hättest du das nämlich getan, wüsstest du, weshalb die Kritik vom Standpunkt der befreiten Gesellschaft aus argumentiert, der kein Standpunkt ist. Sie ist somit abstrakte Negation, die der konkreten Negation gegenübersteht. Die konkrete Negation aber enthält ein affirmatives Moment, was ihr nun beim besten Willen nicht vorzuwerfen ist, weil es in der Natur der Sache liegt.
    Daher die abstrakte sein zu lassen gelingt nur jemandem, der sein Bewusstsein als vereinheitlichenden Block konstruiert, oder aber dem oder der es mit Kritik eh nie so ernst war.
    Dein Gegenkonzept – oder eher das Gegengeschwafel – sieht dann so aus, und es tut mir leid, man braucht dir die Worte nicht im Mund herumzudrehen – und selbst auf dem Kopf wären sie noch falsch:
    „Es geht darum die „andere Gesellschaft“ (die es so nicht gibt) gegen das aktuelle System zu stellen, wenn auch nur hypothetisch.“
    Also, nochmal, damit man sich das auf der Zunge zergehen lassen kann:
    „Es geht darum, etwas, das es so nicht gibt, hypothetisch gegen das aktuelle System zu stellen.“
    Das ist dein Konzept der „Revolution“, das du mir bravem Bürger vorhältst. :)
    Nimm dich in acht, Kapitalismus. Hypothetisch wird dir etwas, das es nicht gibt gegenübergestellt.

    „So rechtfertigt sich die oder der bürgerliche Intellektuelle, weil sie noch nicht gemerkt haben, dass sie längst an der Spitze der Gesellschaft stehen – ausgestattet mit reichlich sozialem und kulturellem Kapital, weißer Hautfarbe und deutschem Pass – und sich da eigentlich auch ganz wohl fühlen.“
    Ja, da stehe ich, und das weiß ich auch. Und kannst du mir jetzt noch erklären, wieso DU nicht da stehst? :)
    Oder ist deine Position etwa die vornehmere, weil du hypothetisch etwas das es nicht gibt dagegenstellst, nur um dich da recht zu verstehen?
    (Zugegebenermaßen, eigentlich nur um die Dummheit der Position auszubuchstabieren.)

  17. 17 anti 08. Juni 2009 um 8:03 Uhr

    sag bloß du hast nach 25 Jahren mindestens immer noch nicht gecheckt, dass das Deutsch in Antideutsch sich nicht auf eine Staatsbürgerschaft bezieht, mh, Wendy?

  18. 18 Difficult is Easy 08. Juni 2009 um 8:43 Uhr

    @anti:
    dass sich ein antideutscher so offen zu seinem rassismus bekennt ist schon etwas bemerkenswertes, finde ich. kann in den kreisen in denen du dich bewegst anders aussehen. steck ich ja nich drin. danke für die aufklärung(!).
    PS: musstest du dir die haare färben oder hast du eine naturantideutsche haarfarbe?

  19. 19 anti 08. Juni 2009 um 9:49 Uhr

    Tut das eigentlich beim Schreiben weh, Difficult, oder steckst du das so locker weg? :)
    Es dreht sich nicht um Staatsbürgerschaft sondern um „die deutsche Ideologie“, im weiteren Sinne auch um die politisch-ökonomische Konstellation Deutschlands…
    Das hätte man aber auch wissen können, hätte man Marx oder Adorno oder antideutsche Basistexte mal in der Hand gehabt. Aber das kann man ja von niemandem ernsthaft verlangen, sich der Mühe der Bildung auszusetzen. Von einem der sich „Difficult is easy“ nennt natürlich schon gar nicht. :)

  20. 20 Beobachterin 18. Juni 2009 um 15:29 Uhr

    Also langsam fällt mir echt nichts mehr ein: Schwadronieren, Hetzen, Pauschaliseren, das macht ihr doch beide die ganze Zeit. Hier merkt man dass ihr eure Meinung nicht reflektiert. Ihr präsentiert Sie hier so als wäre sie in Stein gegossen, als würde sich in euren Köpfen alles schon zu einem perfekten Puzzle zusammenfügen, keine Fragezeichen mehr, nur absolute Meinung. Es scheint nur noch darum zu gehen ein Wortgefecht zu gewinnen. Ich frage mich wie das gehen kann. Naja, vielleicht seid ihr beide ja die weisesten Menschen (kurze Frage bei dem Korinthenkacker-gender-verständis: Muss ich jetzt Menschen und Menschinnen sagen um nicht auf verbal-moralischer Schiene zerfleischt zu werden?, Sagt nachher bitte nicht ich hätte nicht nach gefragt). Bei dir Anti, weiß man echt nicht was du mit deiner spitzen Polemik bezweckst, es hört sich an als würdest du die Aktivisten aus tiefsten Herzen hassen, betonst aber dann du wölltest sie mit deiner Kritik nur wachrütteln. Dafür ist dein ganzer Text aber viel zu destruktiv. Wenn man etwas verbessern möchte sollte man doch eher konstruktive Kritik üben, deine genannten Motive für die Polemik sind in Anbetracht der scharfen, nur verurteilenden Kritik nicht glaubwürdig. Sag mir doch bitte mal was für dich das erwähnte grundsätzliche positive im alternativen Gedankengut ist, dass du gut hetzen kannst weiß hier mittlerweile jeder, du brauchst dich nicht mehr zu profilieren. Aber anscheinend betrachtest du jeden der etwas gegen deine Meinung zu sagen hat als Angreifer der sofort zerfleischt werden muss. Es fällt dir ja auch so leicht, du bist gebildet und rhetorisch stark, und das soll jeder wissen. An deine intellektuelle Größe kommt keiner heran, die Gesamtaussage all deiner Angriffe ist eigentlich nur: Guckt euch Jammerlappen doch nur mal an, im Gegensatz zu mir seit ihr ein Nichts! Ist das hier ein selektives Forum nur für die belesene intellektuelle Elite? Soll sich hier kein Normalsterblicher zu Wort melden dürfen ohne diffamiert zu werden? Tolle Einstellung Anti, da hat dich deine Bildung ja auf menschlicher Ebene ganz schön weit gebracht, Applaus für Anti! Ansonsten scheint euer Wortgefecht nur darum zu kämpfen, wer mehr (bzw. weniger!) Schubladen für Menschen im Kopf hat.

    So wie ich die Lage beurteilen würde, geht es doch bei der kommenden Tempelhofaktion darum, erstmal ein Zeichen zu setzen. Es soll der städtischen Topdown-Planung die Diskrepanz zu den Wünschen und Meinungen einiger Bevölkerungsteile klar gemacht werden Hier wäre jetzt der Zeitpunkt für Anti die Mittel hierzu polemisch zu kritisieren. Meine Einschätzung ist aber dass eine solche Besetzung oder ein ähnlich geartetes „Event“ oft nötig ist um überhaupt auch nur eine Grundaufmerksamkeit bei den städtischen Besserwissern zu erhalten. Den fast Tauben muss man eben anschreien um gehört zu werden. Problematisch wird es für mich erst wenn es zu Gewalt zwischen Menschen kommt. Da die Tempelhofbesetzung aber ja eben als Massenprotest unter dem grob gehaltenen Motto -Tempelhof für alle- stattfindet und die gewünschte Friedlichkeit der Veranstaltung erwähnt wurde, hoffe ich auch das sich hier auch die Linksautonomen fairerweise daran halten werden (gegen Polizeigewalt wehren und gegen Polizei agieren sind zwei paar Schuhe),es ist nämlich nicht wie sonst so oft in erster Linie ihre Meinung vertreten ( Wenn denn die Massen tatsächlich kommen, ich hoffe es). Ich hoffe echt dass sich alle fairer Weise an das gemeinsame Motto halten, sonst würden die Steinewerfer nur zeigen dass sie nicht nur auf die “Bullen“scheißen sondern auch auf alle anwesenden Andersdenkenden. (da könnte man dann sogar Bezüge zum Streit der Religionen ziehen, das alte Schema: Eine Gruppe Gleichdenkender beansprucht für sich die absolute Wahrheit in Glaube und Meinung und betrachtet Andersdenkende als minderwertig und nicht gleich gestellt) Genauso hoffe ich dass die Polizei nicht aus Provokation handelt und nicht von Beginn an den kompletten Stadtteil in grünweiß taucht.

    Was jetzt die konkreten Forderungen der Tempelhofgegner angeht, seht ihr beide meiner Meinung nach alles zu absolut, so auf die tour: Die oder Wir, bis aufs Blut. Also mal wieder Konkurrenzdenken,. In diesem Punkt ähneln sich also Linksautonomie und Establishment. Die erste Frage die man sich doch stellen sollte, wenn man hier mal konstruktiv nachdenken möchte, ist, wieso das Gelände nicht aufgeteilt wird. Investoren und Leute, die die städtische Planung befürworten gehören nämlich auch zu den genannten “Allen“, denen Tempelhof gehören soll. Wer das nicht so sieht, und meint Tempelhof sollte nur den schlechter Verdienenden gehören, verhält sich genauso intolerant gegenüber anderen Lebenseinstellungen wie die Stadt es auch so oft tut. und braucht seine Meinung also nicht mehr moralisch überfrachten. Mal davon abgesehen dass die Forderer genau wissen, dass die Forderung .nach keiner kommerziellen Nutzung und Bebauung sowieso niemals erfüllt wird ( Ist es Absicht eine Bedingung zu stellen von der man von vornherein weiß, dass die Erfüllung ausgeschlossen ist?), enttarnt sie sich als egozentrische elitäre Forderung. Wie erläutert sollte die Forderung also nicht alles oder nichts heißen, sondern vielleicht fifty-fifty. Die Forderung nach keiner Verdrängung der Anwohner_innen würde ich als legitim betrachten, da wir in einer demokratischen pluralistischen Stadt leben ( ja ich weiß, manchmal auch nur leben sollten). Problematisch wird es allerdings wieder wenn an Antis Kernkritik ( auf das Wesentliche bist du nicht eingegangen Okömarxistin) tatsächlich etwas dran ist und sich der Wunsch nach keiner Anwohnerverdrängung in -Tempelhof nur für Anwohner und Alteingesessene- zuspitzt, und diese Meinung eine breite Basis hat ( Ein Medienfund kann doch nicht als Meinung aller Tempelhofgegner gelten), dann wäre das wirklich eine fremdenfeindliche Sauerei. Hierzu würde ich gerne mal etwas von den Linksautonomen hören. (Bisher habe ich die These von der großen Schnittmenge zwischen Linksextremen und Rechtsextremen nicht geglaubt, war ich zu naiv?) Und wenn wir jetzt schon bei der grundsätzlichen Kritik an den Linksautonomen angekommen sind, möchte ich hier noch die in meinen Augen vorhandenen Denk- und Verhaltensfehler zur Debatte stellen:
    Neben der Darstellung der Welt in schwarz und weiß, gut und böse, kritisiere ich die Dämonisierung und Verkörperung welche unter dem Deckmantel der Systemkritik ausgeübt wird: Der –Bulle- als Inbegriff des Bösen und Verabscheuungswürdigen( So laufen die meisten Scheindemos ab) ist nur ein Mensch der anders denkt und wertet, er ist kein Strippenzieher des Systems. Ja, er ist ein Rädchen im System, ist das Grund genug ihn als Personifizierung des gesamten Systems zu geißeln? Es scheint eher so als würde der Systemfrust stellvertretend am kleinen Mann des Systems abreagiert, der schnellste Weg einen Sündenbock zu finden. Wahrscheinlich ist so eine abstrakte Systemkritik ja auch ganz schön langweilig, da muss man schnell ein Gesicht zum Reintreten finden. Zudem ist es doch jedem der mal ein paar Demos der Linksautonomen in Friedichshain besucht hat klar, dass sich Linksautonome und Polizei in einer Art Symbiose befinden. Stellt euch mal vor es gibt ne Demo und kein Polizist geht hin! Wie langweilig wären dann doch solche Veranstaltungen, beendet nach einer Stunde. Der Linksautonome braucht doch die Bullenaction um seine Meinung lautstark vertreten zu können und seine Systemkritik auf den real fühlbaren Alltag herunter brechen zu können, somit am Leben erhalten zu können und Gehör zu finden. Natürlich wird jetzt entgegnet werden, dass die Polizisten ja die Bösen Gewaltbereiten sind, siehe vorhersehbares Schwarz-Weissdenken. Doch hier kann niemand die Hände in Unschuld waschen, weder die Polizisten noch die Linksautonomen. Vielleicht gibt es tatsächlich den einen oder anderen von Natur aus aggressiveren Polizisten. Doch die meisten sind ganz normale Menschen an denen es natürlich nicht wie an einem Roboter abprallt Auge in Auge vor einer geladenen, gezielt auf ihn abzielenden Hasstiraden grölende Menge zu stehen. Und wenn man sich zum Beispiel die Demos vor dem Stromsö in Erinnerung ruft weiß man, dass die Hasstiraden gegen die Polizisten einen bedenklich großen Teil der Demonstrationsaktion ausmachen, bei Demos die ja eigentlich stattfinden um gegen faschistisches Gedankengut zu protestieren. Das führt dazu dass ich mich zum Beispiel nicht als Teil der Demo fühlen kann.
    Wenn diese Erkenntnisse tatsächlich entkräftet oder widerlegt werden können, wäre ich sehr erstaunt.

    Die weitere Forderung nach Öffnung des Zauns und freier Zugänglichkeit für alle ist ja legitim, wieso soll dieses riesige Gebiet mitten in der Stadt leer sein bis vielleicht mal in 10 Jahren irgendeine städtische Planung tatsächlich gebaut wird???

    Ps. Ich habe mir das offizielle Video angesehen, und ich muß sagen, das gefällt mir auch nicht so. Ich dachte es geht um eine friedliche Besetzung von allen und nicht um einen Krawallkontest.

  21. 21 anti 19. Juni 2009 um 15:07 Uhr

    Ich glaube offen gestanden, dass gerade die Linksautonomen diejenigen sind, die am wenigsten die regressivsten der Forderungen (Tempelhof für Anwohner und Anwohnerinnen) mittragen und diese nur benutzen um sich Sympathien in der Bevölkerung zu erkämpfen… also mithin eigene Positionen über Bord werfen.
    Vielleicht ist das aber auch noch zu großer Bewegungsoptimismus.
    Ansonsten will ich mitnichten jemanden wachrütteln. Ich vertrete hier einfach rigide eine Position, stelle sie in aller Klarheit dar und wer sie angreifen will, soll sie angreifen.
    Desweiteren: Konstruktive Kritik gibt es nicht. Das ist Pluralismusgefasel das sich nicht einmal einen Begriff vom Begriff „Kritik“ bilden konnte.

  22. 22 lise 02. Juli 2009 um 18:33 Uhr

    „Desweiteren: Konstruktive Kritik gibt es nicht. Das ist Pluralismusgefasel das sich nicht einmal einen Begriff vom Begriff „Kritik“ bilden konnte.“

    Könntest du das bitte weiter ausführen, hat schliesslich nicht jedeR Philo studiert.

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