Archiv für November 2010

Eine Ehrenrettung des Pazifismus

Maikel Nabil.(Maikel Nabil auf der Website der War Resisters International. )

Es kann zwar nicht Aufgabe einer ideologiekritischen Assoziation sein, konstruktive Debatten zu führen, bereichernde Geschichten zur Entlastung zu liefern oder gar Hoffnung zu wecken, die doch stets notwendig in den bestehenden Verhältnissen ein ganz und gar Ephemeres bleibt: nichtsdestotrotz können wir festhalten, dass es selbst in Zeiten des grassierenden Wahns hier und da ein Refugium der Vernunft gibt. Nicht etwa, weil wir das für ausreichend oder gar unbegrenzt ausbaufähig hielten, sondern weil es diese – stets Einzelnen – sind, die die Grundlage für Kritik bilden. Ohne freiheitsfähige und nach Freiheit strebende Subjekte verkommt nämlich jegliche Rede davon zur Phrase. Und dass es solche entgegen aller völkischen Ideologie und zum Trotz aller Verteidiger autochthoner Kulturräume sehr wohl gibt, beweist unter anderem Maikel Nabil Samad. Über Ynetnews erfuhren wir vor einigen Wochen von seinem Schicksal und beschlossen ein Interview mit ihm zu führen, stellt er doch eine bemerkenswerte Ausnahme in der internationalen Friedensbewegung dar und weckt Hoffnung, dass der Begriff des Pazifismus nichts ist, was vollständig den Geiern zum Fraß vorgeworfen werden muss. Im Unterschied zu deutschen Friedensfreunden, die bekanntermaßen keinerlei moralische oder politische Bedenken haben, den islamischen Selbstmordterror als einen Akt legitimer Selbstverteidigung zu verharmlosen, erkennt er die Minimalbedingung eines Pazifismus, der unter Frieden nicht Grabesruhe versteht, umstandslos an: Dass der Schutzraum der jüdischen Menschen sich, solange es antisemitische Aggression gibt, ein Recht auf militärische Selbstverteidigung vorbehält. Diese Einsicht stammt nicht etwa aus einem jahrelangen Studium der Schriften Adornos oder aus blindem Solidaritätszwang, sondern stellt für ihn nach eigenem Bekunden schlicht ein Gebot der Menschlichkeit dar. Er, der sich als liberal, säkular und kapitalistisch versteht, spricht damit aus, was Kommunisten und Friedensbewegte aller Couleur und rund um den Globus bis heute nicht verinnerlicht, geschweige denn verstanden haben. Dass es sich beim Staat Israel um eine prekäre Notwehrmaßnahme derjenigen handelt, die der Vernichtung noch einmal von der Schippe gesprungen sind und sich deshalb noch lange nicht in Sicherheit befinden.

Auch in einer mehrheitlich von antisemitischen Ressentiments geprägten Gesellschaft wie der ägyptischen gelingt es offenkundig, sich davon freizuhalten. Er liefert damit in persona den Beweis für das Mantra, das ideologiekritische Intervention seit Jahr und Tag herunterbricht: dass dem Wahn, der über die Massen hereinbricht auch stets ein Moment der bewussten Entscheidung innewohnt, die widerrufen werden kann. Zu einfach machen es sich diejenigen, die den Feinden Israels unentwegt attestieren, sie hätten keine Wahl – das Gegenteil ist der Fall. Solidarität mit Israel bedeutet nicht etwa antiarabischen Rassismus, wie das Teile der Journaille immer wieder kolportieren, sondern ist vielmehr zwingende Konsequenz aus dem Wissen um die Möglichkeit einer „deutschen Krisenlösung“ und der Reflexion auf die Möglichkeit der „Volksgemeinschaft“ als Folge der ausgebliebenen Revolution.

Die Situation ist alles andere als ausweglos: Maikel Nabil Samad steht dafür als ein Exempel. Während des Zeitraumes, in dem das über Mailverkehr geführte Interview stattfinden sollte, änderte sich die Sachlage frappierend. Am Abend des vergangenen Freitags drangen Teile des ägyptischen Militärs gewaltsam in Herrn Samads Wohnung ein und entführten ihn in ein Gebäude des ägyptischen Geheimdienstes, in dem er eine Nacht lang festgehalten wurde. Am darauffolgenden Tag wurde er einer Reihe medizinischer Untersuchungen unterzogen, bevor er aus dem Militärdienst entlassen wurde. Seine politischen Freiheiten, sowie sein Recht auf freie Ausreise wurden rekonstituiert und die Gefängnisandrohung aufgehoben. Maikel Nabil Samad ist damit nicht nur der erste gewissensmäßige Wehrdienstverweigerer Ägyptens, sondern zudem straffrei ausgegangen. Dies ermöglichte nicht zuletzt der politische Druck, der durch die israelischen Medien und die internationale Öffentlichkeit aufgebaut werden konnte und der die ägyptische Regierung wohl schlussendlich dazu bewegte, einzulenken. Wie auch in den Palästinensergebieten zeigt sich hier abermals, dass nicht etwa die selbstmörderische Aufopferung im Jihad oder der Intifada, sondern vielmehr die friedliche Kooperation mit dem jüdischen Staat die einzige und beste Möglichkeit darstellt, individuelle Freiheiten endlich auch in der arabischen Welt durchzusetzen.

Selbstverständlich sehen die arabischen Friedensbewegungen nicht viel rosiger aus als die europäischen, was die Anerkennung des Rechtes auf Selbstverteidigung anbelangt – Erfolgsgeschichten wie diese halten allerdings die Möglichkeit offen, dass sich das einmal ändert. Es stünde zu hoffen, dass das Beispiel von Maikel Nabil Samad zahlreiche Nachahmer findet. Der Vollständigkeit halber sei hier jener Teil des Interviews, der bereits geführt wurde, unredigiert wiedergegeben:

1) Could you describe your biography a little bit? You describe yourself as liberal, secular and pacifist, how did you develop these views?

- I describe myself on my Facebook Page as: Liberal, Secular, Capitalist, Feminist, Pro-Western, Pro-Israel, Atheist, Materialist, Realist, Pro-Globalist, Intactivist, Anti-militarist, and Pacifist

- I‘m a veterinarian, 25 years old, I‘m a political activist since 2005, blogger since 2006, The founder and president of „No for compulsory Military Service“ Movement since April 2009

- I chose to believe in such ideas as a result of my massive readings to several writers from all over the world, especially the age of enlightenment in Europe… Also seeing what militarists, communists, fundamentalists and nationalists did to my country, and how Egypt became a poor dictatorial country because of them … This made me choose to be anti-militarist, Capitalist, Globalist

2) It’s uncommon for pacifists to solidarize themselves with Israel, you already pointed this out in your mail. Have you ever been organised in any pacifist leagues and if so, have you experienced resistance towards your stance concerning that topic?

I haven‘t been organized before in any pacifist organization, as there are no such organizations in Egypt. But I realized that lots of pacifists around the world don‘t like what I say supporting Israel … As I‘m living between Arabs. I know how Arabs treat Non-Muslims; I know how they hate Jews, Christians and Atheists; how they wish to expel all the Israelis out of their land … So, I can‘t ask Israelis not to defend themselves, and to be killed or expelled by Arabs, as what happened to Jews in Arab countries in the 50s.

My country Egypt, fought Israel in 48 aiming to prevent the existence of Israel, prevented Israeli ships from sailing in International waters, prevented passing even food and water to Israelis through its land or water, declared wars on Israel several times, expelled 60 thousand Egyptian Jews in 1956 after stealing all their money … If I didn‘t support the right of Israel to live in peace, I wouldn‘t be able to consider myself a human.

3) How do you experience your own position in Egypt’s society in general? Do you feel that your view can be voiced or do you rather have the impression that there is not much of an interest of the general public in your case, even though you are – as you claim – the first conscientious objector in Egypt?

- When I talk about ending of the obligatory military service, majority of youth supports me, older people disagree with me, the elite honors me but afraid to say that

- When I talk about peace with Israel, most of people reply violently. But I think we are just in the beginning and we need some time to make a stream of Egyptians who wants to co-exist with Israel

- When I talk about Pacifism, the majority of people couldn‘t imagine Egypt without an army in an area containing Iran, Israel, Syria, Ethiopia, Turkey and Others … I think abolishing of the Egyptian army wouldn‘t be possible without abolishing big armies in the area

4) What penalties do you think you are going to face, considering your actions, are you any worried?

According to the law, I could be arrested and led to a military trial which could imprison me for long years. Also, I‘ll be banned from travelling abroad till I reach 30 years. I‘m already banned from travelling abroad for 3 years now (since October 2007), which means 8 years without ability to travel out of Egypt. In addition to all that, I‘ll lose my political rights for the rest of my life, I won‘t be able to run for any political position

- But clearly, Egypt isn‘t a legal state, they can execute me if they wanted, and they could ignore me completely if they wanted… they are ignoring me till now

5) Do you have any connections to organizations both in Egypt and abroad that may help you with upcoming lawsuits?

Till now, I don‘t have any organization supporting me in front of the Egyptian courts. I have lots of Friends in international organizations supporting me (As in War resisters‘ International & The European Bureau for Conscientious Objection). Egyptian organizations is still afraid to support me, and that will be a big problem if i faced a trial in Egypt as I‘ll be alone

6) Could you give us a small insight about how we have to imagine the general social climate in Egypt? What do you think are the pressing problems, politically, socially and in terms of religion?

Egypt passes through lots of changes theses years; including the political system, the public opinion, religious views and lots of other things… There is a big wave of religious fundamentalism, but there is a big wave of Atheism facing it … The country is converting from a military state into a police state, which makes it easy to stand against the army … sure, I can‘t answer that question in a few words.

7) More specifically, how do you think your compatriots judge the so-called middle-east conflict?

Before answering that question we need to know some important information. Egypt isn‘t a free country, no one could establish a political party or a newspaper or a media channel without permission from the governor party… Parties and media permissions are taken from „Shurra Council“ whish headed by a former army officer. The army still controlling the media, and no one could say anything about the army or Israel except the army views…. In the same time, the government and the army want the Egyptians to hate Israel, so the government will appear as an angel in front of Israel and the entire modern world

All of this makes the public know only bad things about Israel; they are affected by the non-neutral media which hide on them any good information about Israel … So, the result of all that, that the majority here see Israelis as a gang of criminals, who hates Moslems and Christians, and make war crimes every day because they are bloody and Nazi, etc… I think we have to let them know the facts about Israel, and I think this will make lots of changes in the Egyptian mentality, and the opinions of Egyptians toward Israel

But there is also an enlightened minority, which sees the reality of Israel as a modern liberal secular state, which respects human rights and International laws, I‘m working with those to try to achieve peace in the area.

Flugblatt zur Kundgebung gegen die Inhaftierung der deutschen Journalisten im Iran

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Vor etwa einem Monat wurden zwei deutsche Journalisten in der Stadt Täbris, im Nordwesten Irans festgenommen. Ihnen wird unterstellt, ohne staatliche Genehmigung ein Interview mit dem Sohn der zu Tode durch Steinigung verurteilten Sakineh Mohammadi Ashtiani zu führen beabsichtigt zu haben. Die Journalisten wurden zusammen mit dem Sohn und dem Anwalt Sakinehs im Büro desselben festgenommen.

Am Montag, dem 15. November wurden die beiden verhafteten Journalisten im iranischen Fernsehen vorgeführt. In einer auf Farsi gehaltenen akustischen Überblendung wird suggeriert, die beiden würden „Fehler“ eingestehen. Ferner wird die in Deutschland lebende Menschenrechtlerin Mina Ahadi beschuldigt, die Eskalation im Sinne des Aufsehens um die eigene Person herbeigeführt zu haben. Ahadi, die Gründerin des internationalen Komitees gegen Steinigung und scharfe Kritikerin des iranischen Regimes, soll die beiden Reporter zu der Aktion angestiftet haben, so das iranische Fernsehen. Auch Sakineh selbst ist in der Sendung zu sehen. Mit der gleichen Überblendung gesteht sie scheinbar ein, eine „Sünderin“ zu sein.

Das iranische Regime ist im Zuge der Kampagne gegen die Steinigung in internationalen Druck geraten, in Folge dessen es sich genötigt sah, die Steinigung vorerst auszusetzen. Die Verhaftung der deutschen Journalisten wird offenbar dazu genutzt, mithilfe propagandistischer Mittel die Souveränität nach innen und außen aufrecht zu erhalten. Die Selbstbezichtigungen der deutschen Reporter und Sakinehs sollen über den despotischen Charakter des islamischen Regimes hinwegtäuschen, für das die Gleichberechtigung der Frau und unabhängige Presse undenkbar sind und der in mittelalterlichen Strafmaßnahmen wie der Steinigung noch nicht das letzte Wort gesprochen wissen will. Obwohl die Steinigung der Sakineh Mohammadi Ashtiani vorerst ausgesetzt wurde, wurde die Steinigung einer anderen Verurteilten , Shahla Jahed, für den 1. Dezember angekündigt. Scheinbar um zu zeigen, dass man sich politischem Druck nicht beugen wird, versucht das iranische Regime somit eine Steinigung durchzuführen, für die eine effektive internationale Mobilisierung zu kurzfristig wäre. Auch das Todesurteil Ashtianis ist nicht aufgehoben. Es muss befürchtet werden, dass es in anderer Form vollzogen wird.

Da die Steinigung von Frauen als besonders barbarisch und nicht zu unrecht als voraufklärerischer Anachronismus erscheint, ist es auch im Sinne der Schicksale der verurteilten Frauen wert dafür zu kämpfen, Druck von außerhalb zu erzeugen, um Steinigungsurteile anzufechten. Um einen adäquaten Umgang mit der islamischen Republik Iran zu finden, darf man sich jedoch keine Illusionen über deren Wesen machen. Die Steinigungen sind nur einer von vielen möglichen Ausdrücken des Schariarechtes, das für das Regime ausserhalb der Diskussion steht. Die Frau ist diesem Recht zufolge nichts als eine Institution, die den Zweck erfüllen muss, für die Reproduktion der islamischen Gemeinschaft zu sorgen. Die Aufgabe des Mannes im Islam ist jedoch der Djihad – zum einen der „kleine Djihad“, also die Entsagung der weltlichen und sinnlichen Wünsche nach innen und zum anderen der „große Djihad“, also die Expansion des Islams nach außen. Die Frau muss als Ehefrau für bevorzugt männliche Nachkommen sorgen. Als Mutter muss sie für die Erziehung ihrer Kinder zu Kriegern des Islams garantieren. Die Verhüllung der Frau in Gesellschaften, in denen die Scharia Einfluss hat, symbolisiert insofern den „kleinen Djihad“ – er soll den Mann vor der sexuellen Versuchung schützen und markiert die Frau zugleich als rein sexuelles Objekt, das sich dem Ehemann nach islamischen Recht sexuell nicht verwehren darf.

Eine Frau, die Ehebruch begeht verstößt gegen sämtliche Grundpfeiler der islamischen Gesellschaft indem sie einerseits aus der Rolle der Institution ausbricht und andererseits als selbstbestimmtes Subjekt agiert, das eigene Interessen verfolgt, die nichts mit dem Djihad zu tun haben.

Das islamische Regime ahndet solcherart Verstöße möglichst brutal und demonstrativ, um Exempel zu statuieren, da sie ihn an seiner empfindlichsten Stelle treffen. Die Frau als „Ausgangspunkt der islamischen Gesellschaft“ (Fathiyeh Naghibzadeh) ist unersetzbar.

Der Angriff auf einzelne Steinigungen mag zwar unter Umständen helfen, diese Praxis einzudämmen und vielleicht sogar auf lange Sicht gesehen zu beseitigen. Dabei sollte man sich allerdings stets vor Augen führen, dass diese Praxis nur ein Symptom einer Gesellschaft ist, die systematisch darauf angewiesen ist, das Selbstbestimmungsrecht der Frau zu negieren sowie jegliche Emanzipationsmöglichkeiten des Individuums möglichst weitgreifend zu verunmöglichen.

Das Skandalisieren der barbarischen Mittel des Regimes zur eigenen Selbsterhaltung muss von daher einher laufen mit der Forderung der Säkularisierung der iranischen Gesellschaft, also mit nichts geringerem als dem Umsturz des Mullahregimes.

Die deutsche Politik und ihre Apologeten der Presse haben währenddessen alles andere als eben dies im Sinn, wenn sie zu den neuen Geschehnissen nichts weiter betreiben als Appeasement der widerwärtigsten Art. So fragt sich Miriam Lau von der „Zeit“ allen ernstes, ob „sie (Mina Ahadi), so lautet ein oft geäußerter Verdacht, den Sohn Sakineh Ashtianis und die beiden ahnungslosen Journalisten in die Falle der Mullahs (hat) tappen lassen, um so ein Exempel zu statuieren“. Die Absurdität dieses Vorwurfs verdeckt geradezu das nüchterne Kalkül einer Position, die das islamische Regime als das affirmiert, was es sein will – ein naturgegebener Souverän, der keine Schuld an der Abstrafung derer trägt, die gegen seine Regeln verstoßen. Dass jemand im Iran die Rechte einfordert, die in anderen Staaten schon seit langer Zeit Selbstverständlichkeit geworden sind, wird so zu einer Angelegenheit Fremder reduziert, in die sich einzumischen nicht in Frage kommt.

Die Misanthropie dieser Position, die die iranische Bevölkerung mit ihrer menschenverachtenden Führung alleine lässt, wäre an sich schon schlimm genug. Dass der Iran allerdings nicht nur Innenpolitik betreibt wird nicht zuletzt an seinen andauernden Polemiken und Drohungen wider den jüdischen Staat ersichtlich. Lau stellt sich mit ihrem Vorwurf an Ahadi auf die Seite jenes eliminatorisch-antisemitischen Regimes, dessen Streben nach der Atombombe für Israel eine existentielle Bedrohung bedeutet. Dass man keine Gelegenheit auslassen wird, seinen Einflussbereich auszudehnen und die Prinzipien der Scharia auch über Grenzen hinweg oder im Konflikt mit anderen Staaten auszuweiten, bewies man bereits so einprägsam wie blutig beim Berliner Mykonos-Attentat. Auch im aktuellen Fall hat man nicht nur zwei ausländische Journalisten festgenommen – man benutzt die Festnahme zudem als Mittel, die Regimegegnerin Mina Ahadi zu diffamieren. Die Tatsache, dass sich die deutsche Presse für das Regime einspannen lässt reicht offensichtlich nicht für einen Skandal aus. An Freunden der Barbarei scheint es in Deutschland nach wie vor nicht zu mangeln.

Der Djihad, den die islamische Republik zu ihrer Staatsdoktrin erhoben hat, endet erst, wenn alle seine Feinde bezwungen sind. Die Gefahr, die von diesem Regime ausgeht beschränkt sich daher nicht nur auf die eigene Bevölkerung und Israel, sondern auf alles, was an die vom Regime verhasste, westliche Freiheit auch nur entfernt erinnert.

Die Befreiung all derer, die im Iran leben und die menschenfeindliche Herrschaft der Scharia satt haben geht einher mit der Befreiung der Welt von einer Bedrohung eines atomar gerüsteten Regimes, das den Tod anstatt des Lebens verehrt.

Aphoristisches zu Wahrheit und Zeitordnung

Time.

Für C.

„Auf die Liebe zu Steinmauern und vergitterten Fenstern verfällt jener, der nichts anderes zum Lieben mehr sieht und hat. Beide Male waltet die gleiche Schmach der Anpassung, die, um nur überhaupt im Grauen der Welt aushalten zu können, dem Wunsch Wirklichkeit zuschreibt und dem Widersinn des Zwangs Sinn. (…) Am Ende ist Hoffnung, wie sie der Wirklichkeit sich entringt, indem sie diese negiert, die einzige Gestalt in der Wahrheit erscheint. Ohne Hoffnung wäre die Idee der Wahrheit kaum nur zu denken und es ist die kardinale Unwahrheit, das als schlecht erkannte Dasein für die Wahrheit auszugeben, nur weil es einmal erkannt ward.“(MM, S.110)

Mehr als vielleicht irgendeine Gesellschaftsformation vor ihr hat es die bürgerliche geschafft, ihre Ketten zu lieben. Hielten noch die Feudalen die Masse mit Transzendenz und Paradiesischem bei der Stange, hat die bürgerliche Existenz vollendet, was der Protestantismus schlecht begann, indem er das Kultische geißelte, die Arbeit statt des Klerus ehrte und das Sakrament der Kommunion zum Symbolischen verstümmelte. Trugen schon jene Kulthandlungen stets die Male des schlechten Trostes, spätestens seit objektiv die Möglichkeit Möglichkeit erreicht war, durch den erlangten Stand der Produktivkräfte das Paradies auf Erden einzurichten, das niemand anzupacken wagte, so blieb in ihnen dennoch aufbewahrt, dass ein gänzlich anderes noch denkbar wäre. Zwar – es versagte sich auch den Gläubigen stets der Blick nach Aussen, wohl aber blieb ihnen das Warten darauf. Dieses aber hat sich überholt, wie in der spießbürgerlichen Lebensweisheit, die sich in der Schießbudenphilosophie ebenso findet wie in den Produkten der Kulturindustrie zum Ausdruck kommt. Die schale Formel, man solle den Moment leben, womöglich gar lieben, bringt es zum Ausdruck. Nicht nur, dass sie eine mäßige Tarnung fürs „après moi le déluge“ ist – mehr noch als das zeigt sie, wie tief das Kapital in die Gattung hineingewachsen ist. Seiner immanenten Tendenz nach verräumlicht es die Zeit, sodass „der Pendel der Uhr der genaue Messer für das Verhältnis der Leistungen zweier Arbeiter geworden ist, wie er es für die Schnelligkeit zweier Lokomotiven ist. So muß es nicht mehr heißen, dass eine (Arbeits-)stunde eines Menschen gleichkommt einer Stunde eines anderen Menschen, sondern daß vielmehr ein Mensch während einer Stunde soviel Wert ist wie ein anderer Mensch während einer Stunde. Die Zeit ist alles, der Mensch ist nichts mehr, er ist höchstens noch die Verkörperung der Zeit.“ (Elend der Philosophie 27)

Erst durch diesen Verlust jeglichen qualitativen, flussartigen Charakters von Zeit ist es möglich, sie in die Immanenz des Moments zu bannen. Das Bedürfnis danach ist seinerseits kapitalimmanent. Relativ zu anderen Kapitalien langsamer zirkulierendes Kapital entwertet sich, weshalb die Zirkulation ihren Grenzwert gegen den positiven Limes Null drängt. Um diesen zu erreichen, entschlägt sie die Waren aller Stofflichkeit. Nicht nur ist dies Gegenstand des zweiten und dritten Bandes des Kapitals, wie Jochen Bruhn treffend bemerkt, sondern zugleich Ursache des Versuches, sich aller qualitativen Inhalte der Waren- wie Denkform zu entschlagen. Erst diese Entäußerung ermöglicht es, die Gegenwart als zeitlose Konstante zu hypostasieren, die die Grundform menschlichen Erlebens darstelle. Im Fetisch des Gegenwärtigen affirmiert sich nicht einzig das Bestehende, sondern schlägt, als sei es noch nicht schlimm genug, noch die Vergangenheit und die Zukunft mit seinem Bann. Jene erscheinen als bruchlose Fortsetzung eines immergleichen, das sich vom Moment ausgehend in alle Zeiten hineinprojiziert. Die Zukunft als qualitativ anderes wird dadurch abgeschnitten, wie sich auch die Vergangenheit nur noch darstellt als vergangene Gegenwarten, die zunehmend irrealisiert werden. Gerade ersteres schlägt unmittelbar durch auf den Begriff der Wahrheit. Dass Zukunft nur noch erscheint als kommende Gegenwart ermöglicht erst die Lüge vom Ende der Geschichte, stellt das Momentane auf als Sichtblende gegen das Licht, das vom Standpunkt der Erlösung her auf die Welt fallen könnte, um sie in ihren Brüchen und Verwerfungen darstellen zu können. Dass der Moment zu leben sei, ist zynischer Hohn dort, wo Leben im emphatischen Sinne gar nicht möglich ist. Der Glaube an die Unhintergehbarkeit der Gegenwart stellt einen der zentralen Bestände des ideologischen Repertoires bürgerlicher Gesellschaften dar. Er hat seine Wahrheit höchstens daran, dass die Kontingenz einer jedweden Gegenwart tatsächlich auch – und vielleicht gerade – im Stande der Befreiung erschiene. Wäre aber die abstrakte Zeitordnung selbst genichtet, so erschiene eine jede als so Neu, wie heute nur einigen Kindern die Morgen auf ihren Urlaubsreisen. Nicht sind diese Wiederholung des Vergangenen, sondern stetes Versprechen auf das Unbekannte hin, in dem dennoch das Vergangene bewahrt bleibt.

Die Aufforderung, der Moment sei zu Leben macht zudem erst dort Sinn, wo es sich verunmöglicht hat. Hierzu zählt nicht allein die schon banale Feststellung, dass die objektivierte Arbeitskraft der Individuen ihrer Gesamtpersönlichkeit an großen Teilen des Tages unversöhnlich entgegentritt. Auch der infinitesimale Punkt, zu dem Gegenwart gerann, bedingt ein ständiges Bedürfnis danach, die Hände nach dem auszustrecken, was noch greifbar wäre. „Historisch ist der Zeitbegriff selber auf Grund der Eigentumsordnung gebildet. Aber das Besitzenwollen reflektiert die Zeit als Angst vor dem Verlieren, der Unwiederbringlichkeit.“(MM,S.89) , referiert Adorno in Moral und Zeitordnung den Reflex des Bewusstseins auf die abstrakte Zeitordnung. Nicht nur das Sammeln von Souvenirs, sondern der zwanghafte Rekurs auf alle Arten von Besitzverhältnissen sind das einzige, was dort noch Kontinuität zu stiften vermag, wo der Schnee von gestern und die Wolkenkuckkucksheime von morgen gleichermaßen irrealisiert werden. Kaum auch ist vorstellbar, dass sonst die Vorstellung erträglich wäre, sein Leben zu fristen. Eine Zukunft, die noch denkbar ist, sieht in den meisten Fällen zu düster aus, um seine Existenz darauf hin zu entwerfen – nicht nur wird die Zusammenführung des zerbrochenen Subjektes dadurch vereitelt, dass es sich nicht einmal mehr Illusionen darüber machen kann, es arbeite für den Lebensabend, sondern bannt es zugleich in schlechte Immanenz, in der nichts weiter übrig bleibt als seine Zersplittertheit auch noch zu affirmieren und das Bestehende zu lieben. Wirkliche Gegenwart wäre eine, die sich nicht darum zu kümmern brauchte, dass sie verfließt: nicht ihrer Wiederholbarkeit, sondern ihrer prinzipiellen Unwiederholbarkeit wegen müsste sie sich nicht sorgen, dass eine andere ihre Stelle einnimmt. Sie bliebe bewahrt als Einzigartiges, sei es genutzt oder ungenutzt.

Zum Gedenken an die Reichspogromnacht

Was bedeutet der 9. November? Ist er wirklich ein Tag der Erinnerung oder eher ein inszeniertes Trauerritual?

Beckmann: Ich halte es für eine rein egoistische Veranstaltung. Das muss ich ganz deutlich so sagen, es geht dabei um eine alljährliche Seelenmassage, bei der sich jeder Deutsche betroffen fühlen kann. Wirklich Rückgrat zeigen – das wäre, wenn man sich für das Lebensrecht der heutigen Juden einsetzte. Der kritische Punkt, der bei all den schön formulierten Trauerbekundungen zum 9. November immer umgangen wird, ist doch, dass man, wenn man es ernst meinte, für den Staat Israel einstehen müsste. Denn dort genießen Juden Schutz vor Verfolgung.
 
(Pfarrer Klaus Beckmann in einem Interview zum 70. Jahrestag der Deportation der saarpfälzischen Juden.)

 
Wie um alles in der Welt kann es sein, dass es einen Pfaffen braucht, um die simple Wahrheit auszusprechen, dass es sich beim 9. November um ein staatstragendes Trauerritual handelt, um eine „deutsche Seelenmassage“, wenn er nicht zumindest zum Anlass genommen wird, sich solidarisch mit dem Schutzraum der Juden zu erklären? Wie kann es sein, dass ein Klerikaler die ideologiekritische Arbeit leisten muss, die eigentlich in den Aufruf gehören würde, der von AIM, ANA, EAG, TOP und all den anderen „Antifaschisten“ unterschrieben wurde?
Es mag daran liegen, dass Pfarrer Beckmann nicht dazu gezwungen ist, sich in Illusionen darüber zu ergehen, wie seine Schäfchen funktionieren, sondern auch ohne Masse für seinen Standpunkt einstehen kann. Dass die oben genannten Antifaschisten das augenscheinlich nicht können, ist noch die schmeichelhafteste Erklärung für den unverfrorenen Aufruf, mit dem man sich erdreistet,  ausgerechnet zum 9. November dezent die Partei der Feinde Israels zu ergreifen, wohl in der Hoffnung, dass es auch noch der Letzte schafft,  der toten Juden gedenken zu können, ohne daraus die geringsten Konsequenzen für das Verhalten gegenüber den Lebenden ziehen zu müssen – Antifaschismus ja, aber bitte nur zum Nulltarif.
Die deutsche Linke, so der diskrete Charme der zwanghaft Politikmachenden, der aus jeder Zeile des Aufrufs trieft, ist über den Antisemitismus erhaben und müsse sich lediglich darum bemühen, eine Anschlussfähigkeit von Rechts zu vermeiden. Schlimm genug, wenn es dabei bliebe, aber die nationale Streichelecke macht nicht einmal davor halt, trotz aller Lippenbekenntnisse gegen den deutschen Nationalismus gleich den gesamten Bundestag zu entlasten und ihm den antifaschistischen Persilschein auszustellen.
So entblödet man sich allen Ernstes zu folgender Äußerung:

Abgesehen davon war die einhellige Empörung und Ablehnung (der Abwehr der „Freedom Flotilla“) aller politischen Parteien in Deutschland auffällig. Solche vorschnell einseitigen Verurteilungen und unverhältnismäßig starken negativen Reaktionen sind – vor allem Anderem – oft eins: anschlussfähig für Antisemitismus. (Quelle: http://www.nadir.org/nadir/initiativ/aim/9.november_aufruf.html)

Man lasse sich auf der Zunge zergehen, was „einseitige Verurteilungen“ und „unverhältnismäßig starke negative Reaktionen“ auf das Handeln des „Juden unter den Staaten“ (Poliakov) sind: Anschlussfähig für Antisemitismus, nicht etwa ihrerseits antisemitisch bis ins Mark. Wann beginnt wohl der Antisemitismus für die unterzeichnenden Gruppen? Einseitige Verurteilungen und unverhältnismäßig starke negative Reaktionen scheinen ja nicht auszureichen, um sie auf die Idee kommen zu lassen, man habe vielleicht in Deutschland nach wie vor ein Problem mit Antisemitismus – auch ausserhalb des politischen rechten Randes. Stattdessen, so die Unterzeichnenden weiter,
machen (sie) demgegenüber einen antifaschistischen Standpunkt stark, der unabhängig davon, wie die Bewertung des Vorfalls am 31.Mai oder eine Positionierung zum Nahostkonflikt allgemein aussieht, Antisemitismus und antisemitische Trittbrettfahrer_innen klar ablehnt.

Gänzlich unabhängig davon also, ob man sich nun auf Seiten der Hamas verortet oder auf der Seite des jüdischen Staates, machen sie einen Standpunkt stark, der Antisemitismus entschieden ablehnt und vor allem antisemitische „Trittbrettfahrer“ abschreckt. Es ist uns vielleicht nicht bekannt, welche möglichen Positionierungen es im Nahostkonflikt gibt, es schreckt uns aber doch, dass man glaubt gänzlich unabhängig davon, wie eine solche Positionierung aussieht, noch von Antifaschismus reden zu können. Offensichtlich sind die Debatten der vergangenen zwanzig Jahre spurlos an der Berliner Szene vorbeigezogen, anders ist es schwer begreiflich, dass sich nicht bis zu ihnen herumgesprochen hat, dass es die vornehmliche Artikulationsstrategie des zeitgenössischen Antisemiten ist, sich als „Israelkritiker“ zu versuchen. Und das beginnt selbstverständlich nicht erst dort, wo das ZK für Berliner Szenefragen offenbar bereit ist die Grenze zu ziehen:

Kritik an Israel ist immer dann antisemitisch, wenn sie die Existenz des Staates der Holocaust-Überlebenden in Frage stellt, seine Legitimität bezweifelt, oder wenn sie sich mit Antisemit_innen gemein macht.

Dass man damit sogar noch hinter die gültige Antisemitismusdefinition der europäischen Union zurückfällt, die bereit ist Doppelstandards und Dämonisierungen in ihre Kriterien mitaufzunehmen und nicht erst beim ungeschminkten Antizionismus beginnt, schert die Genossen und Genossinnen offenbar wenig und ist noch weniger für sie ein Anlass, wenigstens in der Erfahrung des Gewesenen – als hätte man es nicht auch ohne Pogrome wissen können – sich solidarisch mit den Schutzmaßnahmen zu erklären, die die Juden in Form eines Staates dagegen trafen, dass sich das Geschehene wiederhole. Statt Solidarität erklären sie die Legitimität des Staates Israel, ganz so, als käme es bei der Sicherung der Existenz dieses Staates auf Lippenbekenntnisse, statt auf Waffengewalt an. Wir finden es ganz erfreulich, dass der Staat Israel nicht darauf angewiesen ist, dass deutsche Linke seine Legitimität abnicken, wissen wir doch, dass diese ihm mit Sicherheit nicht dann beistehen werden, wenn er tatsächlich einmal Mittel zu ergreifen wagt, die seinen Fortbestand garantieren. Dann nämlich wird man unparteiisch und übt sich in solidarischer Kritik an denjenigen, die ihn angreifen:

Bemühungen, eigene Positionen dagegen zu immunisieren und sich unmissverständlich abzugrenzen, haben wir nicht nur bei den Unterstützer_innen der „Freedom–Flottilla“ vermisst.

Bei den Unterstützern der Freedomflottilla, jener Flotte also, die mit den Rufen „Khaybar, Khaybar, oh Juden, die Armee Mohammeds wird über euch kommen“ den Hafen verließ und damit an das antijüdische Pogrom bei Khaybar 628 erinnerte, vermissten sie also eine „Immunisierung ihrer Positionen“ gegen Antisemitismus. Spätestens das ist dann eine Geschmacklosigkeit, die es beim besten Willen unmöglich macht, an der Demonstration teilzunehmen. Wenn man sich vorstellt, dass deutschen Antifaschisten angesichts der Volksmassen, die 1938 die Enteignung und Verfolgung der Juden unterstützten, nichts besseres einfällt, als zu bemäkeln, es sei den Unterstützern offenbar nicht gelungen, ihre Position gegen Antisemitismus abzugrenzen und zu immunisieren, fällt es schwer, dem Brechreiz noch etwas entgegen zu setzen.

Klickt man auf der Seite der Moabiter Antifa weiter, entdeckt man eine Roadmap für die Veranstaltung am 9. November. Darin wird das Problem verortet, die Demonstration wäre über die Jahre hinweg durch die in ihr stattgefundenen politischen Auseinandersetzungen zu einer „unerträglichen Instrumentalisierung dieses Anlasses, der TeilnehmerInnen und natürlich auch unseres Anliegens.“ geworden. Eine der administrativen Maßnahmen, dies zu unterbinden, lautet wie folgt:

Wir möchten nicht, dass Leute bedroht werden, wenn sie – zugegeben unpassenderweise – ein Palituch tragen. […]
Wir wollen keine Menschen, die Israelfahnen als Symbol für ihre eigene Politik vereinnahmen und auch nicht solche Menschen, die am 9.November diese Fahnen dann von der Demonstration verbannen wollen“ (Quelle: http://www.nadir.org/nadir/initiativ/aim/9.november_was_wir_nicht_wollen.html)

Hierzu stellt sich eine simple Frage: Wozu will die Antifa aus Moabit am 9. November auf die Straße gehen? Ginge es ihnen wirklich darum, die immer noch präsenten Grundlagen des Antisemitismus zu bekämpfen, könnte die Lösung wohl kaum lauten, den Streit zwischen denen, die die den jüdischen Schutzraum befürworten und denen, die ihn verteufeln, in einer extremismustheoretischen Manier neutral aufzuheben. Ginge es ihnen dagegen einfach nur darum, wie sie selbst schreiben, weder in „antideutscher“, noch in „linksdeutscher“, sondern schlicht in deutscher Tradition sich auf den Gräbern der toten Juden auszutoben, ohne sich mit denen befassen zu wollen, die heute ganz konkret vom Antisemitismus bedroht sind (und sich endlich zu verteidigen wissen), so machen sie alles richtig. Dafür steht auch der Hohn, der sich darin äußert, dass sie es in dem dreiseitigen Aufruf zwar problemlos schaffen, einen Exkurs zur Rehabilitation der Sowjetunion zu verfassen, aber in keiner Zeile auf heutige antisemitische Bedrohungen zu sprechen kommen.
Wir aber wollen sehr wohl das Gedenken für unsere „eigene Politik“ instrumentalisieren, sofern wir mit ihr unter den Gedenkenden alleine stehen. Es kann nicht darum gehen, angesichts des linken Szenestreits die Differenzen beizulegen, um am Tag der Reichspogromnacht mit den Feinden Israels friedlich Seite an Seite dem zu gedenken, was sich in Konsequenz ihrer Politik baldmöglichst wiederholen soll. Stattdessen halten wir die Fahne Israels hoch, um auch dem Letzten deutlich zu machen, dass Solidarität mit diesem Staat die Minimalanforderung an Antifaschismus nach Auschwitz ist.
So notwendig wir es also fänden, auch am 9. November zu zeigen, dass ein klares Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt werden muss, so unmöglich finden wir es, dergleichen auf der Gedenkdemonstration zu tun, die offenbar vornehmlich dazu dient, veritable Antisemiten dagegen zu „immunisieren“ sich allzu offen zu zeigen. Betroffenheitspolitik liegt uns nicht und ein Gedenken, das zu nichts anderem dient als antifaschistischer Selbstdarstellung, ohne daraus auch nur die mindesten Konsequenzen ziehen zu wollen, kann nicht unseres sein. So bedauerlich es auch ist, dass auch 72 Jahre nach den Pogromen sich keine Opposition findet, die im Angesicht des offenen eliminatorischen Antisemitismus seitens der Hamas und des Iran mehr leistet, als schon im Vornherein sich die Weichen dazu zu stellen, hinterher behaupten zu können, man habe erstens nichts gewusst und sei zweitens dagegen gewesen, so wahr ist es auch.
Für einen ernstzunehmenden Antifaschismus hingegen ist das nicht genug.

Wichtige Ergänzung aus den Kommentaren, ein Link auf den wesentlich besseren Aufruf der EAG:
„Da der Aufruf den du den „Antifaschisten“ zuschreibst in Wirklichkeit nur der der AIM ist, gibts hier der Vollständigkeit halber noch den der EAG:

http://jpberlin.de/antifa-pankow/9nov2010.htm “
Wurde im Artikel nachträglich korrigiert, vielen Dank für den Hinweis, der nicht ganz korrekt ist: Der Aufruf wird von ALLEN unterstützt, nur wurde er wohl von der AIM verfasst. Der Fehler lag hier bei uns.