Archiv der Kategorie 'Ankündigungen und Kommentare'

Gefangene der Farben.

Aufgabe der Kunst ist es heute, Chaos in die Ordnung zu bringen.
Theodor W. Adorno, Minima Moralia.

Drei Jahre habe ich nun innerhalb der Grenzen der Dunkelheit nach Antworten gesucht. Ich brauche Großherzigkeit, kein Mitleid und keine andere Vergebung als diejenige, die mir von meinem Gott gewährt wird. Ich weiß, dass meine Geschichte mit Vergebung enden wird, aber vergessen wir für einen Moment dass ich drei Jahre lang erfolglos um meine Rechte gekämpft habe und dass ich meine Unschuld in Ohren geschrien habe, die im besten Falle taub sind.

Ich glaube, dass Kunst aus angespannten Umständen entsteht: Angespannter Menschlichkeit, angespannten Finanzen, angespannten Emotionen. Schließlich lernt man ernst um sein Leben zu paddeln, wenn das Ertrinken einsetzt.
Ich bin da keine Ausnahme.

Ich weiß nicht, über welchen Pfad du zu meinen Bildern gekommen bist. Und offen gestanden, es is nicht wichtig.
Ich weiß, dass es Liebe ist, die dich hierher geführt hat. Liebe zum Leben, Liebe zur Menschheit, Liebe zum Glauben.
Diese Bilder sind der Beweis, dass selbst in den dunkelsten Abgründen menschlichen Lebens zumindest noch das Gefühl der Sicherheit bleibt. Schließlich kann man kein Gefangener von Hoffnung und Träumen bleiben.

Du, dessen Freundschaft ich grundlos schätze: Bete für die Delaras von anderswo.

Delara Darabi.

Chaos in der Ordnung.

Alle Bilder von Delara Darabi.

Islamfreunde und Muselhasser

Ayyub Axel Köhler

„Krieg den deutschen Zuständen! Allerdings! … Mit ihnen im Kampf ist die Kritik keine Leidenschaft des Kopfs, sie ist der Kopf der Leidenschaft. Sie ist kein anatomisches Messer, sie ist eine Waffe. Ihr Gegenstand ist ihr Feind, den sie nicht widerlegen, sondern vernichten will.“ Karl Marx, 1843 (MEW 1, 380)

Kritik, die den Namen verdient, ist notwendigermaßen antiideologisch. Sie darf keinen Gedanken daran verschwenden, wem sie ins Gehege passt, wem sie nützt oder wer durch sie geschützt oder auch verurteilt wird. Weshalb die Ideologiekritik landläufig mit dem Attribut “antideutsch” beschlagen wird und weshalb eine Kritik am Islam, die die notwendige Radikalität besitzt, nur antideutsch sein kann , lässt sich gerade wieder an der deutschen „islamkritischen“ Teilhabe am Schicksal der Teilnehmer und Teilnehmerinnen der deutschen Islamkonferenz bebildern.

Der Kritik am Islam nämlich ist es reichlich egal, ob sich Ayyub Axel Köhler, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, von Terroristenfreunden wie Ibrahim El Zayat begleiten lässt. Sie schert sich einen feuchten Kehricht darum, ob der Koordinierungsrat der Muslime , dessen Sprecher gerade fraglicher Ayyub Axel Köhler ist, seine Zustimmung zu einer Formulierung zurückzog, die den Islamismus als Gefahr bezeichnet. Es ist ihr schließlich vollkommen gleichgültig, wie sehr Mitglieder dieses Koordinierungsrates mit einiger Vehemenz immer wieder versuchen, Gleichberechtigung und andere kulturelle Mindeststandards zugunsten sogenannter “kultureller Akzeptanz” einzukassieren.
Weil sie sich darum nicht schert, kann sie erst die nötige Radikalität hervorbringen, den Islam, samt der durch ihn inspirierten Praxis vehement zu kritisieren.

Es entbehrt zugegebenermaßen nicht einer gewissen Ironie, wenn der Zentralrat der Muslime sich – nachdem er die Zustimmung zum Passus, dass der Islamismus eine Bedrohung sei zurückzog – darüber beschwert, dass ihm nicht recht geglaubt wird, wenn er von einer Bedrohung durch Islamisten berichtet.
Wer aber bei dieser Ironie noch lachen kann in Anbetracht der Tatsache, dass Menschenleben zu Allahs Wohlgefallen geopfert werden sollen, leidet entweder an stärkster humoristischer Geschmacksverirrung oder muss sich letztlich sagen lassen, dass er mit der mörderischen Praxis islamistischer Mordbrenner zumindest sympathisiere.

Geradezu mustergültig demonstriert zum Beispiel der dummdeutsche Pöbel von “Politically Incorrect”, wie nahe der deutsche Wahn dem islamischen de facto steht.

Ob der Verrat an der Volksgemeinschaft oder der Verrat an der Glaubensgemeinschaft, man ist sich im Grunde einig: Der Tod kann für die Apostaten nicht schnell genug kommen. So freut sich jemand mit dem treffenden Kosenamen “Honk”:

“Endlich weht diesen Verrätern mal der Wind ins Gesicht.”

Noch deutlichere Worte findet jemand, der sich “Ausgewanderter” nennt und dessen Vernichtungsfantasien nicht einmal davor zurückschrecken, sich eine Fortführung der antisemitischen Attentate des 11. Septembers herbeizusehnen.

“Ich schäme mich nicht die Bohne, und das, obwohl ich hoffe, daß es die drei erwischt. Redlich verdient! Oder sollen weiter unsere Leute sterben, die die Bereicherung außerhalb der Elfenbeintürme ertragen müssen? Jetzt stehen endlich die richtigen im Visier. War lange überfällig! Und das nächste entführte Flugzeug fliegt hoffentlich direkt in eine Berliner Glaskuppel! Auch da trifft es immer die Richtigen – jedenfalls noch.”

Aber wer bei soviel Sinn für die Ironie der Lage noch nicht längst sein Abendbrot ein zweites Mal schmecken durfte, dem gibt ein Mensch ein kleines Sahnehäubchen, nicht zuletzt indem er sich “Ratio” nennt und seine Webseite für “Mehr Freiheit” wirbt. Da man, wie sooft bei den Deutschen, ihnen kaum etwas Schlimmeres antun kann als sie zu zitieren und man zumindest nichts weniger schlimmes als das in Betracht ziehen sollte:

“Bravo!!
Bravo, daß unsere Muselfreunde jetzt endlich unser verbrecherisches Politikerinnen-Gesindel ins Visier nehmen! Diesem hochverräterischen Pack weine ich keine Träne nach.
Wir sollten unsere lieben Freunde bei dieser ehrenwerten Tätigkeit gewähren lassen.
Musels, wäre hätte das gedacht, erledigen die Drecksarbeit für uns!!!
Wenn sie damit fertig sind, kommen sie nach alter Revoluzzer-Sitte natürlich selbst dran. Dann frißt die Revolution ihre Kinder.”

Kritik weiß, dass der Islam nicht schlecht ist, weil er der Islam ist. Sie weiß vielmehr, dass er deshalb zu kritisieren wäre, weil der Mehrheitsislam nach wie vor den Sprung aus dem Mittelalter heraus nicht geschafft hat. Sie weiß, dass der Islam kritisiert werden muss, nicht um Moslems zu schaden, sondern um Menschen vor seiner – ersichtlich teilweise mörderischen – Praxis zu schützen. Sie weiß also auch, dass auch ein Ayyub Axel Köhler, ein Wolfgang Schäuble und selbst ein Ibrahim El Zayat in Schutz genommen werden müssen, gegen all jene die Menschenwürde für verhandelbar halten.
Umgekehrt braucht sie sich deshalb noch lange nicht zu schämen, wenn sie gleich am Nächsten morgen den Dreien übers Maul fahren müsste, weil sie antiaufklärerische Ideologien hofieren.
Sie gönnt sich keinen Frieden – weder mit dem Islam, noch mit den deutschen Zuständen, noch mit jeder Situation in der der Mensch ein geknechtetes, ein verächtliches, ein einsames Wesen ist.
Die unerwiderte Liebe jedenfalls, die das Rassistenpack von Politically Incorrect zu den Islamisten verspürt, wird sie wohl nicht mehr entwickeln.

Schlimmer als Hitler und Ahmadinedjad zusammen.

Wenn er wenigstens kein Jude wäre.
„[Bürgerliche Staatlichkeit kann ] auf das Prinzip zurückgeführt werden, wonach von zwei Tauschern auf dem Markte keiner das Tauschverhältnis eigenmächtig regeln kann, sondern daß hierfür eine dritte Partei erforderlich ist, die die von den Warenbesitzern als Eigentümer einander gegenseitig zu gewährende Garantie verkörpert und dementsprechend die Regeln des Verkehrs zwischen Warenbesitzern personifiziert.” [1]
Eugen Paschukanis, zitiert nach Gruber/Offenbauer, Streifzüge 2/2001.

Diese dritte Partei – der Staat – ist dasjenige Element, das den Menschen gegenübertritt und als dass es sich ihnen in seiner fetischisierten Form präsentiert. Die Individuen, die einen Wiedereintritt in die selbstverschuldete Unmündigkeit vollziehen (Bruhn), erfahren den Staat zuvorderst als den Garanten des Warentausches, der sie in die Position der Ohnmacht versetzt und zum Diener der Dinge degradiert.
Diesen ohnmächtigen Subjekten tritt er dann als Schutzherr und Folterknecht zugleich entgegen: Aus einem Mittel zur Organisation des Tausches wird ein Zweck, beziehungsweise eine Naturkonstante, der zu dienen sei. Diese Dienerschaft wird dann durch den Dienst an der Nation befriedigt.
Unzählig die Hinweise der kritischen Theorie auf die psychologischen Entlastungsfunktionen von Rassismus und Antisemitismus , unzählig auch die Verweise darauf, dass sie notwendiges Resultat aus der Fetischisierung des Staates seien – die dort stattfindet, wo der Staat nicht mehr Mittel zur vernünftigen Einrichtung von Gesellschaft ist, sondern erstarrte Vernunft überkommener Zeiten und nun im Dienst der Ideologie.
Die massenweise ihrer selbst nicht mehr mächtigen Subjekte verarbeiten ihre narzisstische Kränkung dadurch, dass sie sich in regressive Kollektive flüchten und ihre verdrängten Regungen wider ihre reale Ohnmacht gegen eine Fremdgruppe richten.
Der Staat aber erscheint allen Bürgern kapitalistischer Staaten – zumindest jenen des Zentrums – als eine unverrückbare, nicht wirklich sinnvolle, sondern gegen sie gerichtete „Naturgewalt“. Mit einer Ausnahme.
Ein Staat ist nicht gegründet worden, um den freien Warenaustausch zu gewährleisten, sondern um der eigenen Vernichtung zu entgehen: Der Staat Israel. Und hier müssen wir die Brücke zur Tagespolitik schlagen. Die Bevölkerung des Staates Israel hat die Fetischisierung ihrer Nation, ihrer Staatlichkeit, nicht benötigt, da es stets klar zu erkennen war, dass er nicht ein Selbstzweck, sondern ein Mittel der Lebenssicherung war.
Seit der Staatsgründung unter Beschuss, war für die Israelis ihre bewaffnete Nationalstaatlichkeit stets auch Garant ihres eigenen Lebens. Die Irrationalität kapitalistischer Nationalstaatlichkeit fand so einen rationalen Kern in der Beschützerfunktion des Staates vor antisemitischen Übergriffen: Eine Konstruktion von Fremdgruppen war somit nicht notwendig, da sie in Gestalt der Antisemiten tatsächlich in realiter vor den Toren standen und stehen.
Nun, wo der Staat unter ständiger Gängelung durch die fünfte Kolonne der Hamas und des Irans – die vereinigten Friedensbewegungen der Völker nämlich – nicht mehr als Schutzherr auftritt, sondern nur die „normalen“ staatlichen Funktionen (sprich: Die Gewährleistung des Kapitalflusses) wahrnimmt, bricht sofort die Normalität – also die Unvernunft des falschen Ganzen – herein. Ihr Name ist Awigdor Liberman, von dem Grenzgänge verschämt mutmaßt, man könne seine Positionen als „rassistische“ bezeichnen. Dies schreckt zurück vor einer simplen Tatsache: Lieberman IST Rassist.
Es ist keine Frage von Auslegung, ob ein Mensch Rassist sei oder nicht, sondern eine der Faktenlage. Ebensowenig wie es eine Auslegungsfrage ist, ob nun diese oder jene Kritik an Israel antisemitisch sei.

Entbindet also eine Wahl Liebermans am morgigen Tage antideutsche Kommunisten von der Solidarität mit Israel?
Ist nun – endlich – nach Jahren der Gängelung die Zeit der Versöhnung mit den Antiimperialisten angebrochen, in einer gemeinsamen Kritik Israels als Rassistenstaat?
Rauft sich die deutsche Volksgemeinschaft doch noch einmal zusammen?

Die Antwort auf alle diese Fragen ist ebenso einfach für einen Antideutschen wie blasphemisch für einen Bewegungslinken: Nein.

Wieso aber sich mit einem Staat solidarisieren, in dem rassistische Politiker zu Macht gelangen können? Schlichtweg: Weil das keine Besonderheit Israels ist, sondern wie oben nachgewiesen, ein Problem ausnahmslos aller Nationalstaaten – unter denen Israel auch unter der Führung eines Rassisten noch immer die Besonderheit hätte, Schutzraum der Verfolgten des Antisemitismus zu sein.
Die Fetischisierung des Staates aber, damit die Schaffung einer nationalen Identität, geschieht unter Verhältnissen, wo das Mittel zum Zweck gerinnt – in Israels Falle dort, wo der Staat eben nicht mehr den Schutz seiner Bürger garantiert, sondern nur noch garantieren soll, dass der Tausch innerhalb seiner Grenzen reibungslos abläuft. Auch das plötzliche Auftauchen Liebermans nach dem Abbruch der Operation Cast Lead legt diesen Schluss nahe:
Die allgegenwärtige Verzweiflung ( vgl. hier oder hier ) die sich aus dem stets wiederholten Zurückzucken der israelischen Regierungen gegenüber den Antisemiten aller Länder ergibt, lässt den Wunsch nach einem „starken Mann“ aufkeimen, der das „israelische Volk“ – also die Ableitung aus dem fetischisierten Staat – zur Größe zurückbringt.
Mit anderen Worten: Sollte Lieberman gewählt werden, ist das ein Resultat des Antisemitismus – nicht aber seine Ursache.

Das aber wird die deutsche und internationale Linke wenig interessieren.
Genausowenig wie es sie interessierte bei der Blockade Gazas, beim Schutzzaun oder auch nur einem einzigen der Kriege Israels – angefangen beim Unabhängigkeitskrieg.
Zumindest aber wird der morgige Tag dem einen oder anderen Bewegungsantideutschen, dem das Dasein als Vaterlandsverräter im beliebtesten Land der Welt dann doch etwas unbequem wird, die Gelegenheit geben unter den Prämissen des Antirassismus in den Schoß der deutschen Linken zurückzukehren.
Denn der ist fruchtbar noch.

Alle anderen dürfen sich jetzt schon auf die Schlagzeilen und Karikaturen der nächsten Tage freuen. Einige Israelkritiker werden sich jetzt jedenfalls ärgern, dass sämtliche Hitler und Holocaustvergleiche schon vorher verheizt wurden – die Steigerung wird nun schwierig.

Kosslick machts möglich – ein roter Teppich für Ahmadinejad.

Strahlemann Kosslick.

Der CIEF und Stop the Bomb laden ein zu einer Veranstaltung, der die Problematik des iranischen Films dokumentieren und kommentieren soll. Lizas Welt berichtete bereits über einen Brief des CIEF an den Programmdirektor der Berlinale Kosslick, während die iranischen Medien bereits von den Protesten der Zionistenbande in Berlin berichteten. CIEF und STB fordern dazu auf, den Aufruf so weit zu verbreiten wie irgend möglich, daher hier noch einmal die Einladung.

Der Club iranischer und europäischer Filmemacher (CIEF) und die Kampagen STOP THE BOMB laden ein zur Veranstaltung

„Kosslick machts möglich: Ein roter Teppich für Ahmadinejad“.

Die Veranstaltung findet am 4.2.2009 um 20 Uhr in der Filmbühne am Steinplatz (Hardenbergstr. 12, U+S Zoologischer Garten) in Berlin statt.

Dabei werden wir die bereits in unserem Offenen Brief erhobenen Forderungen nach Absetzung des Berlinale-Intendanten Dieter Kosslick und der iranischen Filme auf der Berlinale bekräftigen.

Programm der Veranstaltung:

Javad Assadian (Exil-Iranischer PEN-Club):
Bilder und ein Gedicht zum Gedenken an unseren Freund und Kollegen Ramin Molai, der am 19. Januar 2009 im Berliner Exil verstorbenen ist.

Tobias Ebbrecht (Filmwissenschaftler):
Über den im Berlinale-Forum angekündigten Film „Letters to the President“, über die europäisch-iranische Kulturpolitik am Beispiel der Berlinale und über das aktuelle iranische Kino. Vortrag mit Filmbeispielen.

Kia Kiarostami (Iranischer Filmemacher und Produzent im Exil):
Über die Produktionsbedingungen für Filme im Iran und über die Proteste während der Berlinale.

Arman Nadjm (Iranischer Filmemacher im Exil):
Zeigt seinen Kurzfilm „Returning Home“. Seit 1979 werden die Menschenrechte im Iran mit Füssen getreten, besonders die Rechte der Frauen. Eines der Opfer des Regimes war Ziba Kasemi, eine kanadisch-iranische Journalistin, die während ihrer Arbeit im Juni 2003 in Teheran verhaftet, missbraucht und ermordet wurde. Der Film behandelt ihre Geschichte.

Moderation: Doris Akrap, Redakteurin der Berliner Wochenzeitung Jungle World.

Datum: Mittwoch, 4.2.2009
Beginn: 20 Uhr
Ort: Filmbühne am Steinplatz, Hardenbergstr. 12, Berlin-Charlottenburg (U+S Zoologischer Garten)

Wider die Auschwitzkeule – Hannover auf den Barrikaden.

„Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. Schriften (§ 11 Abs. 3), die zum Haß gegen Teile der Bevölkerung oder gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, daß Teile der Bevölkerung oder eine vorbezeichnete Gruppe beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,

a) verbreitet,

b) öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,

c) einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überläßt oder zugänglich macht oder

d) herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Buchstaben a bis c zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, (…)“

(Stgb, Paragraph 130, Artikel 2 – Volksverhetzung.)

Wer also zum Hass gegen eine rassische (man merkt, dass wir es hier mit einem deutschen Gesetzbuch zu tun haben), religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstachelt, soll nach dieser Rechtsauffassung bestraft werden.
Als solcher Haß würde Antisemitismus wohl durchaus problemlos durchgehen, aber nun stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich schuld daran?

Und nun dürfen Sie mal raten, wer im Weltbild deutscher Tageszeitungen schuld am Antisemitismus ist.

Ist es:
a) Die antizionistische Querfront, bekannt und beliebt durch den Slogan „Alle Juden muss tot“?

b) Christlicher Antijudaismus und Lügen über die Juden, wie von Bischof Williamson verbreitet?

c) Die immer wieder präsenten Nationalsozialisten mit ihrer Holocaustrelativierung oder Leugnung?

d) Ein kapitalistischer Antikapitalismus und psychologischer Abwehrimpuls auf bestimmte Formen der Vergesellschaftung?

e) Islamistische Propaganda?

f) Die Juden.

Die richtige Antwort lautet natürlich f) Die Juden.
Die Hannover Zeitung ist sich tatsächlich nicht zu schade, zu behaupten, der Zentralrat der Juden schüre durch seine Existenz und Funktion „einen neuen Antisemitismus“.
Wenn Charlotte Knobloch also kritisiert, dass vor wenigen Tagen Holocaustleugner rehabilitiert wurden, reitet sie in der Vorstellung der HZ auf 60 Jahre alten, ollen Kamellen herum, die sie besser mal endlich in Frieden ruhen lassen sollte.
Und wie jede antisemitische Hetze dieser Tage, kommt auch die HZ nicht daran vorbei, sich als bester Kumpel der Juden aufzuspielen.
So wird der gute Rat erteilt, Frau Knobloch solle sich doch einmal Gedanken darum machen, ob sie mit ihren Äußerungen nicht einem „neuen Antisemitismus Nahrung gäbe“ – ganz so, als sei der alte nicht schlimm genug.

Das ist er für den Autor übrigens tatsächlich nicht. Er versteigt sich allen Ernstes zur Behauptung, dass sich aus der Tatsache, dass es kaum Juden in Deutschland gäbe, direkt ein Mangel an Antisemitismus ergibt. So führten die Zahlen aus einer Umfrage, die belegt, dass kaum Deutsche Juden kennen „klar vor Augen“, dass es hier gar keinen „fundierten Antisemitismus“ geben könne.

Ganz richtig: Aus der Anwesenheit von Juden ergibt sich für den fraglichen Redakteur ein „fundierter Antisemitismus“ – weil Juden für gewöhnlich wirklich dazu neigen Brunnen zu vergiften, Kinderblut zu trinken und vor sich hin zu wuchern. (Wenn sie mal grade nicht mit dem Raffen beschäftigt sind oder schächten.)
Dass die Nazis ja schon durch die weitgehende Vernichtung der Juden den Kampf gegen den Antisemitismus und seine Auslöser – die Juden – maßgeblich vorangetrieben haben, reicht dem verantwortlichen Redakteur nicht. Sein judenfreundliches Engagement geht weiter. Diejenigen, die den Vernichtungswahn seiner Großeltern überlebt haben, sollen gefälligst auch noch die Schnauze halten, bevor so etwas noch einmal passiert.
Da ist der Herr Wöckener besorgt um das Wohl seiner Mitmenschen, denn er fürchtet, dass man mit „permanenten, kritischen Aussagen“ einen neuen Antisemitismus heraufbeschwört.
Also ist nicht etwa der Mensch, der behauptet, die Juden hätten den Holocaust inszeniert Schuld an der Verbreitung von Antisemitismus – vielmehr sind es die Juden, die sich von diesem Menschen belästigt fühlen und sich erdreisten, sich „permanent kritisch“ dazu zu äußern.

Er schließt mit folgendem Satz:-
„Stellen sie sich einmal vor das wir uns den ganzen Tag überlegt haben, ob wir diesen Bericht schreiben können, oder ob wir damit in eine antisemitistische Ecke gedrückt werden, in der wir uns als Journalisten nicht sehen. Und das obwohl wir in einem Land leben in dem schon mit Blick auf die Geschichte jeder das Recht haben sollte, seine Meinung frei zu sagen. “

Mit anderen Worten: Der Arme hat Angst um Leib und Leben. Zwar wird er nicht von der Aussage „Alle Juden tot“ mit umfasst, zwar werden auf die Orte an denen er verkehrt keine Sprengstoff anschläge verübt, zwar werden keine Raketen auf seinen Heimatort abgeschossen und eigentlich benötigt er auch keinen Personenschutz… aber trotzdem erscheint ihm, der sich nicht als Antisemit sieht, schon qua der Tatsache, dass er Journalist sei – ganz wie die Kollegen vom Stürmer eben – die Auschwitzkeule als das beängstigendste Strafinstrument, das die menschliche Geschichte je hervorgebracht hat.

Was lernen wir daraus?
Man sollte die Juden schleunigst ihrer Bürgerrechte entziehen, bevor sie noch weiter den Antisemitismus vorantreiben.
Und die Hannover Zeitung sollte einmal wirklich von der Auschwitz-Keule getroffen werden.
Sir Arthur T. Harris ist allerdings vor einiger Zeit verstorben, sodass das wohl ein bescheidener Wunsch bleiben wird.

Nachtrag:
Die Hannover Zeitung hat den Artikel gelöscht, um ihren peinlichen Ausfall nicht weiter dokumentiert zu wissen. Stattdessen schreibt sie folgendes:

„Dieser Artikel wurden von uns wegen der heftigen Reaktionen und der unsachlichen Argumentation in den Kommentaren editiert.

Nachdem es im Zusammenhang mit diesem Artikel zu massiven Drohungen einiger weniger Personen gegen die Redaktion, bzw. die Zeitung gekommen ist, die den Straftatbestand der Nötigung gem. §240 StGB erfüllen, haben wir entsprechende Strafanzeigen gestellt.

Eine Kopie des Artikels wurde dem Zentralrat der Juden in Deutschland mit der Bitte um Stellungnahme zu dem Artikel und zur Pressefreiheit im Allgemeinen übersandt. Wir werden Sie hier über die Antwort informieren.“

Update 2:
Der Text ist wieder online, mit einem Verweis auf Strafanzeigen die gestellt wurden.
Hier der aktuellste Kommentar (02.02.2009, 23:33)

„VIELEN DANK !!!!!

Ich kann es kaum glauben, dass es tatsächlich noch Journalisten mit (echter) Zivilcourage in Deutschland gibt. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so viel mutige Wahrheit noch einmal in einer deutschen Zeitung lesen darf.

Vielen Dank an die Redaktion. BITTE BITTE lassen Sie sich nicht beirren, Sie schreiben was der grösste Teil des Deutschen Volkes denkt. Je eher wir offen und frei beginnen darüber diskutieren, desto eher öffnen wir eine Tür zu ECHTER Annäherung zwischen Juden und Nichtjuden. Einer Annäherung, die nicht darauf beruht, dass eine Seite immer austeilt und eine andere sich wütend auf die Lippen beisst. Wenn wir es nicht tun, wird diese Tür eines Tages von anderen Kräften geöffnet, solchen die nicht mehr gewillt seien werden, Ausgleich und Frieden zu stiften.

Mit anderen Worten: Wenn die Juden nicht bald Ruhe geben,wird das deutsche Volk, das sich schon „wütend auf die Lippen beisst“ diese Tür [zu echter Annäherung] öffnen: Nämlich die zu den Gaskammern.
Widerwärtiger zu werden, wird da schwierig.

Update 3:
Da der Artikel lahmacun zufolge gekürzt sein soll, hier noch einmal die komplette Version von gestern abend.

„Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, wirft Papst Benedikt XVI. im Streit um die Wiederaufnahme des Holocaust-Leugners und Traditionalistenbischofs Richard Williamson in die Kirche mangelndes Fingerspitzengefühl vor. Das hatte sie ja bereits mehrfach in dieser Woche getan, fraglich ist nur, was sie mit der dauernden Wiederholung erreichen möchten.

Papst Benedikt XVI. steht in der Kritik, weil er die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbruderschaft aufgehoben hatte. Unter ihnen ist auch Williamson, gegen den die Regensburger Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Brite hatte in einem im Landkreis Regensburg aufgezeichneten Interview behauptet, die historische Evidenz spreche gegen die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200 000 bis 300 000 Juden von den Nazis ermordet worden.

Es stimmt, das der Holocaust ein Teil der deutschen Geschichte ist und ja, es war ein Verbrechen! Aber dieses Verbrechen wurde vor 60 Jahren begangen und es ist langsam an der Zeit den Toten ihre Ruhe zu gönnen. Das andauernd „Wiederaufleben“ lassen der Erinnerung in einer Form, die eine „Generalschuld“ eines ganzes Volkes bis in die 3, 4, 5 Generation indizieren soll, ist der Sache sicher nicht dienlich. Frau Knobloch sollte sich einmal Fragen, ob sie mit ihren Äußerungen nicht einem neuen Antisemitismus Nahrung gibt.

Der in Deutschland aufkeimende Antisemitismus basiert zum größten Teil auf Vorurteilen, die entstehen, weil sich einige, wenige Persönlichkeiten immer wieder ins Rampenlicht spielen müssen. In einer heute durchgeführten Blitzumfrage bei 147 zufällig ausgewählten Passanten gaben 139 an, das sie kein Mitglied der jüdischen Gemeinde kennen würden, 6 sagten, das sie glauben ein Mitschüler wäre Jude gewesen, waren sich aber nicht sicher. Zwei gaben an das sie jüdische Arbeitskollegen hätten, waren sich aber auch nicht ganz sicher.

Das sollte uns doch klar vor Augen führen, in Deutschland gibt es keine Basis für einen fundierten Antisemitismus, einfach weil die wenigsten Menschenr positive oder negative Erfahrungen in ihrem persönlichen Umfeld machen konnten. Die Vorurteile gegenüber den Juden in Deutschland basieren auf den Aussagen, die von führenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in der Öffentlichkeit gemacht werden.

Es ist traurig aber zu verstehen, das die Überlebenden des Holocaust nicht vergeben können. Trotzdem wäre es manchmal angebracht, wenn sie darüber Nachdenken ob sie mit ihren Aussagen dem Gedenken an dieses Verbrechen dienlich sind. Sicherlich handelt Frau Knobloch nur in der besten Absicht, aber es müsste ihr doch auffallen, das sie mit ihren permanenten, kritischen Aussagen einen neuen Antisemitismus heraufbeschwört.

Manchmal ist ein Geste des Vergebens besser um das Andenken an die Geschichte zu erhalten.

Stellen sie sich einmal vor das wir uns den ganzen Tag überlegt haben, ob wir diesen Bericht schreiben können, oder ob wir damit in eine antisemitistische Ecke gedrückt werden, in der wir uns als Journalisten nicht sehen. Und das obwohl wir in einem Land leben in dem schon mit Blick auf die Geschichte jeder das Recht haben sollte, seine Meinung frei zu sagen. “