Archiv für September 2014

„Gemeinsam gegen Antisemitismus! Gemeinsam gegen Israel?“

Hiermit dokumentieren wir ein Flugblatt der Assoziation Wiederholungszwang brechen, das auf der vom Zentralrat der Juden in Deutschland initiierten Allparteien-Kundgebung mit dem Titel „Steh auf, nie wieder Judenhass“ vor dem Brandenburger Tor verteilt wurde.



Gemeinsam gegen Antisemitismus! Gemeinsam gegen Israel?

(Text als PDF)

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist schon ein besonders absurder Treppenwitz der Geschichte, wenn eine Veranstaltung zur Rettung der „Israelkritik“, die skurrilen agents provocateurs auf den Plan ruft, die sie verdient, weil sich Unterstützer wie „Gegner“ in der Sache bereits einig sind: gemeinsam gegen Antisemitismus, gemeinsam gegen Israel. Dass das wohlfeile „Nie-wieder!“-Geschwafel in Deutschland ungefähr soviel Gewicht hat wie die Sicherheit Israels „Teil der deutschen Staatsräson“ (Angela Merkel vor der Knesset) ist oder wie die im selben alt-europäischen Geist stets markig verkündeten und stets konsequenzlos überschrittenen roten Linien Obamas, zeigt sich (nicht nur) bei jedem der Selbstverteidigungskriege Israels immer wieder. Zur Erinnerung: Im Sommer 2010, als die humanitäre Terroristen-Flotilla Mavi Marmara von der israelischen Navy im Mittelmeer aufgebracht wurde und dabei 9 Jihadisten von israelischen Soldaten aus Notwehr erschossen wurden, gab es nicht nur auf dem Frauendeck, auf das sich die Abgeordneten der Linkspartei, Inge Höger und Annette Groth, aus gender-sensiblem Respekt vor der islamischen Geschlechterapartheid zurückgezogen hatten, kein Halten, sondern in ganz Deutschland auch keine Parteien mehr. Ein interfraktioneller Antrag, dem Bundestag zur Entschließung vorgelegt, wurde nämlich kurz darauf einstimmig angenommen. In diesem sah das deutsche Parlament starke Hinweise dafür gegeben, dass – ein antizionistischer Evergreen – der „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt“ worden sei und forderte: „die unmittelbare, bedingungslose und dauerhafte Öffnung von Zugängen zu Gaza für den Verkehr von humanitärer Hilfe, kommerziellen Gütern und Personen nach und aus Gaza“. Darüber hinaus wurde die Bundesregierung angehalten, „die Forderung der Europäischen Union nach einer sofortigen Aufhebung der Gaza-Blockade mit Nachdruck zu unterstützen“. Unterschrieben für ihre jeweiligen Fraktionen haben dieses infame Dokument Volker Kauder und Dr. Hans-Peter Friedrich, Dr. Frank-Walter Steinmeier, Birgit Homburger sowie Renate Künast und Jürgen Trittin. Philip Mißfelder, der illustre Putin-Intimus und Kuratoriums-vorsitzender des Koordinierungsrates gegen Antisemitismus betonte damals gegenüber Wolfgang Gehrcke stolz den „gemeinsamen Boden“, den man in dieser Frage mit der Linkspartei teile. Dieselben Forderungen also, mit denen die medialen Agenturen des gesunden Volksempfindens zuverlässig die Kriege der Hamas begründen und wegen deren Erfüllung die Hamas diese auch überhaupt führen kann. Denn natürlich wurden die Hilfsgüter, wie etwa der in Unmengen gelieferte Zement, nicht dem Aufbau ziviler Infrastruktur zugeführt, sondern diese gingen ebenso wie unzählige Kinder und Jugendliche für den Bau der Terrortunnel und Bunker der gar nicht einmal so heldentodgeilen Führer der bärtigen Faschisten drauf. Dass humanitäre Hilfe jederzeit, auch während aller Kriege, in den Gazastreifen kommt und dort niemand Hunger leidet, muss genauso wenig betont werden, wie dass die Aufhebung der Blockade einen noch verheerenderen Krieg notwendig gemacht hätte und in Zukunft machen wird. Denn jeder, der es wissen will, weiß, dass es der Hamas nicht um humanitäre Hilfe, kommerzielle Güter oder den freien Personenverkehr, also politische Forderungen, die einer Kompromisslösung zugänglich wären, geht: Ihr Ziel ist die Vernichtung der Juden. Wer’s nicht glauben mag, werfe nur einen Blick in ihre Charta. Wer das verschweigt und den sog. Nahostkonflikt auf einen territorialen Streit zwischen zwei politisch und moralisch gleichberechtigten bzw. gar -wertigen Konfliktparteien herunterbringt, wird zum Komplizen, betreibt die Rationalisierung des antisemitischen Hasses. An dieser beteiligen sich parteienübergreifend so gut wie alle namhaften deutschen Politiker mit schöner Regelmäßigkeit. Um ein paar beim Namen zu nennen: Martin Schulz (SPD) war Anfang des Jahres, als er nicht besonders telegen für das Präsidentenamt des Europäischen Parlaments kandidierte, nicht einmal das dümmste Gerücht über den jüdischen Staat, der nunmehr nicht als Brunnenvergifter, dafür aber als hinterhältiger Brunnenaustrockner agiere, zu blöd. Der nicht besonders kreative Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) wiederum fühlte sich kurz zuvor in Hebron an ein – ja richtig geraten – Apartheid-Regime erinnert. Und die Grünen verkauften ihre neu aufgelegte „Kauft nicht beim Juden“-Kampagne des letzten Jahres als demokratischen Beitrag zu einer „informierten Kaufentscheidung“, damit der Shekel, zumindest im Westjordanland, vorerst nicht zu sehr rollt. Von den Linken wollen wir erst gar nicht anfangen. In diese pazifistische „Moralität der Debilen“ (Eike Geisel) stimmen aber auch all diejenigen ein, die glauben, bei allen Kriegen, die Israel inzwischen in zunehmender Regelmäßigkeit aufgezwungen werden, ein „verhältnismäßiges“ Vorgehen der israelischen Armee einfordern zu müssen. Denn erstens geht die israelische Armee äußerst behutsam und selektiv gegen die Hamas vor und zweitens müsste man einmal die Frage stellen, was denn die Rede von Verhältnismäßigkeit in Bezug auf einen Gegner überhaupt meinen soll, dessen Kriegsführung nicht nur der Intention nach genozidal ist. Die Deutschen glauben, was sie lügen. Entsprechend verhält es sich mit der zunehmenden Zahl linker jüdischer Israelis, die (leider nicht ganz) ent-täuscht ihrer Heimat den Rücken kehren, weil dort die Mehrheit der Bevölkerung von ihrer antizionistischen „Krieg für Land“-Masche die Nase zurecht gestrichen voll hat und die jetzt nicht nur als nützliche Idioten, sondern als genuine Propagandisten der antisemitischen Internationale ihr zumeist dürftiges Künstler-Dasein in Berlin suchen. Es ist die Rede von der – Sie haben sie wahrscheinlich schon an ihren hetzerischen Plakaten und Flugblättern hier vor Ort erkannt – Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost, von den bei fast allen politischen Stiftungen in Berlin stets wohlgelittenen Anarchists against the Wall sowie den treibenden Kräften hinter der Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS)-Kampagne gegen den jüdischen Staat. Diese recht aktive und umtriebige Szene, die z.T. exakt dasselbe verlauten lässt, wie die Repräsentanten des deutschen Staates, der deren angegliederte NGOs und Vorfeldorganisationen im Kampf gegen Israel durchaus großzügig alimentiert (vgl.: ngo-monitor.org/…), will Israel zu dem „Juden unter den Staaten“ (Léon Poliakov) machen, zu einem Paria-Staat, der, politisch und ökonomisch, kalt gestellt, lieber heute als morgen die Segel streicht. Nur so können sie die Juden ertragen: wehrlos und unterwürfig, dem good-, genauer: ill will der weltweiten Antisemiten ausgeliefert. Die Form der Rationalisierung des Wahns ist dabei dieselbe: Wo Rauch ist (also Juden beleidigt, bedroht, angegriffen oder sogar getötet werden; wenn gegen Israel Krieg geführt wird), da ist auch Feuer (jüdische Schuld: „ethnische Säuberungen“ bisweilen auch mal der „Genozid“ an den Palästinensern, die „Apartheid(smauer)“, der „Rassismus“, „Kolonialismus“, die „Besatzung“, der „Wasser- oder Landraub“).
Die antisemitische Raserei wird konsequent als Epiphänomen verkannt, für diese zeichne das „kolonialistisch-kriegerische“ Gebaren Israels bzw. das zionistische Gebaren der „Diaspora-Juden“ verantwortlich – die plumpe Neuauflage des alten „der Jud ist schuld“-Stereotyps. Wenn die Juden weltweit doch bloß von Israel abrückten, so die Ursache und Wirkung verkehrende Unterstellung, dann kriege sich die „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“-Fraktion auch wieder ein und grüße künftig brav mit „Shalom – Salam“. Derartiger Schmarrn ist die durchaus Schule machende Todeswunschvorstellung einer wahnhaften One World. Was beide Seiten dieses postnazistischen Kippbildes aber fein außen vorlassen, das Skotom, das die Inszenierung eines pathetischen „Nie wieder!“-Kampfes gegen den Antisemitismus heute überhaupt erst ermöglicht, das ist die existentielle Bedrohung Israels durch den Iran. Wenn die politischen Repräsentanten des deutschen Staates oder die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost es mit ihrem abgegriffenen Engagement gegen den Antisemitismus auch nur ein ein wenig ernst meinten, dann müssten sie ihre Forderungen nach dem Boykott und den Desinvestitionen, sowie harten Sanktionen vehement gegen das mörderische Terror-Regime in Teheran in Anschlag bringen, der Zerschlagung und Entmachtung ihrer Satelliten, der Hizbollah im Libanon sowie der Hamas im Gazastreifen, unverzüglich zuarbeiten, Denken und Handeln so einrichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe. Ihr Handeln ist aber eine Ersatzhandlung und reagiert sich wie eh und je am Ersatzobjekt ab. Während Israel aufgrund seiner Bekämpfung dieser islamfaschistischen Mörderbanden, die im Übrigen für alle Toten politisch und moralisch die Verantwortung tragen, unablässig gemaßregelt, angeklagt, dämonisiert und dadurch delegitimiert wird, verliert man über die Sponsoren und Hintermänner dieses Stellvertreterkrieges kein Sterbenswörtchen, sondern gewährt dem Iran qua Atomverhandlungen, die Zeit, den er für den Bau seiner Wunderwaffe benötigt. Trotz der mehrfach angekündigten nuklearen Vernichtung Israels, ist die deutsche Wirtschaft schon auf dem Sprung, noch bevor das ohnehin unzureichende Sanktionsgerüst auch nur ansatzweise bröckelt. Anstatt den Iran wegen seiner terroristischen Worte und Taten in die Knie zu zwingen – Deutschland ist sein größter Wirtschaftspartner im Westen – loten von der Körber-Stiftung über den Nah- und Mittelostverein (NUMOV) die ökonomischen und politischen Eliten hierzulande bereits seit Monaten die erhofften Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit aus. Lassen Sie sich nichts vormachen, der Kampf gegen Antisemitismus besteht nicht darin vom „Apartheidsstaat“ abzurücken, damit das „Wirtsvolk“ befriedigt nach Hause gehen kann.

„Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder.“
(Paul Spiegel)

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.