Zum Gedenken an die Reichspogromnacht

Was bedeutet der 9. November? Ist er wirklich ein Tag der Erinnerung oder eher ein inszeniertes Trauerritual?

Beckmann: Ich halte es für eine rein egoistische Veranstaltung. Das muss ich ganz deutlich so sagen, es geht dabei um eine alljährliche Seelenmassage, bei der sich jeder Deutsche betroffen fühlen kann. Wirklich Rückgrat zeigen – das wäre, wenn man sich für das Lebensrecht der heutigen Juden einsetzte. Der kritische Punkt, der bei all den schön formulierten Trauerbekundungen zum 9. November immer umgangen wird, ist doch, dass man, wenn man es ernst meinte, für den Staat Israel einstehen müsste. Denn dort genießen Juden Schutz vor Verfolgung.
 
(Pfarrer Klaus Beckmann in einem Interview zum 70. Jahrestag der Deportation der saarpfälzischen Juden.)

 
Wie um alles in der Welt kann es sein, dass es einen Pfaffen braucht, um die simple Wahrheit auszusprechen, dass es sich beim 9. November um ein staatstragendes Trauerritual handelt, um eine „deutsche Seelenmassage“, wenn er nicht zumindest zum Anlass genommen wird, sich solidarisch mit dem Schutzraum der Juden zu erklären? Wie kann es sein, dass ein Klerikaler die ideologiekritische Arbeit leisten muss, die eigentlich in den Aufruf gehören würde, der von AIM, ANA, EAG, TOP und all den anderen „Antifaschisten“ unterschrieben wurde?
Es mag daran liegen, dass Pfarrer Beckmann nicht dazu gezwungen ist, sich in Illusionen darüber zu ergehen, wie seine Schäfchen funktionieren, sondern auch ohne Masse für seinen Standpunkt einstehen kann. Dass die oben genannten Antifaschisten das augenscheinlich nicht können, ist noch die schmeichelhafteste Erklärung für den unverfrorenen Aufruf, mit dem man sich erdreistet,  ausgerechnet zum 9. November dezent die Partei der Feinde Israels zu ergreifen, wohl in der Hoffnung, dass es auch noch der Letzte schafft,  der toten Juden gedenken zu können, ohne daraus die geringsten Konsequenzen für das Verhalten gegenüber den Lebenden ziehen zu müssen – Antifaschismus ja, aber bitte nur zum Nulltarif.
Die deutsche Linke, so der diskrete Charme der zwanghaft Politikmachenden, der aus jeder Zeile des Aufrufs trieft, ist über den Antisemitismus erhaben und müsse sich lediglich darum bemühen, eine Anschlussfähigkeit von Rechts zu vermeiden. Schlimm genug, wenn es dabei bliebe, aber die nationale Streichelecke macht nicht einmal davor halt, trotz aller Lippenbekenntnisse gegen den deutschen Nationalismus gleich den gesamten Bundestag zu entlasten und ihm den antifaschistischen Persilschein auszustellen.
So entblödet man sich allen Ernstes zu folgender Äußerung:

Abgesehen davon war die einhellige Empörung und Ablehnung (der Abwehr der „Freedom Flotilla“) aller politischen Parteien in Deutschland auffällig. Solche vorschnell einseitigen Verurteilungen und unverhältnismäßig starken negativen Reaktionen sind – vor allem Anderem – oft eins: anschlussfähig für Antisemitismus. (Quelle: http://www.nadir.org/nadir/initiativ/aim/9.november_aufruf.html)

Man lasse sich auf der Zunge zergehen, was „einseitige Verurteilungen“ und „unverhältnismäßig starke negative Reaktionen“ auf das Handeln des „Juden unter den Staaten“ (Poliakov) sind: Anschlussfähig für Antisemitismus, nicht etwa ihrerseits antisemitisch bis ins Mark. Wann beginnt wohl der Antisemitismus für die unterzeichnenden Gruppen? Einseitige Verurteilungen und unverhältnismäßig starke negative Reaktionen scheinen ja nicht auszureichen, um sie auf die Idee kommen zu lassen, man habe vielleicht in Deutschland nach wie vor ein Problem mit Antisemitismus – auch ausserhalb des politischen rechten Randes. Stattdessen, so die Unterzeichnenden weiter,
machen (sie) demgegenüber einen antifaschistischen Standpunkt stark, der unabhängig davon, wie die Bewertung des Vorfalls am 31.Mai oder eine Positionierung zum Nahostkonflikt allgemein aussieht, Antisemitismus und antisemitische Trittbrettfahrer_innen klar ablehnt.

Gänzlich unabhängig davon also, ob man sich nun auf Seiten der Hamas verortet oder auf der Seite des jüdischen Staates, machen sie einen Standpunkt stark, der Antisemitismus entschieden ablehnt und vor allem antisemitische „Trittbrettfahrer“ abschreckt. Es ist uns vielleicht nicht bekannt, welche möglichen Positionierungen es im Nahostkonflikt gibt, es schreckt uns aber doch, dass man glaubt gänzlich unabhängig davon, wie eine solche Positionierung aussieht, noch von Antifaschismus reden zu können. Offensichtlich sind die Debatten der vergangenen zwanzig Jahre spurlos an der Berliner Szene vorbeigezogen, anders ist es schwer begreiflich, dass sich nicht bis zu ihnen herumgesprochen hat, dass es die vornehmliche Artikulationsstrategie des zeitgenössischen Antisemiten ist, sich als „Israelkritiker“ zu versuchen. Und das beginnt selbstverständlich nicht erst dort, wo das ZK für Berliner Szenefragen offenbar bereit ist die Grenze zu ziehen:

Kritik an Israel ist immer dann antisemitisch, wenn sie die Existenz des Staates der Holocaust-Überlebenden in Frage stellt, seine Legitimität bezweifelt, oder wenn sie sich mit Antisemit_innen gemein macht.

Dass man damit sogar noch hinter die gültige Antisemitismusdefinition der europäischen Union zurückfällt, die bereit ist Doppelstandards und Dämonisierungen in ihre Kriterien mitaufzunehmen und nicht erst beim ungeschminkten Antizionismus beginnt, schert die Genossen und Genossinnen offenbar wenig und ist noch weniger für sie ein Anlass, wenigstens in der Erfahrung des Gewesenen – als hätte man es nicht auch ohne Pogrome wissen können – sich solidarisch mit den Schutzmaßnahmen zu erklären, die die Juden in Form eines Staates dagegen trafen, dass sich das Geschehene wiederhole. Statt Solidarität erklären sie die Legitimität des Staates Israel, ganz so, als käme es bei der Sicherung der Existenz dieses Staates auf Lippenbekenntnisse, statt auf Waffengewalt an. Wir finden es ganz erfreulich, dass der Staat Israel nicht darauf angewiesen ist, dass deutsche Linke seine Legitimität abnicken, wissen wir doch, dass diese ihm mit Sicherheit nicht dann beistehen werden, wenn er tatsächlich einmal Mittel zu ergreifen wagt, die seinen Fortbestand garantieren. Dann nämlich wird man unparteiisch und übt sich in solidarischer Kritik an denjenigen, die ihn angreifen:

Bemühungen, eigene Positionen dagegen zu immunisieren und sich unmissverständlich abzugrenzen, haben wir nicht nur bei den Unterstützer_innen der „Freedom–Flottilla“ vermisst.

Bei den Unterstützern der Freedomflottilla, jener Flotte also, die mit den Rufen „Khaybar, Khaybar, oh Juden, die Armee Mohammeds wird über euch kommen“ den Hafen verließ und damit an das antijüdische Pogrom bei Khaybar 628 erinnerte, vermissten sie also eine „Immunisierung ihrer Positionen“ gegen Antisemitismus. Spätestens das ist dann eine Geschmacklosigkeit, die es beim besten Willen unmöglich macht, an der Demonstration teilzunehmen. Wenn man sich vorstellt, dass deutschen Antifaschisten angesichts der Volksmassen, die 1938 die Enteignung und Verfolgung der Juden unterstützten, nichts besseres einfällt, als zu bemäkeln, es sei den Unterstützern offenbar nicht gelungen, ihre Position gegen Antisemitismus abzugrenzen und zu immunisieren, fällt es schwer, dem Brechreiz noch etwas entgegen zu setzen.

Klickt man auf der Seite der Moabiter Antifa weiter, entdeckt man eine Roadmap für die Veranstaltung am 9. November. Darin wird das Problem verortet, die Demonstration wäre über die Jahre hinweg durch die in ihr stattgefundenen politischen Auseinandersetzungen zu einer „unerträglichen Instrumentalisierung dieses Anlasses, der TeilnehmerInnen und natürlich auch unseres Anliegens.“ geworden. Eine der administrativen Maßnahmen, dies zu unterbinden, lautet wie folgt:

Wir möchten nicht, dass Leute bedroht werden, wenn sie – zugegeben unpassenderweise – ein Palituch tragen. […]
Wir wollen keine Menschen, die Israelfahnen als Symbol für ihre eigene Politik vereinnahmen und auch nicht solche Menschen, die am 9.November diese Fahnen dann von der Demonstration verbannen wollen“ (Quelle: http://www.nadir.org/nadir/initiativ/aim/9.november_was_wir_nicht_wollen.html)

Hierzu stellt sich eine simple Frage: Wozu will die Antifa aus Moabit am 9. November auf die Straße gehen? Ginge es ihnen wirklich darum, die immer noch präsenten Grundlagen des Antisemitismus zu bekämpfen, könnte die Lösung wohl kaum lauten, den Streit zwischen denen, die die den jüdischen Schutzraum befürworten und denen, die ihn verteufeln, in einer extremismustheoretischen Manier neutral aufzuheben. Ginge es ihnen dagegen einfach nur darum, wie sie selbst schreiben, weder in „antideutscher“, noch in „linksdeutscher“, sondern schlicht in deutscher Tradition sich auf den Gräbern der toten Juden auszutoben, ohne sich mit denen befassen zu wollen, die heute ganz konkret vom Antisemitismus bedroht sind (und sich endlich zu verteidigen wissen), so machen sie alles richtig. Dafür steht auch der Hohn, der sich darin äußert, dass sie es in dem dreiseitigen Aufruf zwar problemlos schaffen, einen Exkurs zur Rehabilitation der Sowjetunion zu verfassen, aber in keiner Zeile auf heutige antisemitische Bedrohungen zu sprechen kommen.
Wir aber wollen sehr wohl das Gedenken für unsere „eigene Politik“ instrumentalisieren, sofern wir mit ihr unter den Gedenkenden alleine stehen. Es kann nicht darum gehen, angesichts des linken Szenestreits die Differenzen beizulegen, um am Tag der Reichspogromnacht mit den Feinden Israels friedlich Seite an Seite dem zu gedenken, was sich in Konsequenz ihrer Politik baldmöglichst wiederholen soll. Stattdessen halten wir die Fahne Israels hoch, um auch dem Letzten deutlich zu machen, dass Solidarität mit diesem Staat die Minimalanforderung an Antifaschismus nach Auschwitz ist.
So notwendig wir es also fänden, auch am 9. November zu zeigen, dass ein klares Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt werden muss, so unmöglich finden wir es, dergleichen auf der Gedenkdemonstration zu tun, die offenbar vornehmlich dazu dient, veritable Antisemiten dagegen zu „immunisieren“ sich allzu offen zu zeigen. Betroffenheitspolitik liegt uns nicht und ein Gedenken, das zu nichts anderem dient als antifaschistischer Selbstdarstellung, ohne daraus auch nur die mindesten Konsequenzen ziehen zu wollen, kann nicht unseres sein. So bedauerlich es auch ist, dass auch 72 Jahre nach den Pogromen sich keine Opposition findet, die im Angesicht des offenen eliminatorischen Antisemitismus seitens der Hamas und des Iran mehr leistet, als schon im Vornherein sich die Weichen dazu zu stellen, hinterher behaupten zu können, man habe erstens nichts gewusst und sei zweitens dagegen gewesen, so wahr ist es auch.
Für einen ernstzunehmenden Antifaschismus hingegen ist das nicht genug.

Wichtige Ergänzung aus den Kommentaren, ein Link auf den wesentlich besseren Aufruf der EAG:
„Da der Aufruf den du den „Antifaschisten“ zuschreibst in Wirklichkeit nur der der AIM ist, gibts hier der Vollständigkeit halber noch den der EAG:

http://jpberlin.de/antifa-pankow/9nov2010.htm “
Wurde im Artikel nachträglich korrigiert, vielen Dank für den Hinweis, der nicht ganz korrekt ist: Der Aufruf wird von ALLEN unterstützt, nur wurde er wohl von der AIM verfasst. Der Fehler lag hier bei uns.


28 Antworten auf “Zum Gedenken an die Reichspogromnacht”


  1. 1 gallup 03. November 2010 um 10:59 Uhr

    Für wen ist dieser Text eigentlich gedacht? Und was ist sein Zweck? Wenn Ihr einfach nur sagen wolltet, dass Ihr die tollsten FreundInnen Israels seid, wäre das auch kürzer gegangen. Eine inhaltliche Auseianndersetzung mit Motivation und Argumentation der OrganisatorInnen der Demo am 9.11. führt Ihr auch nicht wirklich, stattdessen billigstes Bashing in einem dreifachen logischen Kurzschluss: 1. Wer toter Juden gedenkt, hat kein Interesse an lebenden, 2. Wer abwägend formuliert, hat nichts gegen Antisemitismus und 3. Wer sich gegen Ticketpolitik mit Israelfahnen richtet, ist in Wirklichkeit ein Feind Israels. GÄHN! Lest Lieber ein gutes Buch!

    Noch eine sachliche Anmerkung: Nachvollziehbar ist Euer Argument, dass der Begriff von Antisemitismus im Demo-Aufruf unzureichend ist. Falsch ist allerdings, dass es irgendeine Deinition gäbe, die – erst recht in der EU – eine wie auch immer geartete, über das Formale hinausgehende Gültigkeit hätte. Schön wärs!

  2. 2 anti 03. November 2010 um 11:42 Uhr

    Im Idealfall wäre der Text für jemanden gedacht, der nächstes Jahr einen Demoaufruf schreibt, zu dem man gehen kann, ohne sich zu schämen.
    Wenn man hier etwas gegen Ticketpolitik hätte, dann fände ich das ansonsten absolut begrüßenswert. Unglücklicherweise ist das Gegenteil der Fall, denn in der Art wie sie aufgezogen ist, ist diese Veranstaltung wenig mehr als selbst das Ticket, das man auch locker-flockig denen ausstellt, die dann bei der nächsten Gelegenheit wieder für die Mavi Marmara Crew und ihre Freunde schreien. Man muss sicherlich keine Israelfahne tragen, um ideologiekritisch tätig zu sein – oft stellt sich das sogar als hinderlich heraus.
    Wenn allerdings Antisemitismus so systematisch verengt wird, dass am Ende wieder breiteste Bündnispolitik gefahren werden kann – wie gesagt sogar so breit, dass die unsägliche Bundestagsresolution antifaschistische Weihen erhält – dann kann man eben nur attestieren, dass die Linke sich alle Mühe gibt, sämtliche Fehler, die sie schonmal gemacht hat, zu wiederholen. Übrigens, nicht „wer abwägend formuliert“ hat nichts gegen Antisemitismus, sondern wer es ernsthaft schafft, so abwägend zu formulieren, dass er die aktuell drängendsten Bedrohungen nicht mal beim Namen nennen muss, hat auf jeden Fall Glaubwürdigkeitsschwierigkeiten.
    (Nebenbei bemerkt, vor dem gleichen Problem steht Obama ja auch gerade, dem es nicht einfällt, mal die Bomben an jüdische Gemeindeeinrichtungen als antisemitische Anschläge zu denunzieren, aber das nur am Rande.)
    Dass die Antisemitismusdefinition der EU mangelhaft ist – geschenkt. Dass sie trotzdem noch besser ist, als das was man hier auffährt, bleibt dennoch traurige Tatsache.

    Da ansonsten der Wunsch danach, zu gedenken absolut verständlich ist:
    Die jüdische Gemeinde führt die Kinderoper Brundibar auf, das scheint mir eine vernünftige Ausweichveranstaltung zu sein.

  3. 3 Robert / K's Kriegstheater 03. November 2010 um 13:45 Uhr

    Danke für den phantastisch scharfsinnigen Text, ich werde ihn bei der Kundgebung verteilen.

  4. 4 me 03. November 2010 um 18:26 Uhr

    it’s all just a little bit of history repeating:

    http://libertetoujours.atspace.com/texte/06-moabit-flugi.htm

  5. 5 Nur so 03. November 2010 um 22:23 Uhr

    Da der Aufruf den du den „Antifaschisten“ zuschreibst in Wirklichkeit nur der der AIM ist, gibts hier der Vollständigkeit halber noch den der EAG:

    http://jpberlin.de/antifa-pankow/9nov2010.htm

  6. 6 holla 04. November 2010 um 5:59 Uhr

    Der Aufruf der EAG ist inhaltlich sicher näher an der Intention des Artikels von anti, allerdings bleibt es dabei, dass mehr oder minder die gesamte Berliner Antifa inklusive EAG einen unerträglichen Kuschelkurs fahren, wenn es darum geht, an den NS zu errinnern und Konsequenzen daraus zu ziehen. Ich finde das Ansinnen der AIM, eine Konfrontation auf einer Veranstaltung zum 9.November zu vermeiden, durchaus verständlich. Ich hätte auch keine Lust mit Menschen zu diskutieren, welche mit ihren „für Antisemitismus anschlussfähigen Positionen“ den Opfern des NS aufs Grab spucken und sich dabei als Antifaschisten fühlen. Aber der Ausweg kann sicherlich nicht sein trotzdem zur Demo zu moblilsieren und irgendwie auch ein Flugi zu produzieren, welches potentielle Teilnehmer über den Charakter der Veranstalter im unklaren lässt.
    Diese Vielzahl von verschiedenen Positionen und Aufrufen spricht eben nicht für, sondern gegen die Demo. Die EAG macht in Meinungspluralismus und wertet mit Positionen eine Veranstaltung auf, die es nach allem, was von den Veranstaltern zu hören ist, nicht verdient hat.

  7. 7 egal 06. November 2010 um 1:48 Uhr

    holla, anti, ihr seid peinliche wichtigtuer. klar, zum 9. november müsst ihr unbedingt euer spezielles ultraunversöhnliches häufchen machen. warum? weil in einem aufruf einer gruppe, die seit 20 jahren antifa-arbeit mach, nicht der gleiche verbalradikalismus gepflegt wird wie bei euch im blog. wegen profilneurotikern wie euch ist israelsolidarische politik in berlin so gut wie unmöglich. gallup hat avöllig recht, und ich hab hier schon zu viel zeit verschwendet.

  8. 8 anti 06. November 2010 um 2:01 Uhr

    Nach dieser Logik sollten wir dann wohl schnellstens in die SPD eintreten. Schließlich kann diese Gruppe schon mit über 100 Jahren versöhnlicher Politik aufwarten. Es sollte bekannt sein, welche Folgen das zeitigte.

  9. 9 holla 06. November 2010 um 18:38 Uhr

    @ anti: schnauze halten, hier wird politik gemacht!

  10. 10 get a life 07. November 2010 um 6:33 Uhr

    wie armseelig,maskiert eure profilneurose doch bitte nicht als kritik,die zwanghafte abarbeitung eines klitscheehaft antideutschen floskel-katalogs,der vor inhaltsleere nur so trieft, an hand von aus dem zusammenhang gerissenen und sinnenstellend gekürzten Zitaten, ist nichts anderes der klägliche Aufschrei einer kleinen schar von gelangweilten Wohlstandskindern nach Aufmerksamkeit,die ihr im Grundstudium mehr schlecht als recht angesammeltes Halbwissen über israelbezogenen Antisemitismus mit stolz geschwellter Brust zu Schau tragen versuchen.Adressatin ist eine „deutsche Linke“, für die zwar keine Hoffnung mehr besteht,die aber merkwürdigerweise als wichtigster,wenn nicht gar alleiniger,Bezugspunkt für die Kritik verbleibt.Bietet sie doch die ideale Vorlage für die Konstruktion eines Feindbildes,in Abgrenzung dessen sich in aller Ruhe über die richtigkeit des eigenen so mühsam zusammengeschustert schwarz-weißen Weltbildes ideoliogisch vergewissert werden kann.Wenn es die „deutsche Linke“ nicht geben würde,müsste die „antideutsche“ Assoziation sie erfinden,mit was sollte mensch sich auch die Zeit totschlagen,wenn die Unitexte mal wieder in bester Strebermanier ausgelesen sind und sich keine sinvolle Alternative auftut.Die „deutsche Linke“ ist bekanntlich das Zentrum um da sich alles dreht und an der es sich abzuarbeiten gilt, für so profane Dinge wie antisexistische Mindeststandards in der verwendten Sprache („man“ lässt grüßen) oder gar einer radikalen Gesellschftskritik über den eigenen identitätspolitischen Verengung hinaus bleibt dabei selbstverständlich keine Zeit. Eine „ideologiekritik“ wie sie deutscher nicht sein kann.

  11. 11 Nur so 07. November 2010 um 12:58 Uhr

    Wichtige Ergänzung aus den Kommentaren, ein Link auf den wesentlich besseren Aufruf der EAG:
    „Da der Aufruf den du den „Antifaschisten“ zuschreibst in Wirklichkeit nur der der AIM ist, gibts hier der Vollständigkeit halber noch den der EAG:

    http://jpberlin.de/antifa-pankow/9nov2010.htm
    Wurde im Artikel nachträglich korrigiert, vielen Dank für den Hinweis, der nicht ganz korrekt ist: Der Aufruf wird von ALLEN unterstützt, nur wurde er wohl von der AIM verfasst. Der Fehler lag hier bei uns.

    Schade, dass euer Drang, immer das „Schlimmste“ zu folgern so ausgeprägt ist. Du erkennst richtig, dass der Aufruf allein von der AIM verfasst wurde. Unter dem Aufruf steht dementsprechend auch nur diese Gruppe. Daraus dass auf der Startseite verschiedene Gruppen als UnterstützerInnen aufgeführt sind, folgerst Du prompt, dass diese nicht nur die Aktion, sondern auch den Aufruf unterstützen. Wie kommst du darauf?

  12. 12 anti 07. November 2010 um 14:16 Uhr

    Im Grunde erübrigt es sich, auf solche rancunegeladene „Armseeligkeit“(sic!) auch noch zu antworten, zumal man nicht wird erwarten können, dass auch nur ein Grundverständnis für Gesellschaftskritik bei Leuten vorhanden ist bei Leuten, die sich allen Ernstes „antisexistische Mindestandards der Sprache“ einfordern und darunter verstehen, auf das Wörtchen man zu verzichten. Es sei daher nur der Vollständigkeit halber und der guten Sitten wegen, namentlich jenen, dass wir unsere Leser natürlich nicht dumm sterben lassen wollen folgendes angemerkt.

    1) „Man“ durch „Mensch“ zu ersetzen ist kein „antisexistischer Mindeststandard der Sprache“ sondern identitärer Distinktionsgewinn. Nicht nur, dass wir qua Affinität zur Ideologiekritik nicht daran glauben, dass das „diskursive Sprengen einer heteronormativen Sprachmatrix“ irgendeinen Sinn hätte, mehr noch: selbst diejenigen, die das glauben, müssten einsehen, dass „Man“ und „Mensch“ etymologisch ohnehin aus der gleichen Wurzel stammen, die bei beiden gleichermaßen „männlich“ ist.
    2) Wer auf solchen identitären Distinktionsgewinn Wert legt, nur um im nächsten Satz zu benörgeln sich darüber zu beschweren, dass nichts übrig bleibt „über den (sic!) eigenen identitätspolitischen Verengung“ [Wir schätzen übrigens grammatikalische Mindeststandards der Sprache, das am Rande.) blamiert sich bestenfalls und das nicht nur der eigenen Heuchelei wegen: dass man gesellschaftskritisch bankrott ist zeigt sich schon daran, dass man keinerlei Argumente mehr findet gegen den politischen Gegner, ausser dass er eine Position bezöge, die nun als Identitätspolitik verschrien wird während man selbst sich natürlich abseits der Positionierungen befindet. Das Wort der zwanghaft Politikbetreibenden ist auch hier angebracht: man wähnt sich als „Spezialisten fürs Allgemeinwohl“ (Erhard).
    3) Wie man darauf kommt, man prahle hier mit im Grundstudium angelesenen Wissen über Israelbezogenen Antisemitismus ist mir auch rätselhaft, es genügte ja bereits zur Kritik des Aufrufs, schlicht ein wenig auf den Jargon zu achten, in dem er formuliert ist. Vgl. die Formel über Anschlussfähigkeit.
    4) Ansonsten: Dass man immer noch nicht verstanden hat, dass nicht die deutsche Linke sondern Einzelne Adressaten sind, dass dies zur Zeit der vornehmliche Duktus ideologiekritischer Auseinandersetzung ist, zeigt anschaulich wie tief man der Massenpolitik verhaftet ist.

    Soviel dazu.

    Zum Kommentar Nur sos:

    Das ist eine Frage der politischen Aussenwirkung. Ein Benutzer des ADF stellte dazu schon die korrekte Frage, ich zitiere ihn hier einmal ohne Namensnennung:

    „…but the question now is why therefore are they still taking part in this demo when their Aufruf is entirely different from the original one? Why would anyone want to go along on the 9th of November to be the token „Anti-Germans“ at a left-wing demonstration which clearly has almost no interest in mentioning (let alone tackling) anti-Semitism?“

    Dass der Angriff auf den Aufruf unterblieb dafür, dass selbiger Aufruf es unterbleiben ließ Antisemitismus zu „tacklen“ ist für uns schon Grund genug, auch die EAG in die Kritik miteinzubeziehen. Auch von der ANA erwarten wir eigentlich, dass sie zumindest theoretisch in der Lage sind, besseres zu formulieren. Die mitschwingende Frage ist, warum sie’s nicht tun.

  13. 13 g. nervt 11. November 2010 um 19:07 Uhr

    Genau, ihr antis! Wegen sowas regt ihr euch auf? Wegen ein paar Textstellen in einem Aufruf zum Gedenken an die Novemberpogrome?
    Merkt ihr nicht, wie ihr mindeststandardmissachtend die Bewegung kaputt machen tut? Wir tun wenigstens etwas *heul heul heul*

    Kämpferische Parole!

    Mal ernsthaft: Allein wegen mancher Reaktion hat sich der Text gelohnt.

  14. 14 Jane 11. Dezember 2010 um 11:20 Uhr

    „Wirklich Rückgrat zeigen – das wäre, wenn man sich für das Lebensrecht der heutigen Juden einsetzte. Der kritische Punkt, der bei all den schön formulierten Trauerbekundungen zum 9. November immer umgangen wird, ist doch, dass man, wenn man es ernst meinte, für den Staat Israel einstehen müsste. Denn dort genießen Juden Schutz vor Verfolgung.“

    Anhand dieses Zitates lässt sich eigentlich das Gerede von „Nie wieder!“ und „echter Trauerkultur“ als Feigenblättchen ideologisch verbohrter Politschwadroneure oder religiöser Fanatiker entlarven. Es geht Leuten wie dem Betreiber dieses Blogs oder dem Pfarrer Beckmann gar nicht um den Schutz jüdischen Lebens, geschweige denn um den Schutz des Lebens so vieler Menschen wie möglich, unabhängig von ihrer Provenienz oder ihrem Glauben. Nein – es geht schlicht und ergreifend um das Hofieren der Interessen eines Staates, der sich nach außen den Anschein einer Demokratie gibt, nach innen aber eine 2-Klassen-Gesellschaft betreibt, die anhand der Ethnie bzw. der Religion festlegt, wer am Rechtsstaat teilhaben darf bzw. wer davon weitestgehend ausgeschlossen bleibt.
    Wenn ich jüdisches Leben schützen will, bedeutet das eben nicht zwangsläufig, den Staat Israel bedingungslos unterstützen zu müssen. Lediglich 1/3 aller Juden weltweit lebt in Israel, die meisten anderen führen ein ganz normales Leben in anderen Staaten dieser Welt, ohne in irgendeiner Weise bedrohter zu sein, als die in Israel lebenden Juden.
    Ich würde sogar sagen, dass ein Jude in Berlin heute um ein Vielfaches sicherer lebt, als einer in Sderot.

    Wer Rückgrat zeigen will, der sollte sich vielmehr gegen JEGLICHE Form des religiösen Fanatismus und vor allem des Nationalismus und Rassismus wenden. Israel ist weit davon entfernt, Staat und Gesellschaft davon befreit zu haben. Wer Israel *bedingungslos* unterstützt, unterstützt Fanatismus, Aggression (Erweiterungspolitik in Palästina) sowie ethnische Segregation und damit einhergehende Diskriminierung innerhalb der israelischen Gesellschaft.
    Wer hingegen die Menschen in Israel schützen will, der sollte sie vor allem vor sich selbst schützen und für eine 2-Staaten-Lösung kämpfen, die es längst hätte geben können. Erst, wenn die völkerrechtswidrige und menschenverachtende Besatzungspolitik endet und ein lebensfähiger freier Palästinenserstaat entstanden ist, werden die Menschen in Israel sicher sein. Solange Israel aber nicht einmal verhandelt, wird das dazu nicht kommen.

  15. 15 Stanislaw Hirschfeld 11. Dezember 2010 um 11:45 Uhr

    „Lediglich 1/3 aller Juden weltweit lebt in Israel, die meisten anderen führen ein ganz normales Leben in anderen Staaten dieser Welt, ohne in irgendeiner Weise bedrohter zu sein, als die in Israel lebenden Juden.“ (Jane, Israelkritikerin, was auch sonst?)

    Mal vorausgesetzt, die angeführten Behauptungen seien richtig: Wie bekloppt muß man sein, keinen Zusammenhang zwischen der Existenz eines gut bewaffneten jüdischen Staates und einem „ganz normalen Leben“ der nicht in Israel lebenden Juden erkennen zu können? Sehr? Extrem? Außerordentlich?

  16. 16 bigmouth 11. Dezember 2010 um 12:21 Uhr

    israel würde als militäroperationen anfangen, wenn es pogromme gegen juden ins sagen wir mal… kanada gäbe?

  17. 17 anti 11. Dezember 2010 um 12:29 Uhr

    Vielen Dank, Stanislaw. Du hast mir die Aufregung erspart, selbst auf diesen Nonsense antworten zu müssen. Der Vollständigkeit halber sei trotzdem noch angemerkt, dass selbst wenn es sich so verhielte, dass _nur_ die in Israel lebenden Juden dem Antisemitismus ausgesetzt wären, es an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten ist, daraus dann nicht etwa die Notwendigkeit der Bekämpfung des Antisemitismus abzuleiten, sondern eine gegen „jegliche Form religiösen Fundamentalismus“, so als ginge es bei der Existenz Israels um eine religiöse Fragestellung, nicht etwa um eine Verfolgung wegen Antisemitismus.
    Was die einzelnen Kritikpunkte angeht, hat der Gründer von Human Rights Watch einiges gesagt, was man Israelkritikern nonstop um die Ohren hauen sollte.

    http://www.ngo-monitor.org/article/human_rights_in_the_middle_east

  18. 18 LW 12. Dezember 2010 um 0:12 Uhr

    Bigmouth & anti, wie bescheuert kann man eigentlich sein?

    Was glaubt ihr Deppen eigentlich, warum es („z.B. in Kanada“, wohl eher: in der BRD) keine Pogrome gegen Juden (mehr) GIBT?!

    Ihr seid Deutschland, echt.

  19. 19 anti 12. Dezember 2010 um 0:16 Uhr

    Jetzt bleibt irgendwie die Frage, wie du es schaffst, die Positionen von Bigmouth und mir in eins zu werfen.

  20. 20 LW 12. Dezember 2010 um 3:25 Uhr

    Sorry, ich meinte nicht dich, sondern natürlich Jane.

  21. 21 bernd 12. Dezember 2010 um 10:49 Uhr

    „… so als ginge es bei der Existenz Israels um eine religiöse Fragestellung, nicht etwa um eine Verfolgung wegen Antisemitismus.“

    dass auch beides zusammen gehen könnte, kommt dir aber nicht in den sinn, was?!

  22. 22 bernd 12. Dezember 2010 um 10:52 Uhr

    „Was glaubt ihr Deppen eigentlich, warum es („z.B. in Kanada“, wohl eher: in der BRD) keine Pogrome gegen Juden (mehr) GIBT?!“

    ja warum eigentlich gibt’s keine pogrome gegen mehr in deutschland? was glaubst du oberdepp eigentlich, was das mit israel und nicht etwa der verfasstheit des deutschen staates zu tun hat?!

    du bist isreal, echt.

  23. 23 bernd 12. Dezember 2010 um 10:53 Uhr

    „gegen juden“ meinte ich ;)

  24. 24 bigmouth 12. Dezember 2010 um 10:57 Uhr

    also, inwiefern erzeugt israel weniger antisemitismus in westlichen staaten?

  25. 25 LW 12. Dezember 2010 um 15:50 Uhr

    @bernd: Hör auf zu trollen und halt die Klappe.

    @bigmouth: Lern mal lesen. Da steht nichts von „weniger Antisemitismus“, sondern was von Pogromen.

  26. 26 bigmouth 12. Dezember 2010 um 20:11 Uhr

    also, inwiefern weniger pogrome?

  27. 27 bernd 13. Dezember 2010 um 0:07 Uhr

    vergiss es, bigmouth. obertroll lw hat keine antworten, der will nur rumpöbeln. wird wirklich zeit, dass er mal in die politik geht.

  28. 28 me 24. Januar 2011 um 20:21 Uhr

    @Bigmouth: warum es wegen Israel weniger Pogrome geben soll ist mir auch nicht ganz klar aber wenigstens wissen die Juden heute wohin sie gehen können wenn die Pogrome mal wieder an der tagesordnung sind.

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