Flugblatt zur Kundgebung gegen die Inhaftierung der deutschen Journalisten im Iran

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Vor etwa einem Monat wurden zwei deutsche Journalisten in der Stadt Täbris, im Nordwesten Irans festgenommen. Ihnen wird unterstellt, ohne staatliche Genehmigung ein Interview mit dem Sohn der zu Tode durch Steinigung verurteilten Sakineh Mohammadi Ashtiani zu führen beabsichtigt zu haben. Die Journalisten wurden zusammen mit dem Sohn und dem Anwalt Sakinehs im Büro desselben festgenommen.

Am Montag, dem 15. November wurden die beiden verhafteten Journalisten im iranischen Fernsehen vorgeführt. In einer auf Farsi gehaltenen akustischen Überblendung wird suggeriert, die beiden würden „Fehler“ eingestehen. Ferner wird die in Deutschland lebende Menschenrechtlerin Mina Ahadi beschuldigt, die Eskalation im Sinne des Aufsehens um die eigene Person herbeigeführt zu haben. Ahadi, die Gründerin des internationalen Komitees gegen Steinigung und scharfe Kritikerin des iranischen Regimes, soll die beiden Reporter zu der Aktion angestiftet haben, so das iranische Fernsehen. Auch Sakineh selbst ist in der Sendung zu sehen. Mit der gleichen Überblendung gesteht sie scheinbar ein, eine „Sünderin“ zu sein.

Das iranische Regime ist im Zuge der Kampagne gegen die Steinigung in internationalen Druck geraten, in Folge dessen es sich genötigt sah, die Steinigung vorerst auszusetzen. Die Verhaftung der deutschen Journalisten wird offenbar dazu genutzt, mithilfe propagandistischer Mittel die Souveränität nach innen und außen aufrecht zu erhalten. Die Selbstbezichtigungen der deutschen Reporter und Sakinehs sollen über den despotischen Charakter des islamischen Regimes hinwegtäuschen, für das die Gleichberechtigung der Frau und unabhängige Presse undenkbar sind und der in mittelalterlichen Strafmaßnahmen wie der Steinigung noch nicht das letzte Wort gesprochen wissen will. Obwohl die Steinigung der Sakineh Mohammadi Ashtiani vorerst ausgesetzt wurde, wurde die Steinigung einer anderen Verurteilten , Shahla Jahed, für den 1. Dezember angekündigt. Scheinbar um zu zeigen, dass man sich politischem Druck nicht beugen wird, versucht das iranische Regime somit eine Steinigung durchzuführen, für die eine effektive internationale Mobilisierung zu kurzfristig wäre. Auch das Todesurteil Ashtianis ist nicht aufgehoben. Es muss befürchtet werden, dass es in anderer Form vollzogen wird.

Da die Steinigung von Frauen als besonders barbarisch und nicht zu unrecht als voraufklärerischer Anachronismus erscheint, ist es auch im Sinne der Schicksale der verurteilten Frauen wert dafür zu kämpfen, Druck von außerhalb zu erzeugen, um Steinigungsurteile anzufechten. Um einen adäquaten Umgang mit der islamischen Republik Iran zu finden, darf man sich jedoch keine Illusionen über deren Wesen machen. Die Steinigungen sind nur einer von vielen möglichen Ausdrücken des Schariarechtes, das für das Regime ausserhalb der Diskussion steht. Die Frau ist diesem Recht zufolge nichts als eine Institution, die den Zweck erfüllen muss, für die Reproduktion der islamischen Gemeinschaft zu sorgen. Die Aufgabe des Mannes im Islam ist jedoch der Djihad – zum einen der „kleine Djihad“, also die Entsagung der weltlichen und sinnlichen Wünsche nach innen und zum anderen der „große Djihad“, also die Expansion des Islams nach außen. Die Frau muss als Ehefrau für bevorzugt männliche Nachkommen sorgen. Als Mutter muss sie für die Erziehung ihrer Kinder zu Kriegern des Islams garantieren. Die Verhüllung der Frau in Gesellschaften, in denen die Scharia Einfluss hat, symbolisiert insofern den „kleinen Djihad“ – er soll den Mann vor der sexuellen Versuchung schützen und markiert die Frau zugleich als rein sexuelles Objekt, das sich dem Ehemann nach islamischen Recht sexuell nicht verwehren darf.

Eine Frau, die Ehebruch begeht verstößt gegen sämtliche Grundpfeiler der islamischen Gesellschaft indem sie einerseits aus der Rolle der Institution ausbricht und andererseits als selbstbestimmtes Subjekt agiert, das eigene Interessen verfolgt, die nichts mit dem Djihad zu tun haben.

Das islamische Regime ahndet solcherart Verstöße möglichst brutal und demonstrativ, um Exempel zu statuieren, da sie ihn an seiner empfindlichsten Stelle treffen. Die Frau als „Ausgangspunkt der islamischen Gesellschaft“ (Fathiyeh Naghibzadeh) ist unersetzbar.

Der Angriff auf einzelne Steinigungen mag zwar unter Umständen helfen, diese Praxis einzudämmen und vielleicht sogar auf lange Sicht gesehen zu beseitigen. Dabei sollte man sich allerdings stets vor Augen führen, dass diese Praxis nur ein Symptom einer Gesellschaft ist, die systematisch darauf angewiesen ist, das Selbstbestimmungsrecht der Frau zu negieren sowie jegliche Emanzipationsmöglichkeiten des Individuums möglichst weitgreifend zu verunmöglichen.

Das Skandalisieren der barbarischen Mittel des Regimes zur eigenen Selbsterhaltung muss von daher einher laufen mit der Forderung der Säkularisierung der iranischen Gesellschaft, also mit nichts geringerem als dem Umsturz des Mullahregimes.

Die deutsche Politik und ihre Apologeten der Presse haben währenddessen alles andere als eben dies im Sinn, wenn sie zu den neuen Geschehnissen nichts weiter betreiben als Appeasement der widerwärtigsten Art. So fragt sich Miriam Lau von der „Zeit“ allen ernstes, ob „sie (Mina Ahadi), so lautet ein oft geäußerter Verdacht, den Sohn Sakineh Ashtianis und die beiden ahnungslosen Journalisten in die Falle der Mullahs (hat) tappen lassen, um so ein Exempel zu statuieren“. Die Absurdität dieses Vorwurfs verdeckt geradezu das nüchterne Kalkül einer Position, die das islamische Regime als das affirmiert, was es sein will – ein naturgegebener Souverän, der keine Schuld an der Abstrafung derer trägt, die gegen seine Regeln verstoßen. Dass jemand im Iran die Rechte einfordert, die in anderen Staaten schon seit langer Zeit Selbstverständlichkeit geworden sind, wird so zu einer Angelegenheit Fremder reduziert, in die sich einzumischen nicht in Frage kommt.

Die Misanthropie dieser Position, die die iranische Bevölkerung mit ihrer menschenverachtenden Führung alleine lässt, wäre an sich schon schlimm genug. Dass der Iran allerdings nicht nur Innenpolitik betreibt wird nicht zuletzt an seinen andauernden Polemiken und Drohungen wider den jüdischen Staat ersichtlich. Lau stellt sich mit ihrem Vorwurf an Ahadi auf die Seite jenes eliminatorisch-antisemitischen Regimes, dessen Streben nach der Atombombe für Israel eine existentielle Bedrohung bedeutet. Dass man keine Gelegenheit auslassen wird, seinen Einflussbereich auszudehnen und die Prinzipien der Scharia auch über Grenzen hinweg oder im Konflikt mit anderen Staaten auszuweiten, bewies man bereits so einprägsam wie blutig beim Berliner Mykonos-Attentat. Auch im aktuellen Fall hat man nicht nur zwei ausländische Journalisten festgenommen – man benutzt die Festnahme zudem als Mittel, die Regimegegnerin Mina Ahadi zu diffamieren. Die Tatsache, dass sich die deutsche Presse für das Regime einspannen lässt reicht offensichtlich nicht für einen Skandal aus. An Freunden der Barbarei scheint es in Deutschland nach wie vor nicht zu mangeln.

Der Djihad, den die islamische Republik zu ihrer Staatsdoktrin erhoben hat, endet erst, wenn alle seine Feinde bezwungen sind. Die Gefahr, die von diesem Regime ausgeht beschränkt sich daher nicht nur auf die eigene Bevölkerung und Israel, sondern auf alles, was an die vom Regime verhasste, westliche Freiheit auch nur entfernt erinnert.

Die Befreiung all derer, die im Iran leben und die menschenfeindliche Herrschaft der Scharia satt haben geht einher mit der Befreiung der Welt von einer Bedrohung eines atomar gerüsteten Regimes, das den Tod anstatt des Lebens verehrt.


1 Antwort auf “Flugblatt zur Kundgebung gegen die Inhaftierung der deutschen Journalisten im Iran”


  1. 1 blubb 21. Dezember 2010 um 17:19 Uhr

    http://de.indymedia.org/2010/12/296837.shtml

    schreibt doch mal hierzu was :)

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